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Automatisiertes Schweißen: Basis für eine zukunftsfähige Tankfertigung

Mit einem starken Partner an der Seite hat HORSCH ein neues Verfahren für das Schweißen von Tank­nähten eingeführt – mit klaren Qualitäts­vorteilen und Verbesserungen bei der Arbeits­sicherheit.

Große, dünnwandige Tanks mit Schweiß­nähten von bis zu 3 m stellen hohe Anforde­rungen an die Fertigung. Für die Zulieferer bedeutete das bislang nicht nur lange Schweiß- und Schleif­zeiten, sondern auch eine erhebliche körperliche Belastung für die Mitarbeitenden. Vor diesem Hintergrund rückte bei HORSCH die Frage in den Fokus, wie sich die Qualität und der Prozess des Schweißens der Tanknähte verbessern lassen. „Wir haben das Thema Tanks immer wieder betrachtet und uns gefragt, was wir optimieren können“, sagt Florian Forster, Projekt­verantwort­licher Qualitäts­management. Seit Mitte 2022 arbeitet man gezielt an einer Lösung.

Im Rahmen einer Abschluss­arbeit wurde die Wirtschaftlich­keit der Automatisierung von Schweiß­nähten analysiert. Parallel dazu begann die Firma Quadrus Metalltechnik – ein lang­jähriger Partner mit großen Erfahrungen im Bereich Roboter­schweißen, Anlagen­hersteller anzufragen und technische Konzepte zu prüfen. Nach umfang­reichen Analysen stand schließlich fest, dass rund 85 % eines Pronto Tanks automatisiert mittels Roboter geschweißt werden können. Die Firma entschied sich daraufhin, vollständig in eine entsprechende Roboter­anlage zu investieren. „Quadrus war hier von Anfang an unser Teamplayer“, sagt Florian Forster. „Ohne diesen Partner hätten wir das Projekt nicht umsetzen können – gerade was das technische Know-how in diesem Bereich betrifft.“

Optimiertes Verfahren, bessere Ergebnisse

Beim manuellen Schweißen müssen lange Nähte abschnitts­weise gesetzt werden. „Eine 3 m lange Schweiß­naht kann man nicht in einem Zug von Hand schweißen, sondern man muss zwischen­durch absetzen“, erklärt Florian Forster. Die Ansatz­stellen bleiben sichtbar und müssen anschließend verschliffen werden, um ein gleich­mäßiges Erscheinungs­bild zu erzielen. Mit dem Roboter entfällt dieser Arbeits­schritt, da die Naht in einem Zug geschweißt wird.
Für die gleich­bleibende Qualität spielt zudem die Sensorik eine zentrale Rolle. Ein integrierter Laser­scanner tastet die Bauteil­geometrie zunächst ab und erkennt exakt die Lage der Naht. Erst danach fährt der Roboter die programmierte Schweiß­bahn ab – stets mit identischem Abstand zum Bauteil. Das sorgt für reproduzier­bare Ergebnisse und ein konstantes Arbeitsbild.
Mit der Automatisierung wurde auch das Schweiß­verfahren selbst angepasst: Die Tanks werden nun im CMT-Verfahren bearbeitet, das mit deutlich geringerer Hitze auskommt und Verzug im dünnen Blech minimiert. Der Roboter hält den Abstand stabil und erzeugt eine Linie, sodass bei den meisten Bauteilen ein einseitiges Schweißen von außen genügt. Das frühere beid­seitige manuelle Schweißen entfällt damit.
Durch das neue Verfahren werden sämtliche Schleif­arbeiten über­flüssig. Beim Verschleifen bestand immer das Risiko, ungewollt Grund­material abzu­tragen oder die Naht zu schwächen. Jetzt bleibt das Material voll­ständig erhalten, was mögliche Fehler­quellen reduziert. Die Ergebnisse sprechen für sich: Die Nähte sind optisch deutlich gleich­mäßiger, leichter zu beurteilen und weisen weniger Poren­bildung auf – was sich positiv auf das Korrosions­verhalten auswirkt. Insgesamt entsteht eine konstant hohe Qualität.
Auch die Arbeits­sicherheit profitiert deutlich. „Schweißen bedeutet Gefahren­quellen – Hitze, Licht­bogen­strahlung, Rauch, Dämpfe“, betont Florian Forster. Da der Roboter diese Schritte übernimmt und Schleif­arbeiten entfallen, werden Mitarbeitende entlastet.

Statements von Quadrus

Alexander Ram über die Heraus­forderungen und die Zusammen­arbeit.
„Eine der größten Heraus­forderungen war, im Dünn­blech­bereich wirklich auf die nötige Genauigkeit zu kommen. Wir reden da von Zehntel­milli­metern, damit der Wurzel­durch­brand sicher passt. Das beginnt bei den Heft­schablonen und geht bis zu den Sensor­einstellungen.
In der Zusammenarbeit mit HORSCH gab es immer wieder Geometrie­anpassungen, wenn der Roboter irgendwo nicht hinkam.
Anfangs wussten wir nicht, ob das überhaupt möglich ist. Jetzt haben wir gezeigt, dass es funktioniert. Und nun geht es darum, das Bestehende weiter zu optimieren.“

Andreas Buron über die Arbeit an der neuen Anlage und den Aufbau des Schweiß­prozesses.
„Für mich war das Projekt sehr interessant, weil die Tank­anlage mit der ganzen Sensorik schon noch einmal ein anderes Level ist als die Roboter­schweiß­anlagen, die ich davor programmiert habe. Wir hatten Schulungen dafür und durch die enge Abstimmung mit HORSCH konnten wir den Prozess Schritt für Schritt aufbauen.
Wichtig ist auch, die richtige Reihen­folge der Nähte zu wählen, damit man möglichst wenig Verzug hat. Und wenn man sieht, was man mit so einer Anlage alles machen kann, ist das schon beeindruckend.“

Funktionsweise und Tests

Aktuell laufen zwei unterschied­liche Pronto Tanks serien­mäßig über die Anlage, ein dritter befindet sich in der Programmierungs­phase. Quadrus übernimmt dabei die komplette Offline-Programmierung: HORSCH stellt die Step-Datei des Tanks bereit, Quadrus integriert diese in die 3-D-Software der Roboter­zelle, definiert Schweiß­parameter, legt die Naht­verläufe fest und erstellt das Roboter­programm. Anschließend wird das Programm an der Anlage online nach­geteacht, um die Positionierung der Nähte präzise abzustimmen.
Bevor die Serien­fertigung startete, wurden die ersten Maschinen mit den roboter­geschweißten Tanks am Kreis­prüf­stand in Schwandorf intensiv auf Halt­barkeit getestet. Erst danach startete man mit einer kleineren Stückzahl – zuerst 20 Maschinen, dann 50. Inzwischen sind die Maschinen mit den roboter­geschweißten Tanks schon länger im Feld im Einsatz. „Die Kunden waren durchaus begeistert“, berichtet Florian Forster.

Für das kommende Jahr ist eine Fertigung von 350 bis 400 Tanks mit diesem Verfahren vorgesehen. Parallel wird daran gearbeitet, das Verfahren auf weitere Tanks auszu­breiten, zum Beispiel die der Maestro. Dabei geht es nicht nur um die Programmierung, sondern auch um konstruktive Anpassungen, damit Bauteile roboter­geeignet sind. Das Projekt ist lang­fristig ausgelegt: höhere Stück­zahlen, gleich­bleibend hohe Qualität und weniger Personal­bedarf in einem Bereich, in dem Fach­kräfte schwer zu finden sind. „Wir wollen uns damit zukunfts­sicher aufstellen“, resümiert Florian Forster.