
„Ein Update für ein erfolgreiches Produkt ist nicht leicht“
Philipp Horsch und Mathias Schneider beschreiben in fünf Aussagen, warum ein erfolgreiches Produkt schwer zu verbessern ist, wie HORSCH, um es trotzdem zu schaffen, strategisch vorgeht und welche Details sich bei der Pronto 3-6 DC verändert haben.

Ein erfolgreiches Maschinen-Update – wie geht das?
Philipp Horsch: Das Ziel bei einem Update liegt grundsätzlich darin, ein Produkt zu verbessern (Funktionen, Herstellung etc…), es aufzuräumen, d.h. Ausstattung zu optimieren, gegebenenfalls Gewicht zu reduzieren und auf neue Anforderungen aus dem Markt, also der Kunden, zu reagieren. Innerhalb eines Produktlebenszyklus entwickelt sich ein Produkt meist in die Richtung, immer komplexer zu werden. Der Grund ist laufende Erweiterung von Optionen etc., und es besteht die Gefahr, dass es dadurch beispielsweise teurer und unaufgeräumter wird.
Plötzlich merkt man: Manches hätte es nicht gebraucht. Da muss man dann einfach auch mal „Zöpfe abschneiden“, also neu denken und neu anfangen! Es geht folglich immer in besonderem Maße darum, ein Produkt „aufzuräumen“ – das haben wir bei HORSCH immer mit im Blick. So auch bei der Pronto 3-6 DC. Zunächst mal: Es ist sehr schwer, ein so erfolgreiches Produkt wie die Pronto DC noch weiter zu verbessern bzw. ein Update dafür zu machen. Hier haben wir nämlich im Großen und Ganzen keine Baustellen, d.h. es gibt technisch wenig Bedarf für Verbesserung. Bereits vor zehn Jahren haben wir über Updates nachgedacht und mehrere Anläufe gestartet, die Pronto zu verändern. Die sind uns allerdings nicht geglückt, da sich eher das Gewicht erhöht hat und die Kosten gestiegen sind und schlicht kein Mehrwert für unsere Kunden entstanden ist. Wir wollen die Funktionalität nicht grundsätzlich verändern, da das Produkt in allen Bereichen extrem rund ist. Die Funktion, das Gewichtsverhältnis – das passt alles super. Es ist in dem Fall einfach schwierig, das Original zu toppen.
Wie geht man strategisch bei so einem Maschinen-Update vor?
Philipp Horsch: Bei der Pronto 3-6 DC haben wir aufgrund der Schwierigkeit, ein solches Produkt zu updaten, unsere Strategie verändert und angepasst. Wir beschlossen, nicht alle paar Jahre quasi zwanghaft ein großes Update zu bringen, sondern kontinuierlich an kleineren Dingen zu arbeiten und diese zu verbessern. Vor ca. drei Jahren haben wir den Ansatz noch einmal angepasst, da wir strategisch vorgehen wollen und trotzdem das Bedürfnis hatten, etwas Größeres zu verändern. Wir haben die Maschine deshalb in zwei Baugruppen geteilt: einmal den Unterbau, also Chassis, Bodenbearbeitungswerkzeuge, Packer und Säschare. Die zweite Gruppe beinhaltet alles oberhalb des Chassis, den Tank, die Pneumatik und die Elektronik. Die Konzentration lag nun im Weiterentwicklungsprozess zunächst auf dem Oberbau. Was diese Vorgehensweise zusätzlich beflügelt hat, die Pronto jetzt einer größeren Veränderung zu unterziehen war, dass mehrere wichtige Komponenten im Bereich des Oberbaus, wie Elektronik, Dosiersysteme, Verteilersysteme, nach zum Teil mehrjähriger Entwicklungsarbeit nun fertig für einen neuen Roll-out sind.
Wie bereits erwähnt, haben wir vor diesem großen Update-Schritt bereits laufend kleinere Veränderungen an den Pronto DC vorgenommen. Ein wichtiges Beispiel dafür ist das TurboDisc 3 Schar, das wir bereits 2019 in Serie auf den Markt brachten. Das haben wir direkt umgesetzt, um dem Landwirt einen Vorteil zu schaffen. Es gibt also immer wieder Veränderungen an Produkten, bei denen wir nicht auf größere Updates warten wollen oder können, sondern sie zeitnah umsetzen.

Wie sieht das Update denn bei der Pronto 3-6 DC aus?
Mathias Schneider: Wir entschieden uns bewusst für eine Vereinfachung. Und es war uns sehr wichtig, ein Thema nach dem anderen anzugehen. Deshalb konzentrierten wir uns zunächst auf die erste Baugruppe oberhalb des Chassis. Nehmen wir nur das Beispiel MiniDrill: Hier hatten wir ursprünglich eine große Vielfalt an Lösungen für eine dritte Komponente. Mit der MiniDrill ist das ganz klar geregelt.
Hier können wir das Thema dritte Komponente in der Maschine mit einer Lösung abdecken und haben die Möglichkeit, sogar an unterschiedlichen Stellen Saatgut oder Granulat abzulegen.
Mit der Entwicklung der ersten Pronto führten wir zudem eine Designsprache ein, die wir 15 Jahre lang stringent beibehielten. Hier ist unter anderem geregelt, welche Erscheinungsform unsere Tanks haben. Mit unserem Ansatz, den oberen und unteren Bereich separat zu betrachten, schauten wir uns dann erst einmal unsere Tankbaugruppen mit allen Anbauteilen an. Wir stellten schnell fest, dass wir über eine zu große Palette an Tanks verfügen. Deshalb haben wir im Rahmen der neuen Designsprache unsere Tanks auf vier Grundtypen reduziert: einen kleinen und einen großen Einzeltank sowie einen kleinen und einen großen Doppeltank. Diese Grundtypen verwenden wir aber nicht nur in unserer Pronto Baureihe, sondern ebenso in den anderen Kompaktmaschinen wie Avatar, Sprinter, Focus, Maestro etc. Damit können wir zusätzlich mehr Designklarheit bringen, um Kosten zu halten.
Darüber hinaus sind wir das Thema Packer angegangen. Besonders bei der Pronto 6 DC setzen wir ab jetzt auf einen größeren 18-Zoll-Packer. Dafür gibt es zwei Gründe: einmal, weil wir damit auch auf extrem sandigen Flächen gute Ergebnisse erzielen. Der andere Grund ist, dass wir damit die Möglichkeit bieten, auch weiterhin mit 40 km/h in Europa auf der Straße fahren zu dürfen.
Wie bewertet man, was verbessert bzw. verändert werden soll?
Mathias Schneider: Es kommen immer wieder Ausstattungsmerkmale, die von den verschiedenen Märkten getrieben sind. Diese bewerten wir und schauen, ob und wie wir diese in unserer Serie umsetzen. Zudem muss man bereits vorhandene Ausstattung immer wieder überdenken und klarer für die Märkte strukturieren. Das Feedback unserer Kunden ist uns da sehr wichtig, da diese täglich mit unseren Maschinen arbeiten. Die Überarbeitung des Gebläses basiert z.B. auf Kundenwünschen. Die Gebläseansaugung wurde in den oberen Bereich des Tanks verlegt, um es besser vor Schmutz und Staub zu schützen. Auch die Abdrehsituation haben wir mit einem neuen Konzept deutlich verbessert und bedienerfreundlicher gemacht. Das Thema Arbeitsbeleuchtung wurde auch als Designmerkmal der neuen Tankbaureihe in die Maschine integriert, um unseren Kunden ein komfortables Arbeiten bei Nacht zu ermöglichen. Außerdem werden wir zukünftig verschiedene Ausbaustufen von SectionControl anbieten, um hier den Anforderungen aus der Praxis Rechnung zu tragen.
Ein Ausblick in die Zukunft:
Mathias Schneider: Einer der nächsten Schritte wird sein, den Unterbau zu überarbeiten. Das Ziel ist allerdings nicht, die Funktionen und die Werkzeugfolge zu ändern, sondern das Gewicht zu reduzieren, die Bedienbarkeit zu verbessern und – ganz wichtig – die Kosten zu halten. Außerdem wollen wir mehr Durchgängigkeit haben beim System Heben und Senken, also wie sich Chassis inklusive Fahrwerks und Schare hebt und senkt. Das bedeutet, wir wollen in Zukunft die Pronto 7-9 DC an die Pronto 3-6 DC angleichen, weil sich dieses System einfach am Markt sehr bewährt hat.

