Ein Blick über den Tellerrand – Einsatz bei AgroVation
Mit anpacken, Verantwortung übernehmen, eigenständig arbeiten – diese Möglichkeit hatten einige unserer Auszubildenden auf dem Betrieb AgroVation in Tschechien. Sie wurden zur unverzichtbaren Unterstützung während der Saison.

Erfahrungen auf einem landwirtschaftlichen Großbetrieb sammeln, einmal bei AgroVation in Tschechien mithelfen und dort mit HORSCH Technik arbeiten – so lautete der Wunsch einiger Auszubildender nach einem Vortrag von Constantin Horsch während der FollowUp Tage. Auslandseinsätze in der Ausbildung sind bei HORSCH keine Seltenheit. Schon in der Vergangenheit waren Azubis in Brasilien oder Australien, um dort neue Eindrücke zu sammeln, andere Arbeitsweisen kennenzulernen und über den eigenen Tellerrand hinauszublicken.
Der Wunsch der Auszubildenden traf auf eine Herausforderung, mit der viele landwirtschaftliche Betriebe zu kämpfen haben: Arbeitsspitzen während der Erntezeit. Die Idee lag daher nahe, das Interesse der Azubis mit dem Bedarf an zusätzlichen Erntehelfern zu verbinden. So entstand die Möglichkeit, in Tschechien bei AgroVation mitzuarbeiten, großflächigen Ackerbau kennenzulernen und die eigenen Erfahrungen, die viele in der heimischen, eher kleinstrukturierten Landwirtschaft bereits sammeln konnten, zu erweitern.

AgroVation
- HORSCH Versuchsbetrieb in Tschechien
- 4.000 ha Ackerfläche
- Früchte: Weizen, Mais, Raps, Soja und Zuckerrüben
- Aussaatverfahren: Mulchsaat, MinimumTillage und Direktsaat

Start zur Erntezeit
Grundsätzlich stand die Option allen Auszubildenden der drei deutschen HORSCH Standorte offen. Für die Teilnahme galten jedoch einige Voraussetzungen: Die Azubis mussten mindestens 18 Jahre alt sein, über einen Führerschein der Klassen B und T verfügen und bereits Erfahrung im Umgang mit landwirtschaftlichen Maschinen haben. Ebenso wichtig war ihr bisheriges Engagement in der Ausbildung – denn der Einsatz in Knezmost sollte nicht nur eine besondere Gelegenheit sein, sondern auch eine Würdigung guter Leistungen.

So kam es, dass insgesamt 14 Azubis bis zu zwei Wochen abwechselnd in Zweier-Teams in Tschechien mit anpackten. Die ersten beiden Auszubildenden starteten pünktlich zur Gerstenernte und waren damit gleich mitten im Geschehen. Von Beginn an galt es, Verantwortung zu übernehmen. Begleitet wurden sie dabei von Juliane und Constantin Horsch sowie den acht Mitarbeitenden bei AgroVation, die als Ansprechpartner immer zur Verfügung standen. Gleichzeitig wurde jedoch großer Wert auf Eigenständigkeit gelegt. Hilfe war da, wenn sie gebraucht wurde, doch zunächst sollte jeder selbst versuchen, Lösungen zu finden, z.B. defekte Sachen gleich selbst zu tauschen, und zu improvisieren, wenn etwas mal nicht klappte. Das bedeutete: Verantwortung übernehmen, Fehler erkennen, Entscheidungen treffen. Für viele war es eine wertvolle Erfahrung zu lernen, wie weit die eigene Kompetenz reicht – und zu erkennen, wann es sinnvoll ist, Unterstützung hinzuzuziehen.
Die Organisation war so gestaltet, dass sich die Azubis gegenseitig einarbeiteten. Jedes Duo blieb idealerweise zwei Wochen, mit einer zwei-tägigen Überschneidung zur nächsten Gruppe. Diese Zeit wurde genutzt, um Erfahrungen weiterzugeben, Tipps auszutauschen und so einen reibungslosen Ablauf sicherzustellen. Auch als die ersten wieder zu Hause waren, standen sie ihren Kollegen für Fragen zur Seite.

Die Aufgaben waren vielfältig und gaben einen realistischen Einblick in die Arbeitsabläufe auf einem landwirtschaftlichen Großbetrieb. Die Teams unterstützten unter anderem bei der Getreideernte, übernahmen Aufgaben in der Bodenbearbeitung und stellten dabei sicher, dass die Arbeitsergebnisse passten. Auch Wartungs- und Reparaturarbeiten waren gefragt oder Tätigkeiten wie das Mulchen von Feldrändern oder Arbeiten in der Getreideaufbereitung und Fördertechnik. Wo gehobelt wird, da fallen Späne. Gehobelt wurde viel und so blieben kleinere Schäden natürlich nicht aus. Dann zählte es, das Problem zu beheben und z.B. den Beleuchtungsträger wieder gerade zu biegen.
Alle Azubis packten tatkräftig mit an, übernahmen Verantwortung und bewiesen hohe Leistungsbereitschaft. So konnten sie die Arbeitskräfte bei AgroVation hervorragend unterstützen und gleichzeitig wertvolle Erfahrungen sammeln. Dazu zählte es auch, Fehler machen zu dürfen, dafür einzustehen und daraus zu lernen. Für Hannes, Jonas, Daniel, Simon, Valentin, Bastian, Korbinian, Thomas, Yannik, Timo und Sebastian war es eine tolle Zeit.
Stellvertretend für die Azubis schildern Sebastian und Jonas ihre Eindrücke:
Warum waren Azubis in Tschechien auf dem Betrieb AgroVation?
Sebastian: Wir Azubis haben in den Spitzenzeiten die festangestellten Mitarbeiter unterstützt. Hauptsächlich wurden wir als Traktorfahrer eingesetzt. Ich war zur Erntezeit auf dem Betrieb und habe mit dem Überladewagen die Abfuhr der Gerste unterstützt. Nach der Ernte durfte ich verschiedene Mineraldünger streuen und die flache Bodenbearbeitung übernehmen.
Würdest Du wieder nach Knezmost fahren?
Sebastian: Ja, auf jeden Fall, weil man von zuhause rauskommt und andere Menschen kennenlernt. Außerdem war es für mich sehr interessant, einen Einblick in einen solchen Betrieb zu bekommen, da ich selbst zuhause einen Betrieb habe. Man kann dadurch viel Neues lernen. Zum Beispiel, wie man die verschiedenen Bodenstrukturen am besten bearbeiten kann, auf was Constantin achtet. Man bekommt neue Eindrücke, wie andere denken und arbeiten und man kann dadurch neue, gute Ideen mitnehmen, eben auch für den eigenen Betrieb zuhause.
Was ist Dir in Erinnerung geblieben?
Sebastian: Ein besonderes Highlight für mich war das Dreschen mit drei Mähdreschern und zwei Überladewagen, von denen ich einen fahren durfte. Wir waren da bis spät abends auf dem Feld. Besonders überrascht hat mich, dass sich die Bodenstruktur von einem zum anderen Feld so verändern kann.
Was wurde von Euch erwartet?
Jonas: Wichtig war vor allem, vollen Einsatz zu zeigen und flexibel zu sein – feste Arbeitszeiten gibt es in der Landwirtschaft kaum. Wir mussten eigenständig arbeiten, Probleme selbst lösen und offen für Neues bleiben. Ich habe außerdem die neuen Azubis betreut, ihnen Maschinen erklärt, Schulungen gegeben, zum Beispiel zur FendtONE-Bedienung, und sie in die Abläufe eingewiesen. Auch die Azubis, die gerade vor Ort waren, habe ich unterstützt, wo ich konnte.
Wie lief die Übergabe zwischen den Azubi-Gruppen ab?
Jonas: Wir waren immer zu zweit in Tschechien, jeweils rund zehn Tage. Die neuen Azubis wurden direkt von der vorherigen Gruppe eingearbeitet, was auch Juliane und Constantin Horsch entlastet hat. Wir haben das Hofgelände und die Außenlager gezeigt, Maschinen erklärt und einen Überblick über die Felder vermittelt. Über einen gemeinsamen Teams-Chat haben wir Fotos, Lernvideos und Erfahrungen geteilt. Wenn Probleme aufgetreten sind, haben wir sie dokumentiert und weitergegeben, damit die nächsten daraus lernen konnten. Wir haben versucht, Probleme selbst zu lösen – somit war jeder Azubi für jeden da.
Was war für Dich das Besondere an dieser Zeit?
Jonas: Es waren unglaublich viele neue Eindrücke. Ich habe fachlich und persönlich dazugelernt, neue Leute kennengelernt und erlebt, wie abwechslungsreich die Arbeitstage auf so einem Großbetrieb sind. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie Landwirtschaft in einer ganz anderen Dimension funktioniert.
Für mich war es eine Riesenerfahrung – auch mit Hürden und Problemen, die wir aber zusammen sehr gut gemeistert haben. Ein großes Highlight war, dass wir uns gegenseitig unterstützt haben.
