Benchmarking als Instrument für die Zukunft der Landwirtschaft
HORSCH LLC Seminar bringt nordamerikanische Landwirte zusammen.
Landwirtschaftliche Betriebe stehen unter zunehmendem Druck. Steigende Produktionskosten, knappe Verfügbarkeit von Arbeitskräften und die Herausforderung, auf begrenzter Anbaufläche mehr Nahrungsmittel zu produzieren, verlangen eine effizientere Arbeitsweise als je zuvor. Gleichzeitig aber treffen viele Familienbetriebe langfristige strategische Entscheidungen, die ihre Betriebsführung über Jahrzehnte hinweg prägen werden – von Maschineninvestitionen bis hin zu Fruchtfolgen und Strategien zur Bodenbewirtschaftung.

Vor diesem Hintergrund veranstaltete HORSCH kürzlich ein Seminar in den USA, um fortschrittliche Betriebe aus ganz Nordamerika zusammenzubringen. Das Ziel war nicht nur der Erfahrungsaustausch, sondern auch die Einführung eines strukturierten Benchmarking-Ansatzes, der den Betrieben hilft, ihre eigenen Abläufe besser zu verstehen und Verbesserungsmöglichkeiten zu finden.
Aufbau eines Netzwerks
HORSCH LLC konnte auf dem Seminar 18 ausgewählte Teilnehmer aus ganz Nordamerika begrüßen, darunter Betriebe aus Saskatchewan, Ontario, Oklahoma, Iowa, Illinois und Indiana. Die meisten Eigentümer bzw. Betriebsleiter vertraten familiengeführte Farmen, die Mais, Sojabohnen, Getreide und Raps anbauen.
Die Idee hinter dem Treffen war einfach: eine Plattform zu schaffen, auf der professionelle Betriebe mit starkem Wachstumspotenzial offen über Herausforderungen diskutieren, Erkenntnisse austauschen und voneinander lernen können. Während solche Benchmarking-Gruppen in Europa seit Jahren etabliert sind, ist dieses Format in Nordamerika noch relativ neu.
HORSCH hat in der Vergangenheit bereits ähnliche Seminare veranstaltet. Das Konzept basiert auf der Unternehmensphilosophie, Landwirte über die reine Technik hinaus bei der langfristigen und nachhaltigen Entwicklung ihrer Betriebe zu unterstützen.
Schwerpunkt auf praktischen Erfahrungen
Die Veranstaltung war auf eineinhalb Tage ausgelegt. Nach der Ankunft am Nachmittag gab es eine Vorstellungsrunde, in der jeder am Tisch einen kurzen Überblick über seinen Betrieb geben konnte.
Im ersten Vortrag stellten zwei deutsche Berater, die mit einer etablierten Benchmarking-Gruppe in Europa zusammenarbeiten, das Konzept des strukturierten Betriebs-Benchmarkings vor und erläuterten, wie die Betriebe der Gruppe ihre Wirtschaftlichkeit detailliert analysieren, um Stärken und Schwächen zu identifizieren.
Ihr Ansatz geht weit über einfache Ertragsvergleiche hinaus. Stattdessen konzentriert er sich darauf, die gesamte betriebliche Effizienz eines Betriebs zu erfassen – von Arbeitskräften und Maschinen bis hin zu Logistik und Kapitalzuteilung.
Die Zahlen hinter einem Betrieb verstehen
Der zweite Tag begann mit der ausführlichen Präsentation eines Betriebs aus der europäischen Benchmarking-Gruppe. Im Mittelpunkt standen die Leistungskennzahlen (KPIs), die innerhalb der Gruppe erfasst und verglichen werden.
Beispiele waren:
- Gesamtpersonalkosten, einschließlich der Arbeitszeit des Betriebsinhabers
- PS pro Acre oder ha
- Zeitaufwand pro produzierter Getreideeinheit*
- Maschineneffizienz und -auslastung
Durch die gemeinsame Analyse dieser Zahlen erhalten landwirtschaftliche Betriebe ein viel klareres Bild davon, wo Ressourcen effektiv eingesetzt werden und wo Verbesserungen möglich sind.
Ein wiederkehrendes Thema während der Diskussionen war, dass Arbeitskräfte und Zeit oft die größten begrenzenden Faktoren in modernen landwirtschaftlichen Betrieben darstellen. Eine verbesserte Organisation, die Optimierung von Arbeitsabläufen und die sorgfältige Erfassung der Betriebskosten können daher einen erheblichen Einfluss auf die Gesamtrentabilität haben.
*Getreideeinheit (GE): Eine Getreideeinheit ist eine standardisierte Vergleichseinheit, mit der unterschiedliche Getreidearten (z.B. Weizen, Gerste, Mais) in ein gemeinsames „Getreide Äquivalent“ umgerechnet werden. So lassen sich Kennzahlen wie Arbeitszeit, Maschinenleistung oder Kosten je Produktionseinheit kulturübergreifend vergleichen. Die genaue Definition (z.B. kg oder t Getreide Äquivalent) hängt vom jeweiligen Benchmarking System ab und muss innerhalb der Gruppe einheitlich sein.
Diskussionen zu Technik und Ackerbau
Am Nachmittag verlagerte sich der Schwerpunkt auf praktische ackerbauliche Themen. Im Mittelpunkt standen Pflanzenschutzmaßnahmen und Aussaat – zwei Bereiche, in denen viele Betriebe mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind.
Die Teilnehmer tauschten Erfahrungen aus und identifizierten gemeinsame Schmerzpunkte im Arbeitsalltag. Produktmanager von HORSCH brachten ihr Fachwissen ein und erläuterten, wie verschiedene Maschinenkonzepte diese Herausforderungen angehen und wie bestimmte Konstruktionsprinzipien die Effizienz im Feld verbessern können. Später ging es auch um Sä- und Bodenbearbeitungssysteme, wobei globale landwirtschaftliche Sichtweisen ausgetauscht wurden.
Einblicke des HORSCH Teams
Im Rahmen des Seminars kamen auch Mitglieder der Familie Horsch zu Wort. Michael Horsch unterstützte die deutschen Berater während der Präsentationen und Diskussionen und übertrug die Benchmarking-Konzepte auf die nordamerikanischen Verhältnisse. Lucas Horsch lieferte zusätzliche Einblicke in globale Trends in der Landwirtschaft sowie Perspektiven zu Aussaat- und Bodenbearbeitungsverfahren.
Durch das offene Format wurden auch viele direkte Fragen gestellt. Ein Landwirt sprach beispielsweise das Thema Herbizidresistenz an und fragte, ob dieses durch einen erhöhten Einsatz von Chemie gelöst werden könne.
Mike Wasylyniuk (Produktmanager Crop Care) antwortete mit einer praktischen Beobachtung: „Nein. Eine Veränderung der chemischen Mittel allein wird das Problem nicht lösen. Oft kommt es auf grundlegende Anwendungsparameter an. Einer der einfachsten und effektivsten Faktoren ist die Einhaltung der richtigen Gestängehöhe.“
Der Kommentar unterstrich ein wiederkehrendes Thema des Seminars: Manchmal ergeben sich die größten Verbesserungen nicht durch den Einsatz zusätzlicher Mittel, sondern durch die Optimierung bestehender Prozesse.

Fortsetzung des Austauschs
Insgesamt fiel das Feedback der Teilnehmer sehr positiv aus. Die Anwesenden schätzten sowohl die Offenheit der Berater als auch die Bereitschaft des HORSCH Teams, seine Sichtweisen zu teilen.
Einer der wichtigsten Punkte ist, dass es gelungen ist, Kontakt zwischen Betrieben herzustellen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen, aber selten die Gelegenheit haben, sich so detailliert auszutauschen.
Mit Blick auf die Zukunft laufen bereits Gespräche über mögliche nächste Schritte. Eine Idee ist die Organisation eines Folgetreffens oder sogar einer Reise nach Deutschland, um die Teilnehmerbetriebe aus den etablierten Benchmarking-Gruppen zu besuchen und deren Arbeitsweise aus erster Hand kennenzulernen.
Zwar sind die Pläne noch nicht endgültig, doch das Interesse unter den Teilnehmern ist offensichtlich. Die Bereitschaft, voneinander zu lernen – und den eigenen Betrieb kritisch zu analysieren – könnte sich durchaus zu einem der wertvollsten Instrumente für Betriebe entwickeln, die sich den Herausforderungen der modernen Landwirtschaft stellen.