Home » Ausgabe 32-2026 » Aus aller Welt » Benchmarking als Instrument für die Zukunft der Landwirtschaft

Benchmarking als Instrument für die Zukunft der Landwirtschaft

HORSCH LLC Seminar bringt nord­amerika­nische Landwirte zusammen.

Landwirt­schaft­liche Betriebe stehen unter zunehmendem Druck. Steigende Produktions­kosten, knappe Verfüg­bar­keit von Arbeits­kräften und die Heraus­forde­rung, auf begrenzter Anbau­fläche mehr Nahrungs­mittel zu produzieren, verlangen eine effizientere Arbeits­weise als je zuvor. Gleich­zeitig aber treffen viele Familien­betriebe lang­fristige strate­gische Entscheidungen, die ihre Betriebs­führung über Jahr­zehnte hin­weg prägen werden – von Maschinen­investitionen bis hin zu Frucht­folgen und Strategien zur Boden­bewirt­schaftung.

Vor diesem Hintergrund veranstaltete HORSCH kürzlich ein Seminar in den USA, um fort­schritt­liche Betriebe aus ganz Nord­amerika zusammen­zubringen. Das Ziel war nicht nur der Erfahrungs­austausch, sondern auch die Einführung eines strukturierten Benchmarking-Ansatzes, der den Betrieben hilft, ihre eigenen Abläufe besser zu verstehen und Verbesserungs­möglichkeiten zu finden.

Aufbau eines Netzwerks

HORSCH LLC konnte auf dem Seminar 18 ausgewählte Teilnehmer aus ganz Nord­amerika begrüßen, darunter Betriebe aus Saskatchewan, Ontario, Oklahoma, Iowa, Illinois und Indiana. Die meisten Eigen­tümer bzw. Betriebs­leiter vertraten familien­geführte Farmen, die Mais, Soja­bohnen, Getreide und Raps anbauen.
Die Idee hinter dem Treffen war einfach: eine Platt­form zu schaffen, auf der professionelle Betriebe mit starkem Wachstums­potenzial offen über Heraus­forde­rungen diskutieren, Erkenntnisse aus­tauschen und von­einander lernen können. Während solche Benchmarking-Gruppen in Europa seit Jahren etabliert sind, ist dieses Format in Nord­amerika noch relativ neu.
HORSCH hat in der Vergangen­heit bereits ähnliche Seminare veranstaltet. Das Konzept basiert auf der Unter­nehmens­philosophie, Landwirte über die reine Technik hinaus bei der lang­fristigen und nach­haltigen Entwicklung ihrer Betriebe zu unter­stützen.

Schwerpunkt auf praktischen Erfahrungen

Die Veranstaltung war auf eineinhalb Tage ausgelegt. Nach der Ankunft am Nach­mittag gab es eine Vorstellungs­runde, in der jeder am Tisch einen kurzen Über­blick über seinen Betrieb geben konnte.
Im ersten Vortrag stellten zwei deutsche Berater, die mit einer etablierten Benchmarking-Gruppe in Europa zusammen­arbeiten, das Konzept des strukturierten Betriebs-Bench­markings vor und erläuterten, wie die Betriebe der Gruppe ihre Wirt­schaftlich­keit detail­liert analy­sieren, um Stärken und Schwächen zu identifi­zieren.
Ihr Ansatz geht weit über einfache Ertrags­vergleiche hinaus. Statt­dessen konzentriert er sich darauf, die gesamte betrieb­liche Effizienz eines Betriebs zu erfassen – von Arbeits­kräften und Maschinen bis hin zu Logistik und Kapital­zuteilung.

Die Zahlen hinter einem Betrieb verstehen

Der zweite Tag begann mit der ausführlichen Präsentation eines Betriebs aus der europäischen Bench­marking-Gruppe. Im Mittel­punkt standen die Leistungs­kenn­zahlen (KPIs), die innerhalb der Gruppe erfasst und verglichen werden.
Beispiele waren:

  • Gesamtpersonalkosten, einschließlich der Arbeitszeit des Betriebs­inhabers
  • PS pro Acre oder ha
  • Zeitaufwand pro produzierter Getreide­einheit*
  • Maschineneffizienz und -auslastung

Durch die gemeinsame Analyse dieser Zahlen erhalten landwirt­schaft­liche Betriebe ein viel klareres Bild davon, wo Ressourcen effektiv eingesetzt werden und wo Verbesse­rungen möglich sind.
Ein wieder­kehrendes Thema während der Diskussionen war, dass Arbeits­kräfte und Zeit oft die größten begrenzenden Faktoren in modernen land­wirtschaft­lichen Betrieben dar­stellen. Eine verbesserte Organisation, die Optimierung von Arbeits­abläufen und die sorg­fältige Erfassung der Betriebs­kosten können daher einen erheblichen Einfluss auf die Gesamt­rentabilität haben.

*Getreideeinheit (GE): Eine Getreide­einheit ist eine standardisierte Vergleichs­einheit, mit der unterschied­liche Getreide­arten (z.B. Weizen, Gerste, Mais) in ein gemeinsames „Getreide Äquivalent“ umge­rechnet werden. So lassen sich Kenn­zahlen wie Arbeits­zeit, Maschinen­leistung oder Kosten je Produktions­einheit kultur­über­greifend ver­gleichen. Die genaue Definition (z.B. kg oder t Getreide Äquivalent) hängt vom jeweiligen Bench­marking System ab und muss inner­halb der Gruppe ein­heitlich sein.

Diskussionen zu Technik und Ackerbau

Am Nachmittag verlagerte sich der Schwer­punkt auf praktische acker­bau­liche Themen. Im Mittel­punkt standen Pflanzen­schutz­maß­nahmen und Aussaat – zwei Bereiche, in denen viele Betriebe mit ähnlichen Heraus­forde­rungen konfrontiert sind.
Die Teilnehmer tauschten Erfahrungen aus und identi­fizierten gemein­same Schmerz­punkte im Arbeits­alltag. Produkt­manager von HORSCH brachten ihr Fach­wissen ein und erläuterten, wie verschiedene Maschinen­konzepte diese Heraus­forde­rungen angehen und wie bestimmte Konstruktions­prinzipien die Effizienz im Feld verbessern können. Später ging es auch um Sä- und Boden­bearbeitungs­systeme, wobei globale land­wirt­schaft­liche Sicht­weisen aus­getauscht wurden.

Einblicke des HORSCH Teams

Im Rahmen des Seminars kamen auch Mitglieder der Familie Horsch zu Wort. Michael Horsch unter­stützte die deutschen Berater während der Präsenta­tionen und Diskussionen und übertrug die Benchmarking-Konzepte auf die nord­amerika­nischen Verhältnisse. Lucas Horsch lieferte zusätzliche Ein­blicke in globale Trends in der Land­wirt­schaft sowie Perspektiven zu Aussaat- und Boden­bearbeitungs­verfahren.
Durch das offene Format wurden auch viele direkte Fragen gestellt. Ein Landwirt sprach bei­spiels­weise das Thema Herbizid­resistenz an und fragte, ob dieses durch einen erhöhten Einsatz von Chemie gelöst werden könne.
Mike Wasylyniuk (Produkt­manager Crop Care) antwortete mit einer praktischen Beobachtung: „Nein. Eine Veränderung der chemischen Mittel allein wird das Problem nicht lösen. Oft kommt es auf grund­legende Anwendungs­parameter an. Einer der einfachsten und effektivsten Faktoren ist die Ein­haltung der richtigen Gestänge­höhe.“
Der Kommentar unter­strich ein wieder­kehrendes Thema des Seminars: Manchmal ergeben sich die größten Verbesse­rungen nicht durch den Einsatz zusätzlicher Mittel, sondern durch die Optimierung bestehender Prozesse.

Fortsetzung des Austauschs

Insgesamt fiel das Feedback der Teil­nehmer sehr positiv aus. Die Anwesenden schätzten sowohl die Offen­heit der Berater als auch die Bereit­schaft des HORSCH Teams, seine Sicht­weisen zu teilen.
Einer der wichtigsten Punkte ist, dass es gelungen ist, Kontakt zwischen Betrieben her­zustellen, die vor ähnlichen Heraus­forde­rungen stehen, aber selten die Gelegen­heit haben, sich so detailliert aus­zu­tauschen.
Mit Blick auf die Zukunft laufen bereits Gespräche über mögliche nächste Schritte. Eine Idee ist die Organisa­tion eines Folge­treffens oder sogar einer Reise nach Deutschland, um die Teil­nehmer­betriebe aus den etablierten Benchmarking-Gruppen zu besuchen und deren Arbeits­weise aus erster Hand kennen­zu­lernen.
Zwar sind die Pläne noch nicht end­gültig, doch das Interesse unter den Teil­nehmern ist offen­sichtlich. Die Bereit­schaft, von­einander zu lernen – und den eigenen Betrieb kritisch zu analysieren – könnte sich durchaus zu einem der wert­vollsten Instrumente für Betriebe entwickeln, die sich den Heraus­forde­rungen der modernen Landwirt­schaft stellen.