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Landwirtschaft am Polarkreis – Wo die Nacht zum Tag wird

Zwischen nahezu 24 h Sonne im Sommer und monatelanger Dunkelheit im Winter bewirtschaftet Alf Utby im Norden Norwegens einen landwirt­schaftlichen Betrieb. Warum dort dunkler Sand zu besseren Kartoffel­erträgen führt und wie er die extremen Bedingungen meistert, hat er terraHORSCH erzählt.

In der Provinz Troms, weit im Norden Norwegens, liegt der landwirt­schaftliche Betrieb von Alf Utby. Hier, nur wenige hundert Kilometer vom Polar­kreis entfernt, sind die Bedingungen für die Landwirt­schaft alles andere als einfach: lange, schnee­reiche Winter und ein sehr später Vegetations­beginn. Während die Sonne im Sommer kaum unter­geht, bleibt sie im Winter monate­lang hinter dem Horizont verschwunden. Landwirt­schaft in dieser Region ist eine Heraus­forderung und eine Frage der Haltung.

Familienbetrieb

Der Hof von Alf Utby ist ein echter Familien­betrieb – drei Generationen arbeiten hier zusammen: Alf selbst, sein Vater und sein Sohn. Ursprünglich hielt Alfs Vater Schafe, doch zunehmende Verluste durch Luchse, die etwa die Hälfte der Lämmer jedes Jahr rissen, führten dazu, dass dieser Betriebs­zweig aufgegeben wurde.
Die Familie stellte auf Charolais-Rinder um und begann in den 1990er Jahren mit dem Anbau von Kartoffeln. Zunächst im kleinen Stil mit nur einem Hektar. Heute sind es rund 45 ha Kartoffeln. Zusätzlich bewirt­schaften sie etwa 100 ha Grünland für die Futter­versorgung der 50 Rinder. Ein Teil des Rind­fleischs geht direkt an ein Restaurant in Tromsø – der Rest wird konventionell vermarktet. „Das ist eher Hobby als Geschäft“, sagt Alf. „Aber ich finde es schön, etwas Abwechslung zu haben.“ Das Grünland liefert in der kurzen Saison zwei bis drei Schnitte – genug für die eigene Versorgung. „Die Kartoffel ist unser größtes Standbein – damit verdienen wir unser Geld“, sagt Alf Utby. Während der Saison sind acht Menschen auf dem Betrieb beschäftigt.

Jeder Tag zählt

Die Herausforderungen, die Ackerbau nördlich des Polar­kreises mit sich bringt, beginnen im Frühjahr. Während in südlicheren Teilen Norwegens bereits im April gesät wird, ist der Boden in Troms zu dieser Zeit oft noch schnee­bedeckt. Um den Start in die Saison zu beschleunigen, greift Alf Utby zu einem ungewöhn­lichen, aber wirkungs­vollen Mittel: dunkler Sand wird Ende März/Anfang April auf Schnee­flächen ausgebracht, um die Sonnen­strahlung stärker zu absorbieren und die Schnee­schmelze zu beschleunigen. Der Sand ist fein und tiefschwarz – ideal, um die Schnee­decke schnell zu beseitigen.

Sobald die Felder befahrbar sind, muss es schnell gehen. Das Pflanzen der Kartoffeln beginnt in der Regel Ende Mai und sollte spätestens bis zum 20. Juni abge­schlossen sein. Der Zeitraum ist knapp, jeder Tag zählt. „Ein guter Tag im Mai kann unter Umständen eine Woche mehr Wachstum im Herbst bedeuten“, sagt Alf Utby.
In Nordnorwegen ist die Vegetations­periode extrem kurz – typischer­weise nur von Juni bis Anfang September. Jede Möglichkeit, früher zu pflanzen, ist deshalb bares Geld wert. Denn in den Wochen der Mitter­nachts­sonne scheint die Sonne nahezu rund um die Uhr, was das Pflanzen­wachstum fördert. Kartoffeln, die früher in den Boden kommen, können das besser ausnutzen. Je später jedoch gepflanzt wird, desto weniger profitieren die Pflanzen davon – und desto stärker wirkt sich die zunehmende Kälte im Herbst auf das Wachstum aus. Ein einzelner Tag im Mai kann daher besonders wertvoll sein, da die Pflanzen den ganzen Tag über das Licht nutzen können im Vergleich zum Herbst und dieser Vorsprung bringt im Herbst messbar mehr Ertrag. „Das ist kein Vergleich zur Landwirt­schaft in südlicheren Regionen Norwegens – dort hat man deutlich mehr Spielraum,“ sagt Alf Utby.

Technik, die passt

Alf Utby hat sich auf die Gegeben­heiten eingestellt und arbeitet best­möglich mit ihnen: „Wenn es tagsüber zu windig ist, spritze ich eben nachts. Die Sonne scheint ja trotzdem. Die Schein­werfer am Gestänge der Pflanzen­schutz­spritze sind in unserer Region quasi über­flüssig“, sagt er mit einem Schmunzeln. Um in den kurzen Zeit­fenstern schlag­kräftig arbeiten zu können, hat er sich für die Leeb LT mit 6.000 l Tank­volumen entschieden. Die Maschine ist zuver­lässig, präzise und unterstützt ihn bei der exakten Ausbringung auch unter schwierigen Bedingungen. Überzeugt ist er von der Führung des Gestänges sowie der intuitiven Bedienung: „Die Menü­führung ist einfach und der Spritz­vorgang lässt sich fast voll­ständig automatisieren. Das ist an stressigen Tagen Gold wert“, berichtet er. Was Alf Utby besonders schätzt, ist der Service und die Zusammen­arbeit: „Wenn ich eine Frage habe, erreiche ich jemanden. Das ist wichtig, wenn man mit so komplexer Technik arbeitet.“

In der Region um Troms gibt es nur wenige größere landwirt­schaftliche Betriebe. Viele Höfe werden im Neben­erwerb geführt oder haben sich auf einzelne Betriebs­zweige spezialisiert. Neben dem eigenen Betrieb führt der Landwirt Lohn­arbeiten für andere land­wirt­schaftliche Betriebe in der Umgebung durch, darunter auch Pflanzen­schutz­maßnahmen, bei denen ihm die Schlagkraft der Leeb LT entgegenkommt.

Kartoffelvielfalt

Der Anbau der Kartoffeln ist bei Alf Utby perfekt organisiert. Sechs verschiedene Sorten stehen dieses Jahr auf dem Plan. Manche bewährt, andere neu. „Was im Süden funktioniert, muss hier nicht klappen. Wir testen jedes Jahr neu, was für unsere Bedingungen passt.“ Die Vermarktung erfolgt über eine eigene, von mehreren Landwirten betriebene Sortier- und Verpackungs­anlage. Alf Utby liefert die Kartoffeln aus dem eigenen Lager über den gesamten Winter hinweg dorthin. Von dort aus gelangen sie gewaschen und verpackt in den Handel.
Die Fruchtfolge spielt für Alf Utby eine wichtige Rolle, auch wenn ihre Umsetzung nicht immer einfach ist. Sein Ziel: nach einem Jahr Kartoffeln mindestens zwei Jahre Gras auf derselben Fläche anzubauen. „Ideal wären drei Jahre Gras nach einem Jahr Kartoffeln“, sagt er. Das sei jedoch nicht überall möglich, vor allem, weil viele seiner Flächen gepachtet sind. Die begrenzte Flächen­verfügbar­keit und die Lauf­zeiten der Pacht­verträge erschweren eine lang­fristige Planung. Trotz­dem arbeitet Alf Utby daran, seine Frucht­folge schritt­weise zu verbessern.

Positive Grundhaltung

Trotz kurzer Vegetations­zeit, unberechen­barem Wetter und logistischer Heraus­forderungen zeigt sich Alf Utby zufrieden. Er meistert die besonderen Bedingungen mit Pragmatismus, Erfahrung und dem richtigen Gespür. „Man muss flexibel sein und darf sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. Ich mag, was ich tue“, sagt er.
Die Investitionen in Technik sind wohl­überlegt, doch größere Projekte, etwa ein neues Lagerhaus mit Werkstatt, will er nur umsetzen, wenn die Zukunft des Betriebs gesichert ist. Sein Sohn hilft zwar aktiv mit, die Nachfolge ist jedoch noch offen.