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Alle Register ziehen

Ganz im Norden Deutschlands, nur wenige Kilometer von der Ostsee­küste entfernt, liegt der Landhof Bobitz e.G. Der Betrieb ist viel­seitig aufgestellt. Ackerbau und Milch­vieh­haltung sind die Haupt­stand­beine. terraHORSCH sprach mit Betriebs­leiter Otto Rogall.

Die Kollektivierung der Landwirt­schaft zu DDR-Zeiten prägt die dortigen Verhältnisse noch heute. „Auch unser Betrieb war ursprünglich eine LPG (Landwirt­schaft­liche Produktions­genossen­schaft)“, erklärt Vorstands­vorsitzender Otto Rogall. „Nach der Wende, im Jahr 1991, wurde er zur einge­tragenen Genossen­schaft. Wir haben rund 60 Gesell­schafter. Teils haben diese überhaupt keinen Bezug zur Landwirt­schaft, teils sind sie aber sogar bei uns beschäftigt. Wir bewirt­schaften inklusive Grünland um die 2.400 ha. Ursprüng­lich hatte der Betrieb einmal 5.000 ha. Der Pachtmarkt ist hier ziemlich unter Druck, was sich auf die Preise auswirkt. Wir haben da verschiedene Modelle, zum Teil sind sie an den Weizen­preis gekoppelt. Aber auf jeden Fall muss man etwas für seine Verpächter tun. Unsere Milch­vieh­haltung mit etwa 400 Kühen wurde zu DDR-Zeiten separat bewirt­schaftet, bei der Gründung haben wir sie jedoch mit übernommen. Denn ein Betrieb mit unserer Flächen­ausstattung funktioniert ohne Tier­haltung nur schlecht. Ungünstig waren unsere Start­bedingungen: 3 Mio. Euro Schulden, die jedoch inzwischen komplett abbezahlt sind.“

Otto Rogall arbeitet seit 2017 auf dem Landhof Bobitz als Leiter des Ackerbaus. Zuvor hat er ein Master-Studium in Göttingen absolviert und auf zwei weiteren Groß­betrieben als Ackerbau­leiter bzw. Assistent der Geschäfts­leitung gearbeitet. Nachdem sein Vorgänger hier in den Ruhe­stand ging, rückte Otto Rogall als Betriebs­leiter auf.

Schlagkraft gefragt

„Unsere Haupt­früchte sind Raps, Weizen, Gerste, Mais und Zucker­rüben“, sagt Otto Rogall. „Die Böden sind sehr unterschied­lich: im Schnitt 55 Bodenpunkte, wobei die leichteren nur Mitte/Ende 20, die besseren 65 bis 68 haben. Dabei sind auch tonige Flächen. Das sind absolute Minuten­böden, was gute Planung und genügend Schlag­kraft erfordert. Die Frucht­folge ist Raps, Weizen, Gerste, teils werden Mais und Rüben als weitere Glieder dazwischen­geschoben.
Schwierig ist es, mit den Vorgaben der Politik umzugehen. Es gibt keine Planungs­sicherheit. Was das Thema Leguminosen angeht, haben wir das nicht mitgemacht. Aus dem Stand heraus hätten wir über 250 ha davon anbauen sollen. Aber das war uns zu ungewiss, da wir damit nur wenig Erfahrung haben. Insgesamt wünsche ich mir hier eine klare Richtung. Wir Landwirte sind es zwar gewohnt, uns immer wieder auf neue Dinge einzustellen. Aber das ist einfach zu viel Unsicherheit! Oder nehmen wir das Thema Schwarz­brache. Wir haben immer gute Erfahrungen mit dem Pflügen Ende November vor Zucker­rüben gemacht. Im Frühjahr war der schwarze Boden so weit abgetrocknet, dass wir nur abziehen mussten und die Rüben sehen konnten. Jetzt aber sind 65 % unserer Flächen im roten Gebiet, wo wir über den Winter begrünen müssen. Dazu kommen noch Trinkwasser-Schutz­gebiete, wo ein Glyphosat-Verbot gilt. Dort ist es kaum möglich, die Zwischen­frucht ordentlich weg­zubekommen, zumal durch die milden Winter kaum noch etwas abfriert. Und wenn ich im Frühjahr pflüge, hole ich nur die Nässe nach oben …“

Erfolgsfaktor Pflanzenschutz

Das ackerbauliche Jahr beginnt auf dem Landhof Bobitz mit dem Dünger­streuen. Anschließend folgen die ersten Pflanzen­schutz­maßnahmen gegen Acker­fuchs­schwanz im Weizen und in der Gerste. „Die Spritze ist eine unserer Schlüssel­maschinen“, sagt Otto Rogall. „Beim Pflanzen­schutz entscheidet sich, ob wir wirtschaft­lich erfolg­reich sind oder nicht. Seit diesem Jahr sind wir hier mit neuer Technik unterwegs. Unseren HORSCH Leeb Selbst­fahrer PT 230 und die gezogene Spritze GS 8000 haben wir in Zahlung gegeben und eine neue HORSCH Leeb 12 TD mit Puls­system gekauft. Damit sind wir zwar nicht unbedingt schlag­kräftiger, aber wir können den Arbeits­kräfte­mangel aus­gleichen. Unser einziger Spritzen­fahrer ist in den Ruhe­stand gegangen, weshalb die Arbeit jetzt eine Person erledigen muss. Allerdings ist das Spritze­fahren seine ganz große Passion und er versucht jeden Tag, seine eigenen Flächen­rekorde zu brechen. Sein nächstes Ziel ist es, 450 ha am Stück zu schaffen. Was nicht ganz einfach ist, da wir wegen des Acker­fuchs­schwanzes mit 160 bis 200 l Wasser fahren. Da muss die Logistik stimmen. Immer dabei ist ein alter Milch­wagen zum Überladen des Wassers am Vorgewende. Seine Arbeits­zeiten bestimmt der Fahrer je nach Erfordernissen selbst. Um Abdrift wegen des Windes zu vermeiden, ist er oft auch nachts unterwegs. Zusätzliche Schlag­kraft hat uns die Änderung der Fahr­gassen von 30 auf 36 m gebracht. Die Spritze fährt in Kombination mit einem John Deere 7R. Auch wenn zu über 80 % die Spritze angehängt ist, bringt uns das etwas mehr Flexibilität als ein Selbst­fahrer. In den ersten drei Monaten haben wir mit der Spritzen-Traktoren-Kombination bereits 5.200 ha bewirtschaftet.“

Als Nächstes kommt das Einarbeiten der Zwischen­früchte. Mittel der Wahl ist eine HORSCH Joker 8 RT. Pflug­furchen werden mit dem Tiger 6 XL einge­ebnet. Parallel dazu folgt bereits der erste Schnitt auf dem Grünland. Die Mais­flächen werden mit dem 3-balkigen Tiger 6 LT vorbereitet. Der Betriebs­leiter würde gerne noch etwas tiefer gehen als knapp unter 30 cm, aber dazu fehlt es dem Schlepper an Leistung. Zu tief würde aber wegen der Nässe auch keinen Sinn ergeben. Die Mais­aussaat selbst erledigt das Lohn­unternehmen Otto Hamester mit zwei Maestros.

Immer trockener

„Als Vorbereitung versuchen wir mindestens zweimal einen Stoppel­sturz zu machen“, sagt Otto Rogall. „Den ersten gleich nach der Ernte mit dem HORSCH Tiger 6 XL oder einem Grubber mit Messer­walze. Letzteres, um nach Raps oder Mais die Ernte­rück­stände zu zer­schneiden. Ich arbeite auf der Stoppel gern mit Zinken. Nach der Ernte müssen wir etwas Feuchtig­keit hinein­bringen. Im ersten Gang arbeiten wir deshalb nicht auf 1 bis 2 cm, sondern auf 4 bis 5 cm. Das machen wir mindestens zweimal und gehen immer tiefer. Eine Ausnahme ist die Raps­stoppel. Hier ist die Joker unschlag­bar, weil sie sehr flach arbeiten kann, um den Raps optimal zum Auf­laufen zu bringen. Voraus­setzung ist allerdings ein guter Fahrer, der sie sorg­fältig einstellt. Zur Raps­bestellung verwenden wir die schmalen 40-mm-Meißel­schare, denn wir wollen da wirklich auf 30 bis 32 cm runter. Für Weizen arbeiten wir flacher: 10 bis 15 cm. Vorher haben wir allerdings schon einen tiefen Arbeits­gang mit 20 bis 25 cm gemacht. Da ist der Tiger XL eine wirklich gute Maschine. Alle Grubber sind bei uns mit dem großen Reifen­packer ausgestattet. Doch durch die trockenen Bedingungen der letzten Jahre kommen wir damit an die Grenzen.“

Die Aussaat erfolgt mit einer Pronto 7 DC, Baujahr 2013. Sie wird demnächst durch das gleiche Modell ersetzt. Aber nicht, weil sie verschlissen ist: Die neue Maschine hat ein Doppel­tank­system, um bei der Aussaat Dünger ausbringen zu können.

Verschiedene Systeme

„Ich habe mir auf einer von HORSCH organi­sierten Reise in Groß­britannien verschiedene Systeme angeschaut“, berichtet Otto Rogall. „Denn wir sind uns noch nicht zu 100 % darüber einig, wie wir strategisch weiter­machen wollen. Sollen wir bei der Pronto bleiben? Sind 9 m sinnvoller? Oder gar ein absätziges Verfahren – 12 m mit der Serto? Denn aus ackerbau­lichen Gründen, und hier vor allem wegen der Boden­beschaffen­heit, bekommen wir es eh nur selten hin, direkt nach der Grund­boden­bearbeitung zu drillen. Aber wir haben auch schwere Böden, wo wir die Kreisel­egge brauchen. 9 m wären mit 400 PS Zug­leistung durchaus möglich. Unser Gelände ist jedoch kupiert und ich will eigentlich bergauf und bergab mit derselben Geschwindig­keit fahren. Ich will die Effizienz aber nicht zu sehr ausreizen. Denn Theorie und Praxis sind unterschied­lich. Manchmal drillen wir am Tag 90 ha Raps, manchmal nur 35. Im Schnitt sind es um die 60 ha. Wir schauen immer, dass wir um 7 Uhr auf den Acker kommen. Aber um 8 Uhr abends ist dann auch Schluss. Dann erreichen wir nicht mehr viel. Und unsere Mitarbeiter haben ja schließ­lich auch Familie. Im regionalen Vergleich sind wir meistens recht früh dran. In diesem Jahr haben wir mit der Raps­aussaat am 7. August begonnen, sonst ist es meist der 15. Wegen des Raps­erd­flohs wollen wir eine gute Jugend­entwicklung, damit die Pflanzen weg­wachsen können. In diesem Jahr haben wir die Aussaat in zehn Tagen durch­gezogen. Das hat sehr gut geklappt. Das Wetter hat hervor­ragend gepasst. Bei uns gilt der Grundsatz: Wenn es so trocken ist, dass man die Drill­maschine hinter dem Traktor nicht sieht, ernten wir gut. Die Gersten­aussaat haben wir recht früh am 11. September begonnen und auch hier in zehn Tagen abge­schlossen. Die Grund­boden­bearbeitung macht ein Mitarbeiter mit einem John Deere 8400. Hier haben wir, ebenso wie beim Drillen, grund­sätzlich Zwillings­reifen montiert.“

Problem Rapserdfloh

Nach diesem Exkurs in den Herbst weiter im Jahres­verlauf. Immer wieder erfolgen, wenn nötig, Pflanzen­schutz­maßnahmen. Eingekürzt wird zwei-, manchmal dreimal. „Wir arbeiten intensiv mit dem amtlichen Pflanzen­schutz­dienst zusammen“, erklärt der Betriebs­leiter. „Das Schlimmste ist bei uns der Raps­erdfloh im Herbst. Im Frühjahr kosten uns Insekten dagegen kaum Ertrag. Oft reichen schon Vorgewende­maßnahmen aus. Weil wir nicht durch die Blüte fahren wollen, setzen wir vermehrt auf Sclerotinia-resistente Sorten. Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht.“

Für die Erntezeit hat der Betrieb zwei eigene Mäh­drescher. Zur Not wäre die Fläche auch mit einem zu schaffen, aber dann müsste eine eigene Trocknung vorhanden und die Abfuhr­kette perfekt durchgeplant sein. Es gibt jedoch keinen Überlade­wagen, die Abfuhr wird mit Mulden und teil­weise sogar noch mit Zwei-Achs-Anhängern aus DDR-Zeiten gemacht. Wert legt Otto Rogall bei der Ernte jedoch auf eine kurze Stoppel, da die nach­folgenden Arbeiten dadurch stark erleichtert werden.

Dann geht es in Richtung Grund­boden­bearbeitung. „Zur Gerste pflügen wir noch, da wir dazu noch keine Alternative gefunden haben, die unserer Meinung und Erfahrung nach Sinn ergibt. Auch wenn es einen hohen Zeit-, Personal- und Energie­aufwand erfordert. Mit dem Tiger schaffen wir ca. 50 ha am Tag. Mit unseren beiden Pflügen sind wir froh, wenn wir zusammen 40 ha schaffen.“

Betriebszweig Milchvieh

Die Milchvieh­haltung ist ein wichtiger Betriebs­zweig, zumal hier in den letzten Jahren im Gegensatz zu den Markt­früchten die Preise einiger­maßen gepasst haben. 2011 ist für die 400 Kühe ein neuer Boxen­lauf­stall mit Melk­haus und 32er-Karussell in Betrieb gegangen. Die Nach­zucht wird in älteren Ställen aufgezogen, die jedoch eine neue Aufstallung bekommen haben. Der Kälber­stall stammt aus dem Jahr 2017. Die Futter­situation ist gut, zumal es eine Kooperation mit einem Bio­landwirt gibt, der Luzerne und Klee­gras zuliefert.

„Potenzial wäre hier noch vorhanden“, sagt Otto Rogall. „Im Ackerbau ist es dagegen schwieriger. Das gilt auch für die Ernten. Bei der Gerste haben wir den Acker­fuchs­schwanz zwar durch Pflanzen­schutz­maßnahmen gut in den Griff bekommen, was uns aber Ertrag gekostet hat. Dazu kommen die schlechten Preise. Das wird ein enges Jahr werden!“

Aufwand steigt

Geerntet werden auf dem Landhof Bobitz bei Weizen 85 bis 90 dt/h, bei Gerste ist es ähnlich. „Bei Raps hätten wir gerne eine vier vorne“, sagt der Betriebs­leiter. „Aber der Erdfloh macht es schwierig. Die letzten zwei Jahre waren es nur Ende 20 dt, davor 35 bis 38 dt. Insgesamt wird es schwieriger. Aber wir stellen um: Wir haben 90 % bei der Aussaat nicht gekreiselt und versuchen, uns dadurch die Erträge zu holen. Viel Aufwand und Kosten haben wir mit dem Pflanzen­schutz. Früher hatten wir 2 bis 3 Maßnahmen im Herbst, dieses Jahr sind wir schon bei fünf. Gerade im Raps ist das eine Katastrophe. Wir haben zwar eine Forschungs­anstalt, die für den Einsatz einer vernünftigen Beize plädiert, aber wieder einmal sperrt sich die Politik. Ich verstehe nicht, warum das im Raps­land Mecklenburg-Vorpommern nicht flexibler gehand­habt wird. Denn so, wie es jetzt gerade ist, müssten wir den Raps-Anbau eigentlich einstellen.“