Pflanzenschutzmittelreduktion: Erfahrungen mit Bandspritze und SpotSpraying
Theo Leeb berichtet von den Erfahrungen mit Bandspritze und SpotSpraying in den letzten beiden Jahren. Lohnen sich diese Verfahren? Welche Auswirkungen haben sie auf Qualität und Erträge?

Die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln bleibt ein Dauerthema: „Wir verfolgen diese Diskussion zur Reduktion von Pflanzenschutz- und Düngemitteln und spüren aufgrund der Nichteinigung im EU-Parlament 2023 bezüglich des Green Deal und der Farm-to-Fork-Strategiestellen eine gewisse Verunsicherung“, sagt Theo Leeb. „Doch unabhängig von jeglichen Entwicklungen ist es unser Ziel, Pflanzenschutzmittel möglichst effizient und präzise zu applizieren – sowohl aus wirtschaftlichen als auch aus umwelttechnischen Gründen. Daher forschen und arbeiten wir stetig an Systemen und Strategien, um dies zu erreichen.“ Derzeit liegt der Schwerpunkt für die Einsparung von Pflanzenschutzmitteln auf zwei Verfahren: dem Bandspritzen in Reihenkulturen sowie dem SpotSpraying in Reihen- und Flächenkulturen.
Erfahrungen mit Bandspritze
„Unsere Gestängeführung ermöglicht das Bandspritzverfahren mit einer Flächenspritze und wird auch in Betrieben umgesetzt“, berichtet Theo Leeb. Das System erwies sich in der Praxis jedoch nicht unter allen Bedingungen als umsetzbar. Die Probleme entstehen vor allem in Hanglagen oder auf kleinen und unförmigen Schlägen: „Sobald es hügelig oder kurvig ist und Fahrgassen nicht mehr gerade sind, wird es schwierig, die Reihen sicher über die komplette Arbeitsbreite zu treffen.“
Um dem entgegenzutreten, wurde bereits 2024 ein Bandspritzgerät mit 18 m Arbeitsbreite speziell für Zuckerrüben im süddeutschen Raum gebaut. 2025 folgte ein Gerät mit 24 m, das in drei 8-m-Segmente aufgeteilt ist. Das ermöglicht mehrsektionales Arbeiten, da die Segmente unabhängig voneinander über die Reihen innerhalb einer Sämaschinenbreite gesteuert werden.

„In diesem Zug implementierten wir ein geschlossenes System von Säen bis Bandspritzen“, so Theo Leeb. Dabei wird bereits bei der Aussaat die Säspur am Säaggregat exakt mittels GPS-Receiver aufgezeichnet. Die Segmente der Bandspritze sind auf die Sämaschinenbreite (z.B. 8 m) abgestimmt. Bei der Bandspritze ist jedes der drei 8-m-Segmente mit einem eigenen GPS-Empfänger ausgestattet, der auf diese Daten zurückgreift und das Segment präzise über die Reihe steuert. „Das System hat sich in der Praxis gut bewährt und erwies sich als robuste Lösung. Bei der Aussaat geht es dann bei der Anschlussfahrt nicht mehr um den letzten Zentimeter Genauigkeit, da die auf die Säbreite abgestimmten Segmente der Bandspritze einzeln angesteuert werden.“
Hinzu kommt eine hohe Flexibilität hinsichtlich der Reihenweiten: 25, 50 oder 75 cm sind einfach umsetzbar. Aber auch ein weit verbreitetes Maß in Zuckerrüben von 45 cm bzw. 22,5 cm ist realisierbar.
Durch den Einsatz der GPS-Steuerung besteht die Möglichkeit, bereits im Vorauflauf zwischen den Reihen ein Herbizid auszubringen. „Durch den reduzierten Herbizidstress beim Auflaufen konnten wir feststellen, dass sich die Rüben schneller entwickeln und der Reihenschluss eher erfolgt. Das führt dazu, dass der erste Hackgang eingespart wurde.“ Das ist besonders in Hanglagen von Vorteil, denn aufgrund des geringen Bewuchses bei einem sonst nötigen ersten Hackgang besteht bei einem Starkniederschlagsereignis erhöhte Erosionsgefahr. Ein Hackgang zu einem späteren Termin bei größeren Rüben reduziert das Risiko einer Erosion.
„Die Applikation zwischen den Reihen erwies sich 2025 als sehr positiv. Auch auf Standorten mit problematischem Ackerfuchsschwanz- oder Weidelgrasdruck werden wir den Gedanken der Zwischenreihenapplikation auch bei 25 cm Reihenweite stärker verfolgen. Eine weitere Kultur, in der die Bandapplikation wirtschaftlich interessant sein könnte, ist der Raps in 50 cm Reihenweite. Mit den Betrieben diskutieren wir den Einsatz von systemischen Insektiziden als Bandapplikation auf der Rapsreihe. Eine weitere Anwendung im Raps könnte die Behandlung des Altrapsaufschlags zwischen den Reihen mit dem System der Bandapplikation werden.“
„Insgesamt handelt es sich bei den Bandspritzen um robuste und einfach zu bedienende Maschinen“, bringt es Theo Leeb auf den Punkt. Das Bandspritzgerät ist aktuell ein Proof of Concept: „Ob so etwas in Serie geht, können wir aktuell noch nicht beantworten, denn dazu braucht es noch mehr Erkenntnisse, aber es ist durchaus denkbar.“
SpotSpraying im Offline-Verfahren
Beim SpotSpraying lag der Fokus im Jahr 2025 auf dem Offline-Verfahren. Dabei wird der Bestand mit einer Kameradrohne überflogen und das gewonnene Bildmaterial im Anschluss über KI-Algorithmen ausgewertet. Die dann daraus generierte Applikationskarte wird ins Terminal übertragen und die Fläche behandelt. „In den letzten zwei Jahren haben wir in diesem Bereich einige Versuche zusammen mit SAM Dimension und der chemischen Industrie durchgeführt“, berichtet Theo Leeb.

Beim Offline-Verfahren (Bildaufnahme durch Drohne und Applikation durch Pflanzenschutztechnik) können wesentlich genauere Daten generiert werden: „Das hängt damit zusammen, dass die Drohne senkrecht auf den Bestand schaut, wodurch der Verschattungseffekt geringer ausfällt als bei einer Kamera direkt auf dem Gestänge.“ Ein weiterer großer Vorteil ist, dass für die Verarbeitung der entstandenen Menge an Bilddaten die Rechenleistung diverser stationärer Hochleistungsserver genutzt werden kann. Beim Online-Verfahren muss die Kamera ein Bild aufnehmen und das System innerhalb weniger Hundertstelsekunden entscheiden, was zu tun ist.
Durch den Faktor Zeit und Rechenleistung ad libitum können im Offline-Verfahren komplexere KI-Modelle arbeiten, die zuverlässig Unkrautarten und Ungräser erkennen. „Mit diesen Unkraut-/Ungraskarten hat der Landwirt mehr Entscheidungshilfe und kann entscheiden, ob es zum jetzigen oder zu einem späteren Zeitpunkt Sinn ergibt, zu spotten – oder ob er nur gezielt z.B. Distelnester behandelt“, erläutert Theo Leeb. Einen großen Vorteil des Drohnensystems sieht er in der Möglichkeit zur Nachbearbeitung der Bilddaten. Diese können hinsichtlich Belichtung und Kontrast optimiert werden – für eine bestmögliche Erkennungsrate am Ende.
Die Ergebnisse der Versuche zeigen, dass die Mitteleinsparungen in etwa die Kosten für das Verfahren amortisieren. „Das wirft natürlich die Frage auf, ob es den Aufwand rechtfertigt – zumal das Erkennungssystem auch mit einer gewissen Fehlertoleranz arbeitet und beim SpotSpraying in der Regel häufiger gefahren werden muss, was wiederum Risiken in sich birgt“, sagt Theo Leeb.
Eine weitaus interessantere Erkenntnis beim SpotSpraying zeigte sich beim Blick auf die Qualität des Erntegutes: „Zwar konnten wir keinen merklichen Mehrertrag zwischen ganzflächigen und gespotteten Flächen feststellen, dafür jedoch zeigte die Zuckerrübe deutliche Unterschiede im Zuckerertrag pro ha. Dieser lag bei der gespotteten Variante deutlich höher als bei der vollflächig behandelten Variante. Wir sprechen hier von bis zu 300 € pro Hektar Mehrertragsleistung durch den höheren Zuckerertrag. Eine Summe, die das Verfahren wiederum wirtschaftlich sehr interessant macht.“
Auch in den DLG-Mitteilungen 2/25 wurden im Artikel „Es geht nicht nur ums Sparen“ Ergebnisse genannt, die diese Qualitätsvorteile zeigen. Schlussendlich verursachen Herbizidanwendungen Stress in unseren Kulturpflanzen, was die Entwicklung beeinflusst. Kulturpflanzen, die aufgrund des Spotverfahrens nicht mit dem Herbizid besprüht wurden, werden nicht ausgebremst, was sich letztlich positiv auf die Qualität und den Erlös auswirkt. „Das gilt es nun weiter zu beobachten und in anderen Kulturen zu testen, ob sich ähnliche Effekte feststellen lassen“, blickt Theo Leeb voraus.
Fazit
„Landwirtschaft muss wirtschaftlich sein – und dazu gehören auch Verfahren zum optimalen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Hier kommen wieder Bandspritzen und SpotSpraying ins Spiel“, so Theo Leeb. Beide Systeme zeigen, dass gezielter Pflanzenschutz nicht nur Ressourcen spart, sondern auch die Pflanzenentwicklung und den Erlös positiv beeinflussen kann. Langfristig geht es darum, Technik und Praxis so zu verbinden, dass Landwirtschaft effizient und zukunftsfähig bleibt.