Strukturen für die Zukunft: Digitalisierung als Fundament
Die Geschwindigkeit der Digitalisierung nimmt insbesondere durch den Einfluss von Künstlicher Intelligenz massiv zu. Das wird in Zukunft nicht nur die Organisation in Unternehmen betreffen, sondern ebenso jeden landwirtschaftlichen Betrieb. Philipp und Frederic Horsch erklären, was das für das für HORSCH bedeutet und wie man künftig damit umgeht.
„Das digitale Zeitalter nimmt jetzt extrem an Fahrt auf und es verändert alles“, beschreibt Philipp Horsch die aktuelle Situation und betont dabei vor allem die enorme Geschwindigkeit der Entwicklungen. Dabei geht es nicht mehr nur um einzelne digitale Werkzeuge, sondern um die grundlegenden Fragen, wie Unternehmen und Betriebe künftig arbeiten, Entscheidungen treffen und Wissen organisieren.
Auch bei HORSCH hat sich die Haltung zum Thema Digitalisierung in den vergangenen Jahren verändert. Während man das Ganze früher deutlich nüchterner betrachtet hat und der Fokus auf anderen Themen lag, öffnete sich mit den ersten Erfahrungen rund um KI ein vollkommen neuer Blickwinkel. „Die Möglichkeiten von KI haben unsere Sichtweise komplett verändert. Das war ein echter Gamechanger“, so Philipp Horsch.

Digitalisierung hat sich zu einem zentralen strategischen Schwerpunkt entwickelt. Frederic Horsch verantwortet inzwischen den Bereich und treibt die Themen maßgeblich voran. Genau darin treffen derzeit zwei Dynamiken aufeinander: die technologische Zeitenwende sowie der Übergang zur nächsten Generation innerhalb des Familienunternehmens. „Es ist ein perfekter Zeitpunkt“, beschreibt Philipp Horsch die aktuelle Situation
Veränderung als Teil der Unternehmenskultur
Grundsätzlich bezeichnen Philipp und Frederic Horsch das Unternehmen als sehr veränderungstrainiert. Neue Technologien, neue Märkte und sich stetig verändernde Anforderungen prägen die Geschichte. Der Unterschied liegt heute vor allem in der Geschwindigkeit. „Veränderung gab es schon immer – heute passiert sie nur deutlich schneller“, bringt es Frederic Horsch auf den Punkt. Digitalisierung bedeutet dabei nicht einfach, bestehende Prozesse zu digitalisieren. Vielmehr geht es darum, Arbeitsweisen, Strukturen und Systemlandschaften grundlegend neu auszurichten.
Genau das zeigt sich aktuell besonders deutlich bei der internen Office-Struktur. So hat man sich dazu entschieden, zentrale Bereiche von Microsoft- auf Google-Systeme umzustellen. „Das ist kein reines Thema von Einsparungen“, erklärt Frederic Horsch. Besonders die tiefe Integration von KI-Anwendungen spielt eine wichtige Rolle. Ziel ist es, Arbeitsweisen künftig deutlich stärker mit KI-gestützten Assistenzsystemen zu verbinden und Mitarbeitende im täglichen Arbeiten besser zu unterstützen, etwa bei Meetingvorbereitungen, Dokumentationen oder dem schnellen Zugriff auf Wissen und Informationen.
Gleichzeitig geht es darum, bestehende Prozesse grundsätzlich neu zu denken. Denn aus Sicht von Frederic Horsch reicht es nicht aus, neue Werkzeuge einfach auf bestehende Strukturen aufzusetzen. „Menschen zu Veränderung zu bewegen, funktioniert nur, wenn sich auch das Umfeld verändert“, erklärt er.
Die Umstellung greift in bestehende Arbeitsabläufe ein und betrifft weltweit rund 2.200 der 3.500 Mitarbeitenden. Der Prozess wird intensiv begleitet, Schulungen und Unterstützung im täglichen Umgang mit der neuen Arbeitsumgebung spielen dabei eine zentrale Rolle. „Ziel ist, dass wir unsere Arbeitsweisen dadurch verbessern“, beschreibt Philipp Horsch den Anspruch hinter der Veränderung.
Auch Datensicherheit ist ein wesentlicher Bestandteil der Umstellung. Durch die Implementierung der Google-Dienste bleiben Daten in Europa und unterliegen dort den europäischen Datenschutzstandards. Interne Office- und Unternehmensdaten sind dabei nach wie vor getrennt von Kunden- sowie HorschConnect Daten zu betrachten. Die Kundendaten und alle HorschConnect Maschinendaten liegen auf einer komplett eigenständigen Serverstruktur in Deutschland.
Vielfalt beherrschen und ausbauen
Parallel dazu stehen auch die bestehende Systemlandschaft rund um Produktions- und Logistikdaten sowie alle produktbezogenen technischen Daten auf dem Prüfstand. Dazu zählen CAD-, ERP- und PLM-Systeme. Hier geht es weniger um tägliche Zusammenarbeit oder Office-Prozesse, sondern vielmehr um die Grundlage für Produktentwicklung und den Umgang mit zunehmender Komplexität.
Hintergrund ist die stetig wachsende Vielfalt im Produktportfolio. Unterschiedliche Ausstattungen, Märkte, Anforderungen und technische Lösungen führen dazu, dass Produktdaten und Entwicklungsprozesse immer komplexer werden. Gleichzeitig zählt genau diese Vielfalt zu den großen Stärken. Dank des tiefen ackerbaulichen Verständnisses und des engen Austauschs mit der Praxis können Anforderungen früh erkannt und neue Lösungen präsentiert werden.
„Uns ist das Thema Vielfalt sehr wichtig“, beschreibt Philipp Horsch die Ausrichtung. „Wir wollen noch mehr Vielfalt zulassen.“ Ziel ist daher nicht einfach ein Softwarewechsel, sondern eine grundlegende Verbesserung im Umgang mit Daten. „Wir wollen eine schnellere Time-to-Market und unsere Vielfalt noch besser beherrschen“, erklärt Philipp Horsch. „Dabei spielen Produktdaten eine große Rolle.“
Diese bilden zunehmend die Grundlage für Wissensmanagement, Service, Ersatzteilversorgung und zukünftige KI-Anwendungen. Künftig soll Künstliche Intelligenz dabei helfen, die hohe Innovationsgeschwindigkeit mit der notwendigen Sorgfalt, Qualität und Verfügbarkeit von Informationen zu verbinden. Gerade deshalb werden die Systeme als zentrale Grundlage für die gesamte Prozesskette bis hin zum Kunden betrachtet. Je komplexer Produkte und Anforderungen werden, desto wichtiger wird es, Daten, Entwicklung und Prozesse effizient miteinander zu verbinden. Genau daraus entstehen letztlich auch direkte Vorteile für den Kunden, etwa durch bessere Datenqualität, effizientere Serviceprozesse oder eine schnellere Verfügbarkeit neuer Lösungen im Markt.
Wissensmanagement und persönlicher Kundenkontakt
Gerade in technologiegetriebenen Unternehmen wächst die Menge an Informationen, Produktdaten und Prozesswissen kontinuierlich. Gleichzeitig ist auch das Unternehmen selbst in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Damit steigt die Herausforderung, vorhandenes Wissen schnell verfügbar und für alle nutzbar zu machen.

Genau darin sieht Frederic Horsch eines der größten Potenziale der kommenden Jahre. Künstliche Intelligenz wird dabei helfen, Wissen besser zu strukturieren und einfacher zugänglich zu machen. Das betrifft nicht nur interne Prozesse, sondern auch Service, Produktberatung und die direkte Unterstützung für den Kunden.
Besonders im Service sehen beide große Potenziale. Besseres Wissensmanagement kann schnellere Antworten ermöglichen, die Ersatzteilplanung verbessern und die Verfügbarkeit erhöhen. Gleichzeitig sollen Systeme wie HorschConnect künftig stärker KI-gestützte Funktionen integrieren, um Daten intelligenter zu verknüpfen und einfacher nutzbar zu machen.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, den Menschen zu ersetzen. Im Gegenteil: Der persönliche Kundenkontakt bleibt weiterhin ein zentraler Bestandteil der Unternehmensphilosophie. „Der menschliche Kontakt ist um Welten besser“, sagt Frederic Horsch. „Der Mensch kann mit dem Kunden reden und wird im Hintergrund unterstützt, sodass er wiederum schnell unterstützen kann.“ Genau darin sieht HORSCH einen entscheidenden Unterschied im Umgang mit Digitalisierung. KI soll den persönlichen Kontakt nicht ersetzen, sondern ihn unterstützen.
Veränderungen der Arbeitswelt
Die Auswirkungen dieser Entwicklung beschränken sich jedoch nicht allein auf Technologie oder Software. Digitalisierung verändert zunehmend auch die Organisation von Arbeit selbst.
So wurde im Unternehmen ein Einstellungsstopp beschlossen. Hintergrund ist die Erwartung, dass sich die Arbeitswelt durch Digitalisierung und KI in den kommenden Jahren spürbar verändern wird. Ziel sei es, durch bessere Prozesse, effizientere Strukturen und digitale Unterstützung langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Wachstum soll künftig stärker über Produktivität, Wissensmanagement und intelligente Systeme entstehen – nicht allein über personellen Aufbau.
Gleichzeitig geht es darum, bestehende Kernkompetenzen mit neuen Möglichkeiten aus KI und Daten-Know-how zu verbinden. „Wir kombinieren unsere Kernkompetenz, die wir schon immer hatten – den engen Kundenkontakt, die starke Verwurzelung im Ackerbau und unser Maschinenentwicklungs-Know-how – mit der neuen Welt“, beschreibt Philipp Horsch die strategische Ausrichtung.
Landwirtschaft steht am Anfang
Trotz aller Dynamik sehen Philipp und Frederic Horsch die Branche insgesamt noch am Anfang der Entwicklung. Sowohl in Unternehmen als auch auf landwirtschaftlichen Betrieben müssen viele Grundlagen erst geschaffen werden. Denn auch die Betriebe selbst werden künftig immer stärker mit digitalen Systemen arbeiten. Datenmanagement, Dokumentation, Maschinenkommunikation und digitale Prozesse werden deutlich wichtiger werden. In diesem Zug arbeitet HORSCH auch an eigenen Lösungen im Bereich Farmmanagement, um Landwirte bei ihrer täglichen Arbeit digital zu unterstützen. Aus diesem Grund haben wir uns an SAM-DIMENSION und an iXmap beteiligt. Die beiden Beteiligungen sind die ersten Schritte, um ein optimales Farmmanagement-System für unsere professionellen Ackerbauern zu entwickeln. SAM-DIMENSION ist spezialisiert auf professionelle Drohnentechnologie und iXmap hat langjährige Erfahrung mit Farmmanagement-Systemen.
„Dieses Level an Neuem gab es so noch nie“, beschreibt Philipp Horsch die aktuelle Situation. Viele Entwicklungen stehen noch am Anfang. Genau deshalb versteht HORSCH Digitalisierung nicht als kurzfristiges Projekt, sondern als langfristige strategische Aufgabe. Anpassungsfähigkeit wird dabei zu einer der wichtigsten Eigenschaften.
Digitalisierung ist deshalb kein abgeschlossener Prozess, sondern eine dauerhafte Veränderung. „Wir bauen aktuell an dem Fundament“, so Frederic Horsch. Erst wenn dieses Fundament steht, können die neuen Prozesse und KI-gestützten Anwendungen ihre Wirkung im Alltag vollständig zeigen.