Einfachheit für optimale Effizienz – ein Betrieb denkt um
Als gebürtiger Brite macht Tom Rudge auf seinem Betrieb in Neuseeland vieles anders. Im Laufe der Jahre entwickelte er gemeinsam mit seinem Vater Michael ein scheinbar einfaches System, mit klarem Fokus auf Bodenstruktur, Effizienz und kontinuierlicher Weiterentwicklung – in jeglicher Hinsicht.

Mid-Canterbury liegt im Herzen der neuseeländischen Südinsel. Die Region ist geprägt von fruchtbaren Böden und einem gemäßigten Klima. Tom Rudge führt hier gemeinsam mit seiner Familie einen 750 ha großen Betrieb, auf dem Weizen, Gerste und Gras für die Weidehaltung von Lämmern und für die Produktion von Silage angebaut werden.
Von Großbritannien nach Neuseeland
Die Wurzeln der Landwirtschaft der Rudges liegen jedoch am anderen Ende der Welt, in Großbritannien. In Oxfordshire bewirtschafteten Toms Eltern Georgina und Michael einen Gemischtbetrieb. Dort lernte Tom auch seine Frau Anjie kennen, die ursprünglich aus Neuseeland kam und Europa bereiste. Zur Hochzeit besuchte Tom Neuseeland zum ersten Mal. Er verliebte sich sofort in die Gegend und sah enormes Potential.
Georgina und Michael reisten ursprünglich zur Hochzeit von Tom und Anjie nach Neuseeland und fanden Gefallen an der Idee, in diesem Land zu leben und in der Landwirtschaft zu arbeiten. Sie entschlossen sich dazu, ihren Betrieb in Großbritannien zu verkaufen und wanderten gemeinsam mit ihren Kindern und den Eltern aus. Im Jahr 2001 lebten schließlich drei Generationen der Familie Rudge gemeinsam in ihrer neuen Heimat auf der Südhalbkugel.
„Die britische Politik passte damals nicht zu unseren Vorstellungen von Landwirtschaft“, sagt Tom. „Mir gefiel das Subventionssystem nicht. In meinen Augen liefen die Menschen eher Zahlungen hinterher, anstatt ihre eigenen Ideen umzusetzen und verschiedene Dinge auszuprobieren. Hier gibt es keine Subventionen, du bist auf dich allein gestellt. Das gefällt uns“, ergänzt er.

Mit dieser Überzeugung im Gepäck kauften Michael und Tom zwei Betriebe mit insgesamt 400 ha in der sehr ertragreichen Gegend in Mid-Canterbury. Als sie die Betriebe übernahmen, lag die durchschnittliche Schlaggröße bei 8 ha, was effiziente Arbeitsabläufe deutlich erschwerte. Um den Einsatz von Arbeitskraft und Maschinen zu optimieren, wurde viel daran gearbeitet, Flächen zusammenzulegen. Mittlerweile liegt der Durchschnitt bei 46 ha, was viele Abläufe wie Aussaat, Viehhaltung und Ernte erleichtert. Durch stetige Erweiterungen ist die Betriebsgröße mittlerweile auf rund 750 ha angewachsen.
Vereinfachung als Schlüssel
„Als wir hierherkamen, haben wir alles gemacht, was die Kiwis auch gemacht haben. Zusätzlich zu Weizen und Gerste bauten wir Leinsamen, Erbsen und Bohnen an sowie Gras, Klee und Kohl. Wir hielten Schafe und sogar eine Herde Junghirsche. Doch das wurde zu komplex und die Kosten liefen aus dem Ruder. Die Entscheidung, das System zu vereinfachen, war eine Frage der Effizienz. Wir begannen daher, mit einem Verwaltungssystem zu arbeiten“, erzählt Tom. „Wir merkten schnell, dass Futtergerste genauso gut bezahlt wird wie andere Kulturen, während das Anbaurisiko vergleichsweise geringer ist. Sobald wir wussten, wo das Geld hingeht, haben wir alles auf Effizienz getrimmt“, fügt er hinzu.
So konzentrierte er sich auf den Anbau von Gerste und Weizen für Futter, Mälzereien und Mühlen sowie Gras. „Wir mästen bis zu 12.000 Lämmer pro Jahr. Das Gras, das wir anbauen, dient nicht nur der Weidehaltung, sondern auch der Produktion von Silage und wird später an Milchviehbetriebe verkauft“, erklärt Michael. „Unser System erscheint sehr einfach“, ergänzt er. „Aber es hat sich über die Jahre hinweg erst entwickelt.“
Besonders der Anbau von Gras ist rentabel: „Wenn die Lämmer die Flächen wieder verlassen, hat sich das Gras im Anbau bereits gerechnet. Danach lassen wir es für die Silage weiterwachsen und machen einen oder vielleicht zwei Schnitte und bereiten die Fläche anschließend für den Weizen vor.“

„Wir haben ein pflugloses Anbausystem eingeführt mit der Fruchtfolge Gras, Weizen, Gerste, Gras. Eigentlich müssten wir, da wir ja fast ausschließlich Getreide anbauen, massive Probleme mit Ungräsern haben, aber das ist nicht der Fall. Nach dem letzten Silageschnitt spritzen wir das Gras mit Glyphosat. Dann bleibt die Fläche erst einmal vier Monate lang liegen. Da wir Klee mit eingesät haben und Klee nicht durch Glyphosat abgetötet wird, wächst dieser weiter. Wenn das Jahr gut ist und wir im Sommer ausreichend Regen bekommen, können wir sogar noch einmal beweiden. Das alles stammt aus einer Aussaat und wir können damit sogar bis zu vier Ernten erzielen, ehe wir die Flächen im Herbst wieder mit Weizen bestellen. Früher litten unsere Getreidekulturen sehr unter Unkraut. Jetzt haben wir alles im Griff.“
Die richtige Technik
„Mittlerweile lassen wir auch das gesamte Stroh auf den Flächen. Früher haben wir es verkauft, aber das war nicht effektiv, da dem Boden dadurch die Nährstoffe entzogen wurden.“ Um mit den Ernterückständen zurechtzukommen, braucht man die richtige Sämaschine. Als Michael und Tom nach Neuseeland kamen, brachten sie eine 4-m-Scheibensämaschine mit, mussten aber schnell feststellen, dass diese für die Bedingungen vor Ort nicht geeignet ist. Stattdessen entschieden sie sich auf Anraten eines alten Freundes und Nachbarn für ein Zinkengerät: „Wir kauften den damaligen Sprinter 8 CO und haben insgesamt 16 Jahre mit dieser Maschine gearbeitet. Wir waren immer zufrieden, da wir mit den Zinken auch bei großen Mengen an Ernterückständen auf den Flächen problemlos säen konnten.“ Mit dem Erwerb von mehr Land und der Einführung des pfluglosen Systems, wuchs der Bedarf an einer Maschine mit größerer Arbeitsbreite und so zog der Sprinter 12 SW auf dem Betrieb ein. „Mit dieser Maschine können wir alle Kulturen unter verschiedenen Bedingungen säen, ob Direktsaat oder bearbeitet. Auch unsere Gräser drillen wir damit. Die Maschine bleibt dabei verschleißarm und für uns kostengünstig“, zeigt sich Tom begeistert.
„Wir haben eine Zeitlang überlegt, ausschließlich Direktsaat zu machen, aber ich wollte mich nie komplett festlegen, denn gegen eine gezielte Bodenbearbeitung ist aus meiner Sicht nichts einzuwenden. Ein gut geführtes Anbausystem wird nicht das gesamte Bodenleben zerstören, das sich ja schnell wieder aufbauen kann, vorausgesetzt, man beschäftigt sich gezielt mit der Bodenbiologie. Wir setzen zum Beispiel Azotobacter, Pseudomonas, Trichoderma und Bacillus ein – einfach das, wovon wir wissen, dass es uns nützt. Und ich gebe dann auch eine Nahrungsquelle dazu, etwa Melasse, Fischprodukte oder Meeresalgen. Um das Unkrautmanagement zu optimieren, führen wir einen flachen Bearbeitungsgang mit einem Zinken- oder Scheibengerät durch. „Das ist eine sehr gezielte Bodenbearbeitung. Wir arbeiten immer daran, Wasser im Boden zu halten.“
Aufbau organischer Substanz & Nährstoffe nutzen
Das Thema Wasser im Boden zu halten, ist aus zwei Gesichtspunkten relevant: In Neuseeland herrschen zeitweise starke und heiße Nordwestwinde vor. Dieser Föhnwind trocknet die Böden massiv aus. Daher ist es wichtig, die Bodenbearbeitung strategisch einzusetzen, um einen Feuchtigkeitsverlust zu vermeiden. Umso mehr weil Tom und Michael ihre Flächen – im Vergleich zu den meisten Landwirten in der Region – nicht bewässern. Das ist eine weitere bewusste Maßnahme zur Kostenkontrolle. „Der große Boom, Bewässerungen zu installieren, begann, als wir bereits ein paar Jahre hier waren“, erzählt Tom. Die durchschnittliche Niederschlagsmenge liegt in der Region bei 850 mm pro Jahr. Es ist also nicht trocken, sondern kommt viel mehr darauf an, wann es im Jahr regnet. „Damit sich die Bewässerung in unserem System auszahlt, müssten wir unsere Produktion verdoppeln. Das würde die Wasserkosten ausgleichen, aber wir wären dadurch nicht profitabler. Daher war mein Ziel, die Bodenstruktur zu verbessern und Feuchtigkeit im Boden zu halten.“

Ein besonderer Fokus liegt bei Tom daher auf dem Thema Nährstoffmanagement – nicht zuletzt, weil die Düngemittel einen der größten Kostenblöcke auf dem Betrieb darstellen. In den letzten Jahren haben sie daher ihre grundsätzliche Strategie überdacht. „Wir führen jedes Jahr Bodenuntersuchungen auf allen Flächen durch, um zu wissen, wo wir stehen“, erklärt Tom. „Die Erkenntnisse daraus führten dazu, dass wir unsere Strategie änderten und auf das Albrecht-Bodenanalysesystem umgestiegen sind, da es das Verhältnis von Kalzium zu Magnesium besonders berücksichtigt.“
Die Umstellung brachte einen echten Gewinn: „Wir haben festgestellt, dass wir durch gezielte Erhöhung des Magnesiumgehalts die Wasserhaltefähigkeit der Böden spürbar verbessern konnten – ein enormer Vorteil, da wir ja keine Bewässerung einsetzen“, sagt Michael.
Darüber hinaus liefern Tests mit dem Farm Management System SAP während der gesamten Vegetationsperiode wertvolle Erkenntnisse über die Gesundheit der Pflanzen und den Nährstoffbedarf. Erst kürzlich wurde das YEN-Benchmarking (Yield Enhancement Network) eingeführt, um die begrenzenden Faktoren des Getreideertrags besser zu verstehen.
Flüssigdüngung
Gerade weil der Betrieb ohne Bewässerung arbeitet und angekündigte Niederschläge oft ausbleiben, ist die schnelle Wirkung der Nährstoffe entscheidend. „Bei Flüssigdünger reichen 2 oder 3 mm Regen aus, damit er direkt in den Boden gelangt. Das wäre mit granuliertem Dünger nicht möglich. Wir setzen unseren Dünger also klüger ein.“
Parallel dazu experimentiert der Betrieb intensiv mit Blattdüngung. Erste Feldversuche zeigen, dass sich vor allem bei den letzten Düngegaben Einsparungen von bis zu 50 % erzielen lassen – ohne Ertragsverluste. „Man muss mutig sein, um zu experimentieren, und experimentieren, um mutig zu werden“, so Tom. „Das hat uns in den letzten Jahren wirklich weitergebracht. Unser Hauptaugenmerk werden wir in Zukunft auf die Nährstoffeffizienz legen. Wir sammeln Regenwasser und stellen Flüssigdünger selbst her.“

Die Effizienz der Nährstoffausbringung hängt nicht zuletzt auch an der Technik. Daher entschied sich der Betrieb für die Anschaffung einer großen Pflanzenschutzspritze – einer Leeb 12 TD. „Wir haben das nicht gemacht, um mehr Fläche zu schaffen, sondern um effizienter zu arbeiten“, betont Michael. Der größere Tank vermeidet häufiges Befüllen auf dem Hof – und spart dadurch wertvolle Zeit während des Einsatzes.
Zudem ist die Spritze speziell auf herausfordernde Windverhältnisse ausgelegt. „Wir haben hier starke Winde und müssen oft unter Bedingungen spritzen, die alles andere als ideal sind. Früher war das ein Problem – heute nicht mehr“, sagt Tom. Dank der aktiven Gestängesteuerung kann die Leeb so auch mit 40 cm Zielflächenabstand arbeiten – und liefert eine perfekte Applikation. „Man muss das selbst sehen, um es zu glauben“, sagt Tom begeistert.
Das hat der Landwirt auch überprüft – mit reaktiven Papieren, unterschiedlichen Düsentypen und variabler Fahrgeschwindigkeit. „Wir haben viele Versuche gemacht und sind am Ende bei O3-Düsen mit rund 100 l/ha gelandet. Das ist unsere optimale Konfiguration“, so Tom. Die gezielte Ausbringung kann nicht nur für Düngemittel, sondern auch beim Fungizideinsatz genutzt werden. „Die Leeb 12 TD hat einen echten Unterschied in Sachen Effizienz gemacht. Eine Person kann nun mindestens 2,5 mal so produktiv arbeiten als mit unserem früheren System.“
Forschung für stetige Verbesserung
„Als Landwirte möchten wir durch den Einsatz neuer Technologien nicht nur effizienter werden, sondern auch umweltverträglicher und nachhaltiger arbeiten“, sagt Tom. „Wenn wir nach vorne schauen, gibt es vieles, was wir noch nicht wissen und erst lernen müssen.“ Hilfreich dabei: Tom engagiert sich in einer Gruppe mit zwölf weiteren Landwirten aus den unterschiedlichsten Regionen Neuseelands. „Einige davon haben ihre Betriebe an der Küste, andere im Hügelland, manche bewässern, manche nicht.“ Pro Jahr versucht jeder Teilnehmer einen Versuch durchzuführen, damit die Gruppe insgesamt 13 verschiedene Ergebnisse vorliegen hat. Außerdem tauschen sich die Landwirte regelmäßig über ihre Erfahrungen aus.

„Dieses Netzwerk hat uns auch bereits Kontakt zu Experten in Übersee verschafft. Es gibt eine Menge, was ich hier lernen konnte. Ich war dadurch auch im Austausch mit Bio-Betrieben. Man erfährt, wie diese mit Unkräutern umgehen, ohne Pflanzenschutzmittel, und versucht, das auf seine eigene Landwirtschaft anzuwenden“, so Tom. „Im Grunde arbeiten wir aktuell in einem Hybrid-System.“
Der Aufbau der organischen Substanz im Boden bestätigt diesen Weg: Von anfangs 1,5 bis 2 % ist der Anteil inzwischen auf über 3 % gestiegen. Die Schafe spielen dabei eine zentrale Rolle.
Ein anderer Weg
Tom und Michael Rudge gehen bewusst einen anderen Weg als viele ihrer Nachbarn: Sie verzichten auf Bewässerung und setzen auf ein scheinbar einfaches, aber fein abgestimmtes System. Ihr Fokus liegt auf dem Aufbau einer gesunden Bodenstruktur, dem Erhalt der organischen Substanz und der Entwicklung langfristig stabiler, resilienter Fruchtfolgen – kombiniert mit einem klaren Blick auf Effizienz und Kostenkontrolle. Dabei bleiben sie offen für neue Ansätze – sei es im Nährstoffmanagement oder beim Umgang mit Unkräutern. Durch gezielte Praxisversuche und den regelmäßigen Austausch mit anderen Landwirten entwickeln sie ihren Betrieb stetig weiter. Ihr langfristiges Ziel ist klar: ein stabiles, System – und einen Betrieb, der auf Wissen, Anpassungsfähigkeit, Effizienz und einem tiefen Verständnis für den Boden basiert.