Düngung - Strategien auf dem Prüfstand
Eine Vielzahl an Faktoren fordert Anpassungen.
Die Düngung unserer Bestände unterliegt einem ständigen Wandel. Vor Jahren war eine Dreifach-Düngestrategie im Weizen in der Praxis gang und gäbe. Häufig wurde die geplante Gesamtdüngermenge einfach durch drei geteilt. Ein Beispiel: Bei einer geplanten Gesamtmenge von 180 kg N/ha für Weizen streute man zum Starten im Frühjahr 60 kg N/ha, zum Schossen 60 kg N/ha und als Spätgabe nochmals 60 kg N/ha. Dies hat sich in den letzten Jahren grundlegend verändert. Terminierung und Mengenplanung werden dadurch immer herausfordernder. Treiber sind pflanzenbauliche und vor allem klimatische Entwicklungen sowie politische Vorgaben. Zusätzlich besteht ein deutlich höherer ökonomischer Druck zur Optimierung durch schwankende Nährstoffpreise. Während in den letzten Jahren die politischen Vorgaben und Rahmenbedingungen die Düngung stark prägten, wird die Steigerung der Effizienz derzeit – und wahrscheinlich auch in naher Zukunft – besonders durch hohe Düngerpreise vorangetrieben.

Gleichzeitig erschweren es pflanzenbauliche Herausforderungen, etwa die zunehmende Ungrasproblematik, trotz einer späteren Aussaat einen konkurrenzstarken Bestand zu etablieren. Je nach Vegetationsende vor dem Winter reicht dann häufig die Zeit nicht aus, um im Frühjahr unter ungünstigen Witterungsumständen resiliente und ausreichend bestockte Pflanzen zu haben. Eine zügige Entwicklung kann durch eine platzierte Düngung in Saatgutnähe mit Nährstoffen (und bei Bedarf mit Mikronährstoffen) forciert werden. Unterschiedliche Möglichkeiten der Platzierung von Nährstoffen bieten eine sehr effektive Art, um teure Nährstoffe effizienter zu nutzen. Mehr zu diesem Thema finden Sie im Artikel „Düngung bei Bodenbearbeitung und Aussaat“ (terraHORSCH 31/2025).
Herausforderung Düngerstrategie im Frühjahr
Die Nährstoffkosten waren schon immer ein entscheidender Bestandteil der Produktionskosten. Durch die derzeitigen Preise für Nährstoffe muss nochmals ein stärkeres Augenmerk auf einen möglichst wirksamen Einsatz gelegt werden. Wie viel Dünger muss ich einsetzen? Wie sieht die daraus kalkulierte Düngermenge aus? Wo kann ich kurzfristig sparen? Das ist die eine Seite. Die andere besteht aus der richtigen Terminierung und Aufteilung der Nährstoffe. Bei diesen Entscheidungen spielt vor allem der zu erwartende Wetterverlauf in den nächsten Wochen eine wichtige Rolle.
Die Fragen dabei sind:
- Ist die Pflanze für die Regeneration sowohl ausreichend mit Mikro- als auch mit Makronährstoffen versorgt?
- Wann kommt eine Trockenphase und schaffen wir es, den Dünger noch zu lösen, oder müssen wir vorsorgen, um die Pflanze in der zu erwartenden kritischen Trockenphase ausreichend zu ernähren?
- Liegen die Nährstoffe in der Krume so tief, dass sie trotz oberflächlicher Trockenheit noch ausreichend von der Pflanze aufgenommen werden können?

In einem kühlen Frühjahr wie 2026 mit einer sehr langsamen Bodenerwärmung bremst die verzögerte Mineralisierung die Jugendentwicklung. Hier hilft eine gezielte Düngung, um den Bestand sicher aufzubauen. Die daraus resultierende stark startbetonte Düngung hat zur Folge, dass der Spielraum für die Qualitätsdüngung geringer ausfällt. Andererseits wird durch den Düngerpreis und den zu erwartenden Qualitätsaufschlag die Überlegung zur Mengenaufteilung stark mit beeinflusst.
Aber auch in trockenen und schnell erwärmenden Frühjahren ist die Entscheidung, wann und wie viel gedüngt werden soll, nicht einfach. In trockenen Jahren mit schneller Entwicklung gilt es, den Bestand über die Trockenphase hinweg ausreichend zu versorgen, ohne durch zu starke Bestockung den Wasserverbrauch unnötig zu erhöhen.
Herausforderungen bei der Düngung:
- Ökonomische Optimierung
- Ungrasthematik
- Zunehmende Wetterextreme
- Richtige Entscheidung bei der teilflächenspezifischen Applikation
Teilflächenspezifische Ausbringung
Eine weitere Möglichkeit für die möglichst effektive Verwertung der Nährstoffe ist die teilflächenspezifische Verteilung. Je nach Boden, Relief, Wasserverfügbarkeit und organischer Substanz im Boden variiert das Ertragspotenzial in der Fläche häufig stark. Bei der Grunddüngung mit Phosphat und Kalium bietet die teilflächige Ausbringung sehr gute Möglichkeiten, um den Dünger für die Pflanze gleichmäßig in der Fläche anzubieten. Die für eine teilflächige Applikation notwendigen Karten sind sehr zuverlässig durch Bodenbeprobungskarten zu erhalten. Die Ausbringung mit VariableRate per Section bietet dabei die Möglichkeit, relativ kleinräumig auf den Bedarf zu reagieren.

Bei der Entscheidung für eine teilflächige Stickstoffdüngung fließen viele Faktoren mit ein, z.B. der nicht immer einfach einzuschätzende zukünftige Witterungsverlauf. Dennoch können die Bestände durch eine teilflächige Ausbringung stark verändert werden. Diese Möglichkeit ist ein starkes Instrument, um Bestände in der Fläche zu egalisieren. Die Kunst für den Betriebsleiter besteht darin, die richtige Karte bzw. die richtige Sensoreinstellung für die Applikation zu wählen. Der Nutzen der Umverteilung der Nährstoffe in der Fläche liegt vor allem in einer besseren Stickstoffverwertung, aber auch die Wassereffizienz wird dadurch merklich optimiert.
Nach unseren Erfahrungen ist jedoch die teilflächenspezifische Steuerung der Bestände erst mit Erfolg gekrönt, wenn neben der Düngung auch die Maßnahmen im Pflanzenschutz dieselben Ziele wie die Düngung verfolgen. Das bedeutet: Wenn die Düngung trieberhaltend wirken soll, dann sollte die Idee auch im Pflanzenschutz weiterverfolgt werden, aber auch andersherum. Erfahrungen zeigen homogene Bestände beim Drusch und einheitliche Vermarktungspartien bezüglich der Qualitätsparameter besonders auf inhomogenen Flächen. Besonders interessant ist diese Methode bei knappen N-Obergrenzen (hohen Preisen) und in Kulturen mit Qualitätszielen.
Durch die angespannte Preissituation, gepaart mit den klimatischen Veränderungen, stellt die Düngung für jeden Landwirt eine ökonomische Herausforderung dar. Mit den eingesetzten Nährstoffen zielgerichtet qualitativ hochwertige Nahrungsmittel zu erzeugen, ist die Aufgabe für die Zukunft.