Mit Geduld und Teamgeist: Auszubildende erwecken „Maulwurf“ zu neuem Leben
In der Ausbildungswerkstatt in Ronneburg wurde über viele Monate hinweg an einem ganz besonderen Projekt gearbeitet: Ein Geräteträger aus dem Jahr1955 wurde von einem Azubi-Team aufwändig restauriert. Was als rostiger Scheunenfund begann, entwickelte sich zu einem Paradebeispiel für Teamgeist, handwerkliches Geschick und Geduld.

Das Projekt entstand im Rahmen einer Kooperation mit dem Deutschen Landwirtschaftsmuseum in Blankenhain. Bereits zwei kleinere Maschinen hatten die Auszubildenden für das Museum instandgesetzt, doch der „Maulwurf“, wie der Geräteträger umgangssprachlich auch bezeichnet wird, stellte sie vor ganz neue Herausforderungen: Jahrzehntelang ungenutzt, mit roter Farbe überpinselt und in technisch schlechtem Zustand, forderte der historische Traktor jede Menge Recherche, technisches Know-how und Feingefühl im Umgang mit historischen Bauteilen.
Der RS 08/15 war einer der ersten Traktoren der ehemaligen DDR – ein Geräteträger mit 15 PS, der als echter Allrounder in der Landwirtschaft eingesetzt wurde „Von diesem Maschinentyp wurden nur wenige Exemplare gebaut, das machte die Ersatzteilsuche besonders schwierig“, erklärt Justin Hänse, der das Projekt seitens des Ausbildungsteams begleitete.
Schrittweise Restaurierung

Im September 2023 begann die Restaurierung. Der Arbeitsaufwand war enorm: Für die meisten kaputten Teile existierte kein Ersatz mehr. Sie mussten aufwändig selbst gefertigt oder nach langer Recherche beschafft werden. So fuhren zwei Azubis sogar bis zur polnischen Grenze, um ein dringend benötigtes Motorteil von einem Sammler abzuholen. „Drei Wochen haben wir recherchiert, bis wir überhaupt wussten, wo wir suchen müssen“, erinnert sich Justin Hänse. Auch bei den Schrauben war strukturiertes Vorgehen gefragt gewesen, denn passende Nachbauten existieren kaum noch. Unterstützung bekam das Team dabei auch von regionalen Firmen, etwa für die Nutzung einer Wasserstrahlmaschine zur Reinigung gewisser Teile.
Die Restaurierung erfolgte schrittweise – immer dann, wenn neue Informationen oder Ersatzteile verfügbar waren. Strukturiertes Arbeiten, so lautete das Ziel des Teams. Zunächst wurde der Motor ausgebaut und generalüberholt, bevor es an weitere Komponenten ging. „Es gab öfter den Moment, an dem wir nicht mehr weiterwussten oder uns fragten, wen wir als nächstes anrufen können, um Informationen zu erhalten,“ erinnert sich Justin. Und auch der Lack stellte eine besondere Herausforderung dar, denn der Traktor war mit mehreren Schichten roter Farbe überpinselt worden – ursprünglich war er jedoch grün. In mühsamer Arbeit wurde der Lack entfernt. Unter den Farbresten fanden sich dann Reste des Originalfarbtons, den die Azubis mit einer Farbpalette abglichen und so den entsprechenden Grünton auswählten, um die Teile neu zu lackieren.
Die strukturierte Umsetzung des Projekts lag auch an einem glücklichen Zufall: Einer der beteiligten Azubis hat zu Hause den gleichen Geräteträger stehen und war auch im Besitz eines originalen Handbuchs. „Ohne diese Unterlagen hätten wir vieles nicht korrekt wieder zusammenbauen können“, sagt Justin.
Je nach Verfügbarkeit von Teilen konnte das Team mal mehr mal weniger an dem Projekt arbeiten. Auch wenn es während des Prozesses viele Zweifel gab und neue Lösungsansätze erforderlich waren, konnte der 60 Jahre alte Oldtimer pünktlich zur Weihnachtsfeier den Kollegen und Besuchern präsentiert werden. Der Traktor ist nun eine Dauerleihgabe des Deutschen Landwirtschaftsmuseums und soll in Ronneburg künftig auf Ausbildungsmessen, Oldtimertreffen oder Veranstaltungen am Standort zum Einsatz kommen.
