Home » Ausgabe 32-2026 » Aus der Praxis » Immer einen Schritt voraus: Julien Doussineau (FR)

Immer einen Schritt voraus

Nach seinem Studium als Agrar­ingenieur arbeitete Julien Doussineau zunächst zwölf Jahre lang im Bank­wesen, bevor er den Familien­betrieb im Departement Eure-et-Loir (Frankreich) übernahm. Er ist Landwirt in fünfter Generation. Heute bewirt­schaftet er 600 ha in einem Umkreis von 4 km um den Betrieb.

Dort arbeiten vier Personen: Julien Doussineau (Betriebs­leiter), Clément (Leiter Ackerbau), ein landwirt­schaft­licher Mit­arbeiter und Florian, ebenfalls landwirt­schaft­licher Mit­arbeiter und gelernter Maurer. Julien, der im örtlichen Gemeinderat tätig und daher oft unterwegs ist, setzt auf eine Betriebs­organi­sation, in der Viel­seitig­keit und Eigen­verantwortung un­verzicht­bar sind.
Seine Führungs­philo­sophie ist klar: „Es ist wie bei einer Rugby-Mannschaft: Man braucht verschiedene Persönlich­keiten, Charaktere und Kompe­tenzen, um zu gewinnen. Wir sitzen alle im selben Boot und durch unser gemein­sames Engagement können wir einen persön­lichen Mehr­wert schaffen.“ Um das gesamte Team auf das gemein­same Ziel der Renta­bilität einzu­schwören und kost­spielige Fehler während der Saison zu vermeiden, arbeitet der Betrieb mit einem Gewinn­beteiligungs­plan.

Mehrwert durch Diversifi­zierung

Diversifizierung ist ein wichtiger Bestand­teil der Betriebs­strategie. Ein Großteil des Getreides (60 bis 80 ha/Jahr) wird im Rahmen von Verträgen für die Saat­gut­vermehrung eingelagert. Dies erfordert eine klare Trennung der Chargen, die Möglich­keit der Rück­verfolgung und strenge Proto­kolle. Julien arbeitet vor allem an der Vermehrung von Saatgut der Klasse G1 (Weizen, Winter- und Sommer­gerste) mit hohen Anforde­rungen an die Sorten­reinheit.
Außerdem werden spezielle Kulturen angebaut: 50 ha Speise­kartoffeln und auf weiteren 50 ha Rundkorn-Mais, der als Futter für Tauben in Belgien und England dient. Insgesamt laufen jedes Jahr etwa 1.800 t Getreide durch das Silo des Hofes.

Voraus­schauend handeln zur Sicherung der Absatz­märkte

Bei den Speise­kartoffeln hat Julien das Qualitäts­konzept des Betriebs auf die GlobalG.A.P.-Zertifi­zierung aus­gerichtet. Außerdem ist sein Betrieb GRASP- (GLOBALGAP Risk Assessment on Social Practices) zertifiziert. Dabei geht es um verschiedene Aspekte des Wohler­gehens der Mit­arbeiter, die mit jährlichen Audits und zusätz­lichen Kontrollen durch große Handels­ketten gewährleistet werden.
Seit zwei Jahren engagiert sich der Betrieb zudem im Bereich der CO₂-Reduzierung. Für Julien ist das nur logisch: „Ausgehend von diesen Zerti­fizierungen zur CO₂-Reduzierung ist es nur noch ein kleiner Schritt.“ Der Ansatz bringt auch Wert­steigerungen bei bestimmten Verträgen: „Ich verkaufe Hart­weizen an Unilever. Damit kann ich einen besseren Preis erzielen.“ Aber vor allem will Julien immer einen Schritt voraus sein.

Einstellung nach Persönlichkeit

Julien beobachtet eine deutliche Veränderung im land­wirt­schaftlichen Berufs­feld. Das macht die Beschaffung von Personal schwieriger: „Es geht nicht mehr allein darum, einen Traktor zu fahren. Man muss kalku­lieren und planen, sich anpassen und mit­denken.“ Er erwartet pro­aktives Handeln: Auf­fällig­keiten müssen erkannt, Hinweise gegeben und Lösungen vor­geschlagen werden.
Daher legt er mehr Wert auf die Persönlich­keit als auf den landwirt­schaft­lichen Lebens­lauf. „Man kann Menschen nicht ändern, aber man kann ihnen Dinge bei­bringen.“ Mitarbeiter von außer­halb der Landwirt­schaft einzu­stellen, ist möglich, aber zeit­aufwändig: „Die Person muss lange genug bleiben, damit sich die Ausbildung amortisiert.“ Jedoch verteilt sich dieser Zeit­aufwand auf alle Mit­glieder des Betriebs: „Wenn alle im Betrieb motiviert sind und an einem Strang ziehen, dann wird die Ein­arbeitung eines neuen Mit­arbeiters, unabhängig von seinem Kompetenz­niveau, vom gesamten Team über­nommen und nicht nur vom Betriebs­leiter.“

Der Betrieb finanziert regel­mäßig Schulungen: Einweisung in die Bedienung von Traktoren (mit dem Händler), Arbeits­sicher­heit, Certiphyto (Zertifikat für alle, die mit Pflanzen­schutz­mitteln umgehen), Schweißen, den Führer­schein B96 (zum Ziehen eines 3,5-Tonnen-Anhängers) usw. Julien bespricht jedes Jahr die Anforde­rungen mit den Mit­arbeitern. Er ist der Ansicht, dass es kosten­günstiger ist, auf die Persönlich­keit eines Mit­arbeiters zu setzen als auf eine Person, die zwar über die Kompe­tenzen verfügt, sich aber nicht an die Unter­nehmens­kultur anpassen kann.

Mitarbeiterbindung

Juliens Ansprüche sind hoch. Er bietet seinen Mit­arbeitern aber auch entsprechende Leistungen: Büro, Kantine, Unterkunft für Saison­arbeiter, modernes Equipment, Firmen­wagen und eine individuelle Anpassung der Urlaubs­tage an die persönlichen Bedürfnisse. „Ich verlange viel. Daher müssen meine Mitarbeiter alles haben, was sie brauchen. Sie müssen sich körperlich und psychisch wohlfühlen.“
Auch im Alltag wird am Zusammen­halt gearbeitet: einmal pro Woche ein gemeinsames Essen in der Gast­stätte um die Ecke, Fach­exkursionen, Besuche bei den Herstellern. Die Einzel­gespräche mit den Mitarbeitern haben feste Abläufe und Ziele. Der Betrieb funktioniert nach einer Logik der kontinuier­lichen Verbesserung mit schlanker Struktur: Jedes Team­mit­glied kann konkrete Lösungs­strategien vor­schlagen (Organisation, Sicher­heit, Ergonomie). Beispiele dafür: die Anschaffung einer Hydraulik­presse, um Hin- und Her­fahrten zum Nachbarn zu vermeiden, die Entwicklung eines Werk­zeugs zum schnelleren Reifen­wechsel oder eine zuge­lassene Halterung für Teleskop­lader, um Big Bags sicher anzuheben. „Ich bin der Meinung, dass wir alle gute Ideen haben, die unsere Arbeit erleichtern und unsere Produktivität verbessern können. Jeder hat ein Mit­sprache­recht, und das Wichtigste ist, dass man anschließend die Meinung jedes Einzelnen respektiert, damit sich alle gehört fühlen.“
Ein weiterer wichtiger Punkt: Julien bezieht das Team in die Investitions­entscheidungen mit ein. „Zunächst schaue ich mir die Optionen allein an, dann nehme ich sie mit ins Boot. Sie nutzen die Maschine einen Großteil des Jahres, daher müssen sie mit­entscheiden – das ist völlig normal! Außerdem kann jemand, der seine Ausstattung selbst auswählt, sie im Nach­hinein nicht kritisieren. Und eine neue und moderne Aus­stattung motiviert das Team zusätzlich.“

Leeb VT: geringeres Ausfall­risiko

So wurde auch die Spritze gemeinsam mit Clément, neben Julien der haupt­verantwort­liche Fahrer, ausgewählt. Der HORSCH Leeb VT ist das „Herzstück“ des Betriebs. Auf dem Hof ist er etwa 500 Stunden pro Jahr im Einsatz, was einer Fläche von 5.000 ha pro Jahr entspricht. „Die Zeit­fenster können kurz sein. Wir wollen leistungs­starke Maschinen, die immer einsatz­bereit sind. Ein Ausfall zum falschen Zeitpunkt kann teurer sein als eine Neu­anschaffung.“

Für den Kauf des HORSCH Leeb VT gibt es einen ganz konkreten Grund: Nachdem die Spritze einer anderen Marke am Feldrand umgekippt war, wandte sich Julien an den Händler Duret. Seine Vorgabe: mehr Stabilität und Sicher­heit bei der Arbeit. Er betrachtet die Investition in eine Neu­maschine auch unter wirt­schaft­lichen Gesichts­punkten: Eine stark ausge­lastete Spritze mit einer angestrebten Nutzungs­dauer von fünf bis sieben Jahren, die in Bezug auf Betriebs­stunden noch relativ „neu“ und hinsichtlich der Ausstattung modern ist, kann gut wieder­verkauft werden. So vermeidet man aufwendige Wartungen.
Diese Überlegung gilt bei Julien für die gesamte Betriebs­aus­stattung: Lagerung, Kabel­trommeln, Bohr­geräte, Gebäude. „Wir lassen nichts unrepariert, nicht einmal eine Glüh­birne am Traktor.“ Das Ziel: ein sicheres Arbeits­umfeld zu gewähr­leisten und ein Leistungs­niveau aufrecht­zu­erhalten, das mit den Anforde­rungen mithalten kann.

Was Julien gerade beim Leeb VT wichtig ist: Moderni­sierung ist nur interessant, wenn sie die Leistung verbessert. „Den Komfort zu steigern, ohne die Produktivität zu erhöhen, ist ein No-Go. Das wäre eine reine Schön­heits­korrektur!“ Konkret zielt die Automatisierung (GPS, Gestänge­führung à la BoomControl, Vereinfachung der Arbeits­abläufe) darauf ab, die psychische Belastung und Fehler zu reduzieren. Daher: „Beim Leeb VT muss man nicht mehr drei Tasten drücken, um das Gestänge auszuklappen, sondern nur noch eine. Mit BoomControl kann man das Gestänge zudem einfach seine Arbeit machen lassen und den Uneben­heiten des Geländes folgen. Das sind vielleicht nur Details, aber in Summe gewinnen wir deutlich an Produktivität und Professiona­lität. Das Ziel ist, dass der Bediener nicht mehr nur einfach die Spritze fährt. Mit all diesen Hilfs­mitteln ist er ausgeruhter und kann sich auf die Maschine hinter sich, auf die Ausbring­qualität und die Einstellungen konzentrieren.“

Der Fall Florian

Florian kam vor zwei Jahren auf den Betrieb und sein Fall zeigt, wie bereichernd es sein kann, neue Wege in der Personal­beschaffung zu gehen.
Julien erklärt: „Jemanden einzu­stellen, der nicht aus der Landwirt­schaft kommt, ist eine echte Chance, unsere Denk­weisen zu erweitern. Er sieht unsere Gewohn­heiten mit anderen Augen und erkennt oft Verbesserungs­möglich­keiten, auf die wir selbst nicht gekommen wären. Außerdem kann man mit der Einstellung solch fach­fremder Mit­arbeiter neue Kompetenzen in den Betrieb bringen. So hat Florian, gelernter Maurer und Dachdecker, sein Fach­wissen an die anderen Mitarbeiter weiter­gegeben. Außerhalb der Saison können wir daher Renovierungs­arbeiten am Hof durch­führen. Ich hätte also auch nichts dagegen, einen gelernten Mechaniker einzu­stellen, um ihn für die Landwirt­schaft auszu­bilden. So würde ich im mechanischen Bereich unabhängiger werden und die Ausfall­kosten für die Maschinen senken, indem ich den Problemen, die mit der Alterung der Maschinen einher­gehen, noch etwas besser vorbeuge.“

Florian hat den Beruf des Maurers und Dach­deckers aus gesund­heit­lichen Gründen aufgegeben. Da er keinen direkten Bezug zur Landwirt­schaft hatte, ging er ohne Vor­urteile an die Sache ran: „Ich habe alles in der Praxis gelernt. Ich hatte bereits größere Maschinen gefahren, Traktoren machten mir also keine Angst.“ Seine Persönlich­keit passte sofort zum Team. Fleißig und vor allem lern- und aus­tausch­bereit arbeitete er schon bald selbst­ständig in den Bereichen Stoppel- und Boden­bearbeitung. „Von Anfang an wurde ich durch das Team optimal betreut. Die Kollegen haben mich über mögliche Gefahren informiert und eine Arbeits­weise vermittelt, durch die ich kost­spielige Fehler vermeiden konnte. Man wird genauso in die Verantwortung genommen wie die lang­jährigen Mit­arbeiter.“ Florian lobt die Aufnahme, die Betreuung und den Lern­fort­schritt durch Wieder­holung, immer unter­stützt von einem festen Ansprech­partner (Clément). Er schätzt die Viel­falt der Aufgaben, die Atmosphäre und die Aus­gewogen­heit sowie die jährlichen, auf Fort­schritt ausge­richteten Gespräche. Er fühlt sich sehr wohl in seinem neuen Arbeits­umfeld: „Für Leute wie mich, die nicht aus der Branche kommen, gibt es schon ein Gefühl der Sicher­heit, eine Stelle zu finden, die den alten und den neuen Beruf verbindet – das hilft dabei, den Sprung zu wagen.“

Leistungsfähigkeit, Teamgeist und Produktivität

Zwischen Zertifizierungen, CO₂-Reduzierung, Saatgut­ketten, Lagerung, Bewässerung und vorbeugender Wartung funktioniert der Betrieb von Julien Doussineau wie ein Öko­system: voraus­schauend handeln, Betriebs­sicher­heit gewähr­leisten und die Zeit­fenster für Maßnahmen einhalten. In diesem Zusammen­hang ist der HORSCH Leeb VT nicht nur Mittel zum Zweck, sondern ein Instrument zur Absicherung und Professionali­sierung: Er gewähr­leistet Zuverlässig­keit, Arbeits­erleichterung, schnelle Einsatz­bereit­schaft und Risiko­minderung, wenn es drauf ankommt.
Und hinter der Technik steht für Julien ein konsequentes Management: Mittel bereit­stellen, das Team ein­beziehen, schulen, zuhören, aber gleich­zeitig ein hohes Anforderungs­niveau bei­behalten. „Ich gebe ihnen den Spiel­plan und das Ziel vor. Ich verlasse mich darauf, dass sie in jeder Saison vollen Einsatz zeigen und das Spiel gewinnen!“