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Schlagkräftig zum perfekten Zeitpunkt

In Kasachstan bewirtschaftet Zharas Kanapin mit seiner Familie zwei landwirt­schaftliche Betriebe. Um die knappen Zeit­fenster optimal zu nutzen, setzt er auf modernste Technik. Warum der HORSCH Sprinter für ihn zur Schlüssel­maschine wurde und wie Michael Horsch ihn auf eine neue Geschäfts­idee brachte erzählt er für terraHORSCH.

Zharas Kanapin wuchs auf einem landwirt­schaftlichen Betrieb in Kasachstan auf, den sein Vater bewirt­schaftete. Im Rahmen eines Programms für kasachische Studenten kam er nach Deutschland und studierte dort Agrar­management an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Im Anschluss daran arbeitete er sieben Jahre im Bereich Pflanzen­schutz, ehe er 2008 nach Kasachstan zurückkehrte.

Aufbau von zwei Betrieben

Zurück in der Heimat erwarb er zusammen mit seinem Vater einen landwirt­schaft­lichen Betrieb nord­westlich von Astana mit rund 3.000 ha, die den Grund­stein legten. In den Folgejahren kamen weitere Flächen hinzu. Heute umfasst der Betrieb TOO Oksanovka 12.000 ha. 2022 folgte mit dem Kauf von TOO Tschernigovka der nächste große Schritt. Dieser Betrieb liegt rund 60 km südlich von Astana und umfasst ebenfalls knapp 12.000 ha. Gemeinsam mit seinem Vater, seinem Onkel und drei Brüdern leitet Zharas Kanapin die Betriebe. „Wir sind ein Familienunternehmen“, sagt er.
2012 hielt mit dem Sprinter 15 NT die erste Maschine von HORSCH Einzug. „Die Technik dieser Maschine war damals in Kasachstan neu. Einen Strich­abstand von 30 cm gab es vorher nicht. Viele hatten Angst, dass dadurch Unkräuter zunehmen, aber wir haben an das System geglaubt und damit gearbeitet. Bereits nach zwei Jahren haben wir fest­gestellt, dass die Erträge deutlich höher lagen als bei anderen Sämaschinen“, berichtet Zharas Kanapin.
Die Empfehlung für diese Maschine kam von Claus Tischer, dem Gründer des Händlers CT Agro: „Er sagte mir: ‘Mit dieser Maschine machst du nichts falsch.’ Und er behielt Recht.“ Heute werden auf den beiden Betrieben insgesamt 13 Sprinter 15 NT eingesetzt. „Einen großen Vorteil sehen wir in den Zinken. Wenn der obere Bereich des Bodens ausge­trocknet ist, können viele Schare nicht mehr eindringen. Mit dem Zinken­säschar des Sprinters können wir die Aussaat problemlos durch­führen, denn das Saatgut wird unterhalb der oberen trockenen Schicht abgelegt.“

Zum Maschinenpark gehören neben den Sprintern die Avatar 12.20 SW, die Maestro 36.60 SV, die Joker 7 RT+, der Tiger 4 MT, ein Leeb PT 6.280 und ein Leeb VL. Mit diesen schlag­kräftigen Maschinen bewirt­schaftet die Familie insgesamt 24.000 ha. Auf dem nördlichen Betrieb werden auf rund 6.000 ha Weizen, 2.000 ha Gerste und 3.000 ha Sonnen­blumen angebaut. Im Süden setzt man auf 6.000 ha Weizen und 6.000 ha Durum-Weizen. „In dieser Region haben wir sehr viele Sonnen­stunden, daher ist die Qualität des Durum-Weizens hier hervor­ragend“, erklärt der Betriebs­leiter. Um Qualität und Erträge noch weiter zu steigern, wurde im letzten Jahr in eine Bewässerung auf 700 ha investiert. In diesem Jahr folgenden weitere 850, sodass insgesamt knapp 1.500 ha bewässert werden können.
Für die laufende Saison ist ein Anbau von Saflor auf rund 2.000 ha geplant. „Wir denken, dass Ölkulturen eine Zukunft haben“, so Zharas Kanapin, „Knapp 30 % unserer Flächen möchten wir in Zukunft mit Ölkulturen bewirt­schaften – im Norden mit Sonnenblumen, im Süden mit Saflor.“

Clevere Investition

Auf eine besondere Geschäftsidee brachte ihn Michael Horsch bei einem seiner Besuche in Kasachstan. „Er erzählte mir, dass er in Tschechien zwei Silos für jeweils 3.000 t Getreide baute. Dort lagerte er im Herbst 6.000 t Gerste ein, da der Verkaufs­preis zu der Zeit sehr niedrig war. Im Frühjahr konnte er die Gerste dann für einen besseren Preis verkaufen. Das brachte mich zum Nachdenken. Im Jahr 2011 war die Ernte sehr gut und der Getreide­preis auf dem Markt dadurch sehr niedrig. Wir haben ebenfalls abgewartet und das Getreide zu einem späteren Zeitpunkt für einen viel besseren Preis verkauft.“

Diese Erkenntnis führte dazu, dass das Familien­unternehmen in der Nähe des südlich gelegenen Betriebs in einen neuen Getreide­speicher investierte: „Wir haben eine moderne Anlage mit Trocknung und Reinigungs­system gebaut. Der Speicher liegt direkt an der Eisenbahn, was logistisch gesehen ein großer Vorteil ist.“ Von dort aus wird das Getreide nach Usbekistan, Iran und Aserbaidschan verkauft und transportiert. Auch Getreide anderer Betriebe wird dort gelagert und vermarktet. Insgesamt werden 100.000 bis 150.000 t exportiert. Durch diese Investition wurde der Handel als weiterer Betriebs­zweig erschlossen.

Herausfordernde Bedingungen

„Mein Vater sagt immer: Ich betreibe seit 45 Jahren Landwirt­schaft und kein Jahr war wie das andere. Wir arbeiten unter extremen Wetter­bedingungen, damit müssen wir leben. Es gilt, kurz­fristig Entscheidungen zu treffen, um als Agrar­betriebe weiter überleben zu können“, erklärt Zharas Kanapin die Situation.
Nicht jedes Jahr ist in Kasachstan von Trockenheit geprägt – es gibt auch solche mit mehr Nieder­schlägen. Doch wenn im Juni und Juli kein Regen fällt, wird es für die Pflanzen besonders schwierig. „Das können wir nur schwer progno­stizieren. Die Landwirt­schaft ist eine Wissen­schaft, die eine tägliche Beobachtung der Pflanzen und ihres Zustands erfordert, um schnell und gezielt die richtigen Entscheidungen zu treffen, denn die Bedingungen sind unvorher­sehbar. Ich sage immer allen Landwirten: Die Aussaat muss in zehn Tagen erledigt sein, die Ernte in 15 Tagen. Das ist der ideale Zeitraum. Alles, was darüber hinaus geht, führt zu Verlusten.“

Knappe Zeitfenster

Vor allem der optimale Zeitpunkt für den Beginn der Aussaat ist in entscheidend. „In der Regel liegt bis Mitte April Schnee auf den Feldern. Von daher dauert es eine Weile, bis der Boden trocknet und sich erwärmt. Ab Anfang Mai steigen die Temperaturen sehr schnell an und auch der Wind trägt dazu bei, die Flächen auszu­trocknen.“ Das ideale Zeitfenster ist daher sehr eng.
Normalerweise beginnt die Feld­arbeit in Kasachstan Ende April. Bei der ersten Bearbeitung geht es vor allem darum, Kapillare zu brechen, um Wasser­verdunstung zu vermeiden. Ein weiterer Vorteil ist, dass durch die Bearbeitung der ersten 2-3 cm des Bodens die Früh­jahrs­sonne den Boden besser erwärmen kann. Die Aussaat beginnt dann zwischen dem 10. und 15 Mai. „Wir machen keinen Hektar Aussaat ohne Dünger, das ist in meinen Augen nicht sinnvoll. Alle unsere Sprinter NT können Fest­dünger ausbringen“, so Zharas Kanapin. Eine Kombination von Direkt­saat mit gleich­zeitiger Düngung ist in Kasachstan üblich und einer der effektivsten Maßnahmen zur Ertrags­steigerung.
Durch den Schnee, der lange auf den Flächen liegt, ist der Zeitraum, in dem die Aussaat erfolgen muss, sehr knapp. „In diesen Tagen müssen wir sehr viel schaffen, um entsprechende Erträge zu erzielen.“ Daher sind die Betriebe maschinell sehr gut aufgestellt, um in diesen knappen Zeit­fenstern schlag­kräftig zu arbeiten und den Grund­stein für eine gute Ernte zu legen. Der perfekte Zeitpunkt ist vor allem relevant, um gute Keim­bedingungen zu schaffen und die Pflanzen ideal durch schwierige Phasen zu bringen: „Um den 15. Juni ist es in der Regel sehr heiß. Wenn der Weizen in einem kleinen Stadium zur Hitze kommt, überlebt er sie besser. Wenn er größer ist und mehr Wasser benötigt, kann ihm die Hitze mehr anhaben“, erzählt der Betriebsleiter.

„In den letzten 50 Jahren hatten wir vielleicht einen einzigen Total­ausfall, bei dem wir nichts von den Flächen ernten konnten“, erinnert sich Zharas Kanapin. „2023 war erneut ein extrem schwieriges Jahr mit erheblichen Einbußen. Der Weizen war qualitativ schlecht und wir verzeichneten Einbrüche von 40 %.“ Um die wirtschaft­liche Stabilität auch in schwächeren Ernte­jahren zu sichern, suchte die Familie nach neuen Möglich­keiten. „So kam uns die Idee, eine Milch­produktion an unserem südlichen Standort aufzubauen. Der Betrieb liegt nur etwa 60 km von Astana entfernt. Die Einwohner­zahl der Stadt wächst und damit auch der Bedarf an Milch­produkten.“ Die Pläne wurden schnell umgesetzt. Noch in diesem Jahr soll der Betrieb dort mit 1.000 Milchkühen aufgenommen werden.

Arbeiten mit Herz

Insgesamt 150 Mitarbeitende sind auf den Betrieben ganzjährig angestellt, hinzu kommen 20 Saison­arbeiter für den Getreide­speicher. „Für den Milch­vieh­betrieb werden wir in diesem Jahr noch weitere 60 Leute einstellen“, erklärt er. Eine ganz­jährige Beschäftigung zu bieten, ist nicht immer üblich: „Heut­zutage geeignete Mitarbeiter für Land­maschinen zu finden, ist schwierig. Der Bedarf an Arbeits­kräften ist sehr hoch. Daher versuchen wir, die Mitarbeiter zu halten. Wir finden das ganze Jahr über Aufgaben – sei es für das Schnee­räumen im Winter oder im Frühjahr für diverse Reparaturen, Wartungen und Vorbereitungen für die Saison“, so Zharas Kanapin. „Viele Betriebe suchen Mitarbeiter von Mai bis Oktober. Die Leute lernen in dieser Zeit aber weder den Betrieb noch die Strukturen und Böden gut kennen. Bei unseren Böden können wir nicht nur mit finanziellen Mitteln und unseren Händen arbeiten, sondern auch mit Herz. Von daher benötigen wir entsprechende Fach­kräfte, die Wissen mitbringen. Diese Kombination aus den richtigen Maschinen, Wissen und Herzblut bringt Ertrag und Erfolg.“

Potenzial für die Zukunft

Kasachstan steht, was professionellen Ackerbau und Landwirt­schaft angeht, noch am Anfang: „Wir haben enormes Potenzial, das wir nutzen müssen“, sagt Zharas Kanapin überzeugt. „Unsere Betriebe sind gut aufgestellt und mit der richtigen Technik, dem passenden Know-how und einer klaren Strategie können wir unsere Erträge noch weiter steigern.“
Der nächste große Schritt steht bereits bevor: Noch in diesem Jahr soll der Milch­vieh­betrieb starten. Damit schaffen Zharas Kanapin und seine Familie eine zusätzliche wirt­schaftliche Säule, die eine stabile Einnahme­quelle bietet und die Unvorher­seh­barkeit der Feld­ernte ausgleicht. Zudem sind weiteres Wachstum und die Expansion der Betriebe ein klares Ziel für die Zukunft. Der Blick bleibt dabei stets nach vorne gerichtet. „Landwirt­schaft ist eine Wissen­schaft, aber auch eine Leiden­schaft. Wer mit Herzblut arbeitet, die richtigen Entscheidungen trifft und den perfekten Zeitpunkt nutzt, wird erfolgreich sein.“