Fokus auf Flexibilität und Leistung
Seit der Gründung im Jahr 1957 ging der Landwirtschaftsbetrieb AT Bone aus Hertfordshire stets sorgfältig kalkulierte Risiken ein, nutzte Expansionsmöglichkeiten und investierte in neue Bereiche.

Was als 28-ha-Schweinezuchtbetrieb begann, hat sich zu einem breit aufgestellten Unternehmen entwickelt, das 4.452 ha bewirtschaftet. Die Basis für den Erfolg sind Flexibilität, betriebliche Synergien und eine kompromisslose Fokussierung auf Leistung. Daher wurde kürzlich in die erste HORSCH Avatar Sämaschine mit 18 m Arbeitsbreite in Großbritannien investiert.
terraHORSCH traf Betriebsleiter James Ashley, der seit 17 Jahren im Unternehmen tätig ist, um über das beeindruckende Wachstum des Betriebs zu sprechen und darüber, wie die jüngsten Maschineninvestitionen die Zukunft des Betriebs prägen.
Ein Lehrstück in Sachen Diversifizierung

Alan Bone baute in den 1960er- und 1970er-Jahren in Ware, Hertfordshire, einen erfolgreichen Betrieb mit Milchvieh- und Rinderhaltung auf. Der erste große Schritt erfolgte Anfang der 1980er-Jahre: Alan verkaufte die 120-köpfige Milchkuhherde und übernahm den Betrieb Crossoaks Farm, einen 162 ha großen Ackerbaubetrieb im nahegelegenen Borehamwood.
Dies war der erste von vielen Schritten zur Erweiterung des Betriebs, bei denen die lokalen landwirtschaftlichen Chancen erkannt und genutzt wurden.
Von da an wurde die Anbaufläche u.a. durch Vertragsanbauvereinbarungen stetig vergrößert. „Sobald die Infrastruktur vorhanden ist, kann man expandieren, aber nur, wenn man es richtig macht“, sagt James. „Das war schon immer unser Ansatz.“
Im Laufe der Zeit brachte dieses Wachstum sowohl Chancen als auch Druck. Mehr Land bedeutet mehr Ertrag, aber auch engere Zeitfenster für die Bewirtschaftung.
Obwohl sich das Unternehmen weit über die traditionelle Landwirtschaft hinaus entwickelt hat, ist es fest in der ländlichen Wirtschaft verwurzelt geblieben und arbeitet mit Landbesitzern, Betrieben und gleichgesinnten Kunden zusammen, die vor den gleichen Herausforderungen stehen.
Anstatt in unterschiedliche Branchen zu expandieren, wurde jeder Geschäftsbereich so konzipiert, dass er die Landwirtschaft ergänzt und die Entwicklung ländlicher Vermögenswerte fördert. Dazu gehören eine Logistikflotte, die Getreide direkt zu den Endverbrauchern transportiert, sowie ein Geschäftsbereich für Hoch- und Tiefbau, der sich auf Projekte im ländlichen Raum und auf Betrieben konzentriert. Darüber hinaus verfügt AT Bone über ein umfangreiches Immobilienportfolio, das aus umgebauten landwirtschaftlichen Gebäuden entstanden ist.
„Es spielt sich alles nach wie vor im selben Umfeld ab“, erklärt James. „Wir arbeiten mit Landwirten, Gutsbesitzern und Grundbesitzern zusammen – mit Menschen, die versuchen, das Beste aus ihrem Land und ihrem Vermögen herauszuholen.“
Diese Ausrichtung verschafft dem Unternehmen einen starken wirtschaftlichen Vorteil, da sie praktische landwirtschaftliche Erfahrung mit einem tiefgreifenden Verständnis für die Diversifizierung im ländlichen Raum verbindet.
Der moderne Betrieb von AT Bone mit Sitz in der neuen Zentrale in Hertford ist ein Paradebeispiel für Diversifizierung in der Agrarindustrie.
„Wenn jemand einen Hof ausbauen oder einen Teil seines Betriebs diversifizieren möchte, können wir das komplett übernehmen“, sagt James. „Wir kennen uns mit der Planung, dem Bau, der Infrastruktur und der anschließenden wirtschaftlichen Umsetzung aus.“
Da diese Dienstleistungen aus einer Hand angeboten werden, können Projekte effizienter und mit einem klareren Verständnis für die Endnutzung realisiert werden. „Wir haben das auf unserem Betrieb schon selbst gemacht. Daher wissen wir, was funktioniert“, fügt James hinzu. „Das ist keine Theorie, sondern praktische Erfahrung.“

Die Bau- und Immobilienabteilung ist zu einer zentralen Säule des Unternehmens geworden. Das Immobilienportfolio umfasst mehr als 200 Pächter und sorgt für eine stabile, langfristige Einnahmequelle, die das Gesamtgeschäft stützt. „Das verleiht uns eine gewisse Widerstandsfähigkeit“, sagt James. „Die Landwirtschaft wird immer Höhen und Tiefen haben, aber Immobilien und Bauwesen helfen dabei, das auszugleichen.“
Darüber hinaus ermöglicht diese Diversifizierung weitere Investitionen in den landwirtschaftlichen Betrieb selbst. Sie liefert die Mittel für schlagkräftige Maschinen und ermöglicht langfristige Entscheidungen statt kurzfristiger Reaktionen.
„So können wir uns weiterentwickeln“, fügt er hinzu. „Wir sind nicht nur auf eine einzige Einnahmequelle angewiesen.“

Ein klarer Ansatz für den Ackerbau
Die Bewirtschaftung von 4.047 ha Ackerland und 405 ha Land im Rahmen des „Sustainable Farming Incentive“ (SFI) Programms erfordert eine klare Strategie. Während einige Großbetriebe auf Controlled Traffic Farming (CTF) setzen, hat sich AT Bone für einen anderen Weg entschieden.
James ist der Meinung, dass die strikte Ein haltung von CTF die Flexibilität einschränkt und so ein Unternehmen bei der Expansion zu enormen Kapitalkosten zwingt. „Controlled Traffic ist zwar nicht unser Mittel der Wahl, aber auch wir kontrollieren die Überfahrten. Auch ohne CTF befinden sich unsere Fahrspuren dank RTK jedes Jahr an derselben Stelle. Das muss einfach so sein. Das ist nur logisch“, sagt James.
„Aber die Margen in der Landwirtschaft sind ohnehin schon sehr knapp und je größer man wird, desto mehr Maschinen muss man anschaffen, wenn man sich auf eine bestimmte Breite festgelegt hat. Wenn man von 2.000 auf 4.000 ha springt, braucht man schnell eine oder zwei weitere Sämaschinen und einen weiteren Mähdrescher. Finanziell kann das nicht funktionieren.
„Bei unserer Methode kann man aber eine Sämaschine mit größerer Arbeitsbreite kaufen und diese länger nutzen. Denn egal, wie viel Geld man durch Controlled Traffic spart, es kann die Möglichkeit, zusätzliche 2.000 ha zu bewirtschaften, nicht ausgleichen.“
Die Anbaustrategie des Betriebs ist äußerst anpassungsfähig und orientiert sich an der betrieblichen Effizienz sowie den Bedürfnissen der Kunden. Mit acht verschiedenen Vertragsanbauvereinbarungen muss AT Bone auf unterschiedliche Landbesitzer eingehen. Was für den einen funktioniert, kommt für den anderen vielleicht nicht infrage. „Wir sind kein reiner Direktsaat-Betrieb. Wir legen uns nicht auf eine Sache fest und die Avatar gibt uns diese Flexibilität“, bemerkt James.

Zudem verursacht der enorme Umfang der Feldarbeiten auf dem Betrieb, darunter das aufwendige Separieren und Ausbringen von 50.000 t organischer Substanz, erheblichen Verkehr auf dem Feld. Dies macht eine Bearbeitung zur Sanierung der Böden erforderlich.
„Wir setzen uns jedes Jahr zusammen und erstellen im Mai oder Juni einen Bodenbearbeitungsplan für die Zeit nach der Ernte. Aber niemand weiß, wie das Wetter wird“, sagt James. Wenn wir beispielsweise durch einen trockener Sommer natürliche, tiefe Risse im Boden haben, verzichtet das Team auf unnötige Untergrundlockerung und spart so Zeit und Geld. Umgekehrt erfordert ein nasser Sommer, der zu Bodenverdichtungen führt, ein Eingreifen.
Auf mehr als 50 % der Fläche wird Winterweizen gesät, wobei auch Sommerweizen, Raps und Wintergerste im Mix enthalten sind. Auch das Pflügen bleibt ein wichtiges Instrument bei der Bodenbearbeitung. Da der Betrieb große Mengen glutenfreien Sommerhafer anbaut, ist konsequentes Winterpflügen oft unerlässlich, um alle Weizen- oder Gerstenausfallpflanzen zu eliminieren, da schon ein einziges Weizenkorn dazu führen kann, dass die gesamte Ernte abgelehnt wird.
Mehr Flexibilität mit der 18 m HORSCH Avatar
Um die wachsende Anbaufläche zu bewältigen und den Ertrag auch bei engen Wetterfenstern zu sichern, beschäftigte sich das Team mit den Kapazitäten bei der Aussaat. Nachdem man zuvor auf drei Sämaschinen gesetzt hatte (eine 12-m-Zinkensämaschine und zwei 8-m-Scheibensämaschinen), entschied AT Bone, eine der 8-m-Maschinen durch eine 18 m Avatar zu ersetzen – die erste in dieser Arbeitsbreite in Großbritannien.
„Der Avatar wird als Direktsaatmaschine vermarktet, aber als Kombisämaschine für Aussaat und Bodenbearbeitung ist sie fantastisch. Wir machen vielleicht noch einen Durchgang hinter dem Tiefenlockerer, um den Boden zu ebnen, aber die Kosten dafür sind mit einem 12-m-Grubber minimal. Unser 12 m Cruiser hinterlässt den Boden so eben, dass wir direkt hinterherfahren können“, erklärt James.
Ausschlaggebend für die Entscheidung waren vor allem der Ertrag und die Wetterunabhängigkeit. Während des außergewöhnlich nassen Herbsts 2023 hinterließ die 12-Meter-Sämaschine zu viele sichtbare Radspuren im Feld.
„Das möchten wir natürlich vermeiden. Aber was können wir unter diesen Bedingungen tun, um breiter zu arbeiten? Wir haben 36-m-Fahrgassen. Wenn wir mit 18 m säen, haben wir nur eine Radspur, dann sind wir auf der Fahrgasse.“
James ergänzt: „Wenn es richtig nass ist, opfert man die Breite der Spur, damit das Saatgut nicht verschüttet wird. Aber dann hat man ja immer eine kleine 3-m-Kreiselegge im Schuppen, um das Saatgut zu bedecken. Es war einfach effizienter. Deshalb haben wir den Sprung gewagt. Es war der einzige Weg, wie wir das schaffen konnten.“

Der Betrieb entschied sich nach sorgfältigen Überlegungen nicht für eine Standardversion der Avatar, sondern für eine Version mit einigen individuellen Anpassungen, insbesondere den Austausch der Sternräder und Abdeckungen, um Verstopfungen durch die steinigen Böden auf einigen Feldern zu vermeiden.
Als einer der ersten Anwender des 18-m-Modells muss man sich auch mit einigen praktischen und technischen Gegebenheiten auseinandersetzen. „Ich hatte diesen Herbst keine Probleme. Der einzige Punkt ist, dass der Abstand zwischen Deichsel und Rad groß ist, sodass man an der Stelle, an der sich der Stützfuß befindet, aufsetzen kann. Deshalb haben wir einfach mit einem Minibagger ein paar Unebenheiten in den Einfahrten begradigt.“
Derzeit verfügt die Sämaschine über zwei 9-m-Abschnitte anstelle einer Einzel-Scharabschaltung oder Teilbreitenabschaltungen. Dies führt zu einer geschätzten Überlappung von 8 %, was die Saatgutkosten erhöht. „Ich gehe aber davon aus, dass bei der nächsten Generation Teilbreiten verfügbar sein werden. Im Idealfall ist das genau das, was man eigentlich möchte“, meint James.
Bodenschluss ist entscheidend
Für James, der die Sämaschine bedient, ist für maximale Erträge der Bodenschluss entscheidend. „Das Säen ist für mich die wichtigste Aufgabe auf dem Hof“, betont er. „Wenn ich weiß, dass gut gesät wurde, sind 60% der Ernte bereits gesichert.“
Nachdem er in der vergangenen Saison 2.225 ha mit der Avatar gesät hat, ist es noch zu früh, um Erträge zu vergleichen, aber James ist bisher sehr zufrieden. Auch ein benachbarter Betrieb arbeitet sehr erfolgreich mit einer 12 m Avatar, selbst in einer nassen Saison, und sie säen auch nicht direkt. „Es muss nur die oberste Schicht trocknen, man bewegt keinen Boden, man braucht ihn nur, damit er Halt gibt. Durch den Schardruck wird das Saatgut gut eingebettet.“
„Die Serto hat uns sehr gut gefallen, aber sie war nicht breit genug. Die Avatar bot bei einer Arbeitsbreite von 18 m immer noch eine Transportbreite von 3 m.“
Ein Hauptanliegen von James ist das Vorgewende. „Wenn man sich die Ertragskarten der Felder ansieht, sind es immer die ersten 15 m, die kritisch sind. Denn dort wendet man mit der ganzen Maschine. Der Boden wird stark beansprucht, aber mit der Avatar ist man 9 m vom Rand entfernt, was die Bodenverdichtung verringert.“
Da auf den Feldern viel Feuerstein liegt, wird die Maschine von einem 410 PS starken John Deere 8RX mit Raupenketten gezogen. James hat festgestellt, dass der geringe Leistungsbedarf ein weiterer Vorteil ist. „Es ist eine großartige Kombination. Und da nur ein 20-t-Traktor benötigt wird, bleiben die Dieselkosten niedrig.“
„Ich schaffe 22 ha pro Stunde bei 13 km/h. Ich fahre gemütlich ohne Stress. Ich ruiniere die Traktoren nicht, indem ich sie an ihre Grenzen bringe. Und ich verbrauche nur 50 bis 60 l Diesel pro Stunde: Das ist ein Traum!“
Obwohl die Umstellung auf einen Reihenabstand von 25 cm kein ausschlaggebender Grund für den Kauf der Avatar war, hat James festgestellt, dass die Pflanzen hervorragend bestockt haben, ohne dass es zu einem Anstieg des Schädlingsbefalls kam. „Der Reihenabstand hat definitiv bei der Unkrautbekämpfung geholfen.“
Trotz des Erfolgs der Avatar hat James beschlossen, eine 8-m-Scheibensämaschine zu behalten, da diese seiner Meinung nach immer noch ein ideales Werkzeug nach dem Pflug ist, insbesondere bei der Bodenvorbereitung für ihren glutenfreien Hafer. Da die Preise für Gebrauchtmaschinen relativ niedrig sind, macht es Sinn für den Betrieb, sie für bestimmte Arbeiten zu behalten.
Logistische Überlegungen
Der Einsatz einer Maschine mit 18 m Breite in einem weitläufigen Gebiet bringt ganz besondere logistische Herausforderungen mit sich. AT Bone bewirtschaftet Flächen in einem Radius von fast 50 km mit 2.428 ha im Norden, einem weiteren Block von 486 ha und 405 ha im Süden sowie verschiedenen kleineren Parzellen. Darunter sind auch Flächen innerhalb der Autobahn M25, die um London herum führt.
„Das größte Problem ist der Verkehr“, gibt James zu und verweist auf die Schwierigkeit, landwirtschaftliche Maschinen durch dicht besiedelte Gebiete in der Nähe von London zu bewegen. Das Team über diese weitläufige Fläche hinweg zu managen, ist ebenso anspruchsvoll.
„Ich glaube, es kommt ein Punkt, an dem wir nicht mehr weiter wachsen wollen. Wir sind keineswegs an unserer Grenze angelangt. Alles ist in den Betriebskosten berücksichtigt. Ich denke einfach nur, dass das Leben dann sehr ineffizient wird.“
Was die 18 m breite Avatar selbst betrifft, ist der Transport überraschend unkompliziert. Die Sämaschine lässt sich kompakt auf drei Meter zusammenklappen. „Ehrlich gesagt ist es genauso, wie einen Anhänger zu ziehen“, bemerkt James.
Obwohl das Unternehmen stets offen dafür ist, mehr Land zu erwerben, stellt James fest, dass sie an die Grenzen der geografischen Effizienz stoßen. Würden sie weitere 405 ha weiter nördlich dazu nehmen, müssten sie wahrscheinlich 162 ha im Süden aufgeben, um ihre Präsenz zu festigen und die Fahrzeiten zu verkürzen.
Enorme Leistung der Leeb 8.300 PT
Das Bekenntnis zu leistungsstarken, zuverlässigen Maschinen betrifft auch die Pflanzenschutzstrategie. AT Bone nutzt eine selbstfahrende Spritze vom Typ Leeb 8.300 PT, die zusammen mit einem speziellen Tankwagen betrieben wird, um die Effizienz auf dem Feld zu maximieren. Wenn die Spritze die Maschinenhalle verlässt, folgt gleich der Tankwagen.
Bei einer enormen Betriebszeit von 1.700 bis 2.000 Stunden pro Jahr ist Zuverlässigkeit von größter Bedeutung. Aufgrund der hohen Arbeitsbelastung verfolgt der Betrieb eine strenge Austauschpolitik: Die Spritze wird alle zweieinhalb bis drei Jahre gegen ein neues Modell getauscht, solange sie noch einen hohen Wiederverkaufswert hat. Für James rechtfertigt die Leistung die Investition: „Das ist bereits unsere dritte Leeb PT. Eine bessere Spritze gibt es nicht auf dem Markt.“
Durch die Kombination von äußerst anpassungsfähigen, vernünftigen Anbaustrategien mit leistungsstarken, zuverlässigen Maschinen bewältigt AT Bone weiterhin die knappen Margen und unvorhersehbaren Faktoren der modernen Landwirtschaft. Eine Mischung aus Diversifizierung, praktischer Erfahrung und leistungsorientiertem Denken ist es, was AT Bone weiter vorantreibt.


