SpotSpraying überzeugt: Warum litauische Betriebe auf Effizienz setzen
Steigende Betriebsmittelkosten und verschärfte Vorgaben führen bei vielen Landwirten zu einem Umdenken im Pflanzenschutz. Audrius Mockaitis erklärt, warum man sich bei Audrokesta für eine Drohne von SAM-DIMENSION entschieden hat und welche Vorteile das mit sich bringt.

terraHORSCH: Welche Veränderungen beobachten Sie auf dem Markt für Spritztechnik in Litauen?
Audrius Mockaitis: In den letzten 5 bis 7 Jahren hat sich der Markt für Pflanzenschutztechnik in Litauen grundlegend verändert. Wir sehen zwei klare Tendenzen: verschärfte Vorschriften und das wachsende Bedürfnis der Landwirte, präziser, wirtschaftlicher und nachhaltiger zu arbeiten. Die Ziele des EU Green Deal, die Strategie zur Reduzierung des Pestizideinsatzes um 50 % und der zunehmende öffentliche Druck in Sachen Umweltschutz wirken sich direkt auf die landwirtschaftlichen Betriebe aus. Auch die Preise für Pflanzenschutzmittel steigen, sodass Landwirte zunehmend nicht nur die Kosten pro Hektar, sondern auch die tatsächliche Rendite jedes Spritzvorgangs berechnen.
Die litauischen Landwirte sind sehr pragmatisch – sie erkannten schnell, dass es nicht mehr der Realität entspricht, das gesamte Feld zu behandeln. Unkraut tritt in der Regel in Nestern auf und nicht gleichmäßig. Dies führte natürlich zu einer Nachfrage nach entsprechenden Technologien, um nur dort zu spritzen, wo es nötig ist.
Bei Audrokesta haben wir auf diese Veränderungen nicht erst reagiert, als sie zum Trend wurden, sondern bereits viel früher. Wir haben uns schon mit PrecisionSpraying beschäftigt, als die meisten Marktteilnehmer nur beobachteten, was in Deutschland oder Dänemark passierte. Wir erkannten, dass Landwirte in Zukunft Lösungen benötigen, die Kosten senken, die Präzision erhöhen und eine nachhaltigere Arbeitsweise ermöglichen. Deshalb haben wir früher als die meisten anderen in diesen Bereich investiert – heute verfügen wir daher über echte, praktische Erfahrung und nicht nur über theoretisches Wissen.
Warum haben Sie sich für das Offline SpotSpraying System entschieden?
Das Offline SpotSpraying System erwies sich aus mehreren Gründen als die logische und praktische Wahl für litauische Betriebe:
- Die Ausbringmenge ist im Voraus bekannt. Das ist für die Betriebe von entscheidender Bedeutung, da sie häufig mit begrenzter Wasserversorgung, komplexer Logistik oder großen Entfernungen zwischen den Feldern konfrontiert sind. Da die genaue Ausbringmenge bekannt ist, kann der Landwirt das Spritzvolumen präzise planen, ein Übermischen vermeiden und Zeit sparen.
- Volle Kompatibilität mit ISOBUS-Pflanzenschutzspritzen. Litauische Betriebe setzen viele moderne Maschinen ein, aber niemand möchte deswegen seine Spritze austauschen oder in zusätzliche Technik investieren. Das Offline-System funktioniert mit sämtlichen Terminals, wie z.B. dem HORSCH eos Terminal, aber auch mit vielen anderen.
- Die Kamera an der Drohne blickt von oben fast senkrecht in den Bestand. Das ist besonders bei den Bedingungen in Litauen wichtig, wo die Bestände oft dicht sind und sich Unkraut zwischen den Reihen versteckt. Ein senkrechter Blickwinkel von oben ermöglicht es der Drohne, in die Pflanzendecke „hineinzuschauen“ und Unkräuter genauer zu identifizieren.
- Ständig aktualisierte Algorithmen. Da das System nicht in der Spritze „eingeschlossen“ ist, profitiert der Kunde von einer sich ständig verbessernden Qualität der Unkrauterkennung. Dies ist von großer Bedeutung, da das Unkrautspektrum breit gefächert ist und sich stetig verändert.
Für Landwirte sind Einfachheit, Zuverlässigkeit und Übersichtlichkeit die wichtigsten Faktoren.
Wie schätzen Sie die Nachfrage nach dem Drohnensystem von SAM-DIMENSION in Litauen ein?
Der Markt in Litauen ist noch am Anfang. Aber genau darin liegt die größte Chance. Litauische Landwirte gehören zu den innovativsten weltweit – sie treffen schnell eine Entscheidung, wenn sie einen klaren wirtschaftlichen Nutzen erkennen. Derzeit wächst das Interesse rasant, insbesondere bei größeren Betrieben, die bereits kalkulieren, wie viel sie einsparen können, wenn sie nur die Unkrautflächen behandeln.
So kann beispielsweise ein 500-ha- Betrieb mit viel Raps und Weizen in einer einzigen Saison Zehntausende Euro einsparen. Das merken die Landwirte sehr schnell.
Wir selbst haben früh investiert, weil wir erkannt haben, dass diejenigen, die als Erste in den Markt eintreten, die meiste Erfahrung und das größte Vertrauen gewinnen. Heute wollen Landwirte mit einem Partner zusammenarbeiten, der echte, nachweisbare Ergebnisse zeigen kann – und nicht nur mit jemandem, der ein neues Produkt anbietet. Das spüren wir bei jedem Kundengespräch.
HORSCH und SAM-DIMENSION vertiefen ihre Zusammenarbeit
Die seit 2019 bestehende partnerschaftliche Zusammenarbeit wird auf die nächste Stufe gehoben: HORSCH beteiligt sich strategisch an SAM-DIMENSION - für beide Seiten ein logischer Schritt aus einer über Jahre gewachsenen Zusammenarbeit. Künftig wird diese weiter vertieft werden. Im Fokus stehen dabei die gemeinsame Weiterentwicklung der Technologie, deren noch engere Integration in die HORSCH Technik sowie das Vorantreiben der praktischen Anwendung.
Ziel ist es, das Potenzial von SpotSpraying möglichst schnell und einfach für landwirtschaftliche Betriebe nutzbar zu machen. Beide Häuser bleiben dabei eigenständig, Maschinen und Applikationskarten herstelleroffen.

Bei welchen Kulturpflanzen und Unkräutern bietet das System eine Erkennung?
Derzeit arbeiten wir hauptsächlich mit folgenden Kulturpflanzen:
- Winter- und Sommerweizen
- Raps
- Gerste
- Ackerbohnen und Erbsen
- Zuckerrüben
Dies sind die wichtigsten litauischen Kulturpflanzen, bei denen flächiges Unkraut die größten Verluste verursacht.
Das System identifiziert:
- Disteln
- Ampfer
- Durchwuchskartoffeln
- Dikotyle Unkräuter in monokotylen Kulturen
- Monokotyle Unkräuter in dikotylen Kulturen
In Litauen sehen wir die größte Nachfrage auf Raps- und Weizenflächen, da dort am meisten Unkraut flächig vorkommt und die Kosten für Herbizide am höchsten sind.
Wie sieht der gesamte Prozess vom ersten Interesse bis zum praktischen Pflanzenschutz aus?

Der Prozess für den Landwirt ist so einfach wie möglich gestaltet und auf die Arbeitsabläufe der Betriebe abgestimmt:
- Der Landwirt kontaktiert uns und gibt die Felder an, die gescannt werden sollen.
- Die Drohne scannt das Feld und erfasst hochauflösende Daten.
- Die Daten werden verarbeitet und eine SpotSpraying Ausbringkarte wird erstellt.
- Die Karte wird auf das Terminal des Landwirts exportiert (HORSCH, Claas, John Deere, Trimble usw.).
- Die Pflanzenschutzspritze aktiviert die Ausbringung automatisch nur in den identifizierten Bereichen.
Das System lässt sich ohne zusätzliche Module integrieren – benötigt wird lediglich ein ISOBUS-Terminal. Dadurch kann dieses System auch mit älteren Pflanzenschutzspritzen genutzt werden, die auf den Betrieben nach wie vor gute Dienste leisten.
Wie hoch ist die tägliche Flächenleistung der Drohne und warum haben Sie sich für ein High-End-System entschieden?
Unsere Drohne kann je nach Gelände, Bestandesdichte und Wetterbedingungen 250 bis 500 ha pro Tag scannen. Sie gehört zu den leistungsfähigsten, die auf dem Markt erhältlich sind.
Wir haben uns aus mehreren Gründen für ein High-End-System entschieden:
- Hochauflösende Bildgebung ist unerlässlich, damit die Algorithmen Unkraut auch in dichtem Pflanzenbestand genau identifizieren können
- Große Flächen müssen in kurzer Zeit gescannt werden – die Zeitfenster im Frühjahr sind in Litauen extrem kurz und die Landwirte können sich keine Verzögerungen leisten
- Zuverlässigkeit – die Landwirte benötigen ein professionelles Werkzeug, keine experimentelle oder hobbytaugliche Lösung
Diese Technik ist für den Einsatz im landwirtschaftlichen Betriebsalltag konzipiert. Unter den Anbaubedingungen vor Ort ist dies von immenser Bedeutung: Es ist keine Zeit, mit Technologien zu experimentieren, die nicht zu 100 % funktionieren.
Wie sehen die ersten Erfahrungen in diesem Frühjahr aus?
Einige Erkenntnisse haben sich bereits sehr deutlich herauskristallisiert:
- Die Karten der Unkrautflächen sind äußerst präzise. Landwirte sind oft überrascht, dass sich die Nester nicht dort befinden, wo sie sie erwartet hätten.
- Ein erheblicher Teil unnötiger Spritzarbeiten entfällt. Auf einigen Feldern konnte der Herbizideinsatz um 60–80 % reduziert werden.
- Landwirte erkennen schnell den wirtschaftlichen Nutzen. Hier geht es nicht um „Technik um der Technik willen“ – sie sorgt für echte Einsparungen.
- Diese Dienstleistung stärkt die Beziehungen zu den Kunden. Wenn Landwirte reale Daten sehen, beginnen sie, den Pflanzenschutz anders zu betrachten und ihre Arbeit strategischer zu planen.
Mit Blick auf die Zukunft glauben wir, dass der präzise Pflanzenschutz zum Standard werden wird. Drohnen, künstliche Intelligenz und gezielte Ausbringung werden es den Betrieben ermöglichen, wirtschaftlicher, nachhaltiger und effizienter zu arbeiten.
Wo sehen Sie die Zukunft von PrecisionSpraying?
Die Zukunft ist ganz klar – gespritzt wird nur dort, wo es nötig ist, und nur so viel, wie nötig ist. Das bedeutet:
- Noch genauere Unkrauterkennung:
- Integration von Boden-, Ertrags-, Krankheits- und Feuchtigkeitsdaten.
- Automatisierte Entscheidungsfindung.
- Reduzierter Pestizideinsatz.
- Höhere Ertragsstabilität und geringeres Risiko.
Litauische Landwirte sind modern, nehmen Innovationen schnell an und haben keine Angst vor Technik. Deshalb glauben wir, dass SpotSpraying innerhalb der nächsten 3–5 Jahre auf vielen Betrieben zur Standardpraxis werden wird – genau wie heute die GPS-Steuerung, die Teilbreitenschaltung oder die variable Ausbringungsmenge.