Zwischen Trockenheit und Technik: Präzision schafft Perspektiven
Trockenheit und Wetterextreme – Themen, die weltweit an Relevanz gewinnen. Philipp und Constantin Horsch erklären, warum es dabei nicht nur um fehlende Niederschläge geht, sondern um ein neues Verständnis im Umgang mit Wasser, Boden und der Präzision im Ackerbau.
Wasser wird zunehmend zum limitierenden Faktor im Ackerbau – weltweit, auf allen Standorten. Dabei geht es nicht allein um fehlende Niederschläge. Vielmehr hat sich in den letzten Jahren ein grundlegender Wandel im Verständnis für den Umgang mit Wasser und Boden vollzogen. „In Gesprächen mit Landwirten kommt das Thema Trockenheit heute sofort zur Sprache“, sagt Philipp Horsch. Vor einigen Jahren sei das noch ganz anders gewesen.

Klimaforscher bestätigen diese Wahrnehmung: Nicht die Regenmenge insgesamt habe sich verändert, sondern ihre Verteilung. Niederschläge kommen geballt. Oder bleiben über Wochen vollständig aus. Extremwetterlagen bleiben länger stabil, Hoch- und Tiefdruckgebiete verharren an Ort und Stelle, was zu ausgeprägten Dürre- oder Nässeperioden führt. „Man merkt zunehmend, dass es nicht immer mit Wärme zu tun hat, sondern es in diesen Phasen generell zu trocken ist“, ergänzt Constantin Horsch.
Der Druck, stabile Erträge zu erwirtschaften, wächst – ebenso wie der Bedarf, die natürlichen Ressourcen effizienter zu nutzen. Anpassungsfähigkeit und vor allem Präzision werden damit immer zentraler.
Nährstoffmanagement und Bodenbearbeitung
Der Nährstoffmangel ist meist die erste limitierende Größe: „Die Pflanze verhungert immer zuerst, bevor sie verdurstet“, bringt es Constantin Horsch auf den Punkt. Ein Grundsatz, der unmittelbar mit wassersparendem Arbeiten einhergeht. Direktsaat oder eine flache Bearbeitung reichen allein nicht aus. „Es geht vor allem darum, Nährstoffe pflanzenverfügbar zu machen und hier spielt Bodenbearbeitung eine Rolle. Die Kombination aus Zwischenfruchtanbau und Direktsaat ist ein Schritt – aber vielleicht nicht komplett ausreichend. Der Boden braucht Sauerstoff und ein gewisses Bodenvolumen, um Nährstoffe pflanzenverfügbar zu machen. Und ein entsprechend großes Bodenvolumen schafft man nur durch Bodenbearbeitung. Somit hat die richtige Bodenbearbeitung auch einen großen Einfluss,“ so Constantin Horsch. „Viele Betriebe nutzen Trockenphasen mittlerweile aus, um in der Tiefe zu lockern und so auf der einen Seite Bodenverdichtungen herauszuarbeiten, die über Jahre entstanden sind, und auf der anderen Seite, um Nährstoffe – wie zum Beispiel Phosphor – zusätzlich einzubringen.“ Durch Bodenbearbeitung ist ein entsprechendes Gefüge sicherzustellen, dass sich Pflanzen zuverlässig Nährstoffe erschließen können.
Ein weiterer Aspekt ist, Nährstoffe gezielt einzubringen. Es zeigt sich heute, dass Böden oft kopflastig sind, also die Nährstoffkonzentration in den oberen Schichten höher ist und nach unten hin abnimmt. Ein Punkt, der gerade bei Trockenheit nicht optimal ist, da der Boden in der Regel von oben austrocknet und Nährstoffe dadurch nur eingeschränkt pflanzenverfügbar sind. „Daher arbeiten wir mit Technik, die die Nährstoffeinbringung, aber vor allem auch die Nährstoffverteilung optimiert,“ sagt Philipp Horsch.

Grundsätzlich bleibt das zentrale Ziel, das Wasserhaltevermögen der Böden zu verbessern – etwa durch gezielte Krumenvertiefung, Humusaufbau und eine durchdachte Fruchtfolge. Entscheidend ist, Wasser nicht nur im Boden zu halten, sondern es auch schnell und effektiv aufnehmen zu können. Hier spielt die Bodenstruktur eine tragende Rolle.
Präzision in der Bodenbearbeitung ist hierfür ein entscheidender Schlüssel: „Wir wollen flach sehr präzise arbeiten, um Verdunstung zu reduzieren, und wir wollen tief sehr präzise arbeiten, um Nährstoffe abzulegen und tief zu lockern“, erläutert Philipp Horsch.
Genau hier entsteht ein Spannungsfeld: Auf der einen Seite steht das Bedürfnis nach gezielter Krumenvertiefung, um die Bodenstruktur zu verbessern und Nährstoffe pflanzenverfügbar zu machen. Auf der anderen Seite ist die Idee des NoTill, das mit möglichst wenig Eingriff auskommen will, um genau dieses Wasser zu sparen. Zwei Ansätze, die sich scheinbar widersprechen.
NoTill - die Lösung?
Jeder Eingriff in den Boden bringt einen gewissen Wasserverbrauch mit sich – auch wenn direkt rückverfestigt wird. Ist NoTill also die Lösung? So einfach sei es nicht, sagen Philipp und Constantin Horsch. Es komme auf viele Faktoren an – Bodentyp, Fruchtfolge, Klima. Technisch gesehen hat sich dabei vor allem die Direktsaat mit der Scheibe durchgesetzt, da die Ablage präziser ist. „In den trockenen kontinentalen Standorten finden wir sowohl Scheiben- als auch Zinkengeräte. Dennoch ist der Zinken hier meist etablierter“, erklärt Philipp Horsch. Ein Vorteil des Zinkengeräts: Die räumende Wirkung unterstützt besonders in Regionen mit kurzem Herbst und schnellem Wintereinbruch, in denen Ernterückstände kaum verrotten.

Ursprünglich kommt die Direktsaat von Standorten, die immer viel zu trocken oder viel zu nass waren. Zudem herrscht in diesen Regionen im Winter eine enorme Kälte, bei der schwere Böden auffrieren, was zur Bodenbearbeitung beiträgt. Regen und Wärme führen wiederum zu einer höheren biologischen Aktivität im Boden. „In Europa werden die Winter immer milder. Daher tun wir uns mit der Direktsaat wahrscheinlich schwerer, da sie oft an ihre Grenzen kommt auch wegen der Schädlinge“, so Constantin Horsch.
Beide sind sich einig, dass die klassische Direktsaat am ehesten auf schweren Böden möglich ist. Erforderlich hierfür: eine intelligentere Fruchtfolge. „Es braucht einen Weg, um mit Problemunkräutern und -schädlingen umzugehen und dennoch den Effekt der Direktsaat zu nutzen. Das bedeutet, intelligentere Eingriffe in den Boden zu machen – das ist der aktuelle Weg“, erklärt Philipp Horsch.
Wandel der Direktsaat
„Die moderne Form der Direktsaat geht eher in die Richtung, sie mit Bodenbearbeitung zu kombinieren – auch innerhalb der Fruchtfolge“, fügt er hinzu. „In vielen Regionen sprechen wir mittlerweile von einer fruchtfolgespezifischen Direktsaat oder Rotational NoTill“, so Constantin Horsch. Es gilt, Direktsaat intelligent einzubauen und mit der Bodenbearbeitung innerhalb der Fruchtfolge zu kombinieren. So wird auch in den klassischen Direktsaatgebieten wie Kanada zunehmend Bodenbearbeitung integriert. „Das war vor 10 Jahren noch kein Thema“, erläutert Philipp Horsch.
Wesentlich sind dabei die Tiefe und Präzision der Bearbeitung. Denn jeder Eingriff kostet Wasser – gerade in trockenen Phasen. „Wir haben verschiedenste Schar varianten in der Boden bearbeitung von intensiv mischend bis tief lockernd, ohne Boden nach oben zu bringen. Wir versuchen hier, den Kunden auch die Möglichkeit zu geben, präzise so wenig Boden wie möglich zu bewegen und dennoch eine Lockerung zu erzielen“, sagt Constantin Horsch„Das alles kann vor der Saat passieren, kann aber auch mit der Saat kombiniert werden“, ergänzt Philipp Horsch.

Eine zentrale Maschine hierfür ist der Focus: „Der Focus spielt auf einigen Standorten eine zentrale Rolle, da er Bodenbearbeitung und Aussaat kombiniert. Das bedeutet: kein Zeitverlust zwischen den Arbeitsgängen und somit weniger Wasserverlust. Gleichzeitig können Düngerdepots direkt abgelegt werden, um die Pflanzen gezielt zu versorgen“, so Constantin Horsch. „Der Focus ist weltweit das erfolgreichste StripTill Verfahren, das mit Sicherheit die meisten Hektar macht. Vor allem leichte Böden sind hierfür prädestiniert, da diese tief gelockert werden sollen“, ergänzt Philipp Horsch.
Präzision bei der Aussaat
Nicht nur bei der Bodenbearbeitung spielt Präzision eine entscheidende Rolle – auch bei der Aussaat wird sie zum Schlüsselfaktor im Umgang mit Trockenheit. Da oft nur ein knappes Zeitfenster zur Verfügung steht, kommt es auf die optimale Einbettung an. „Um eine perfekte Einbettung zu erreichen, gilt es, auf den richtigen Zeitpunkt zu achten und auf die Wahl der Maschine, damit jedes Korn die gleichen Voraussetzungen hat. Präzision ist die Basis, um das Restwasser zu nutzen und den Bestand zu etablieren“, sagt Philipp Horsch. „Eine große Rolle spielt dabei unser AutoForce System, das den Schardruck automatisch reguliert und so für eine perfekte und gleichmäßige Ablage sorgt. Auch unser ParaDisc Schar wird stetig weiterentwickelt, um eine sichere Saatgutablage zu gewährleisten.“
Immer mehr Landwirte setzen inzwischen auch bei Raps auf Einzelkornsaat, um Trockenheit entgegenzuwirken, das Saatgut möglichst präzise abzulegen und somit ideale Voraussetzungen für den Bestand zu schaffen. Ein weiterer Vorteil ist die Maschinenauslastung. So werden Rüben, Mais und Raps mit einer Sämaschine gedrillt.
Um auf die Gegebenheiten reagieren zu können lässt sich weltweit ein weiterer Trend beobachten: „Wir merken zunehmend, dass sich Kunden mehr ausstatten, was die Drilltechnik angeht“, so Constantin Horsch. Philipp Horsch fügt hinzu: „Der Trend geht zur Zweitmaschine – nicht zwei gleiche, sondern zwei verschiedene, um sich anpassen zu können und bei der Saat breiter aufgestellt und agil zu sein.“ Ziel ist es, wetterangepasst und fruchtfolgespezifisch arbeiten zu können.
„Um hier Lösungen bieten zu können, ist unser Portfolio in der Saat und der Bodenbearbeitung vielfältig – und diese Vielfalt brauchen wir, da wir die verschiedenen Bedingungen nicht mit nur einer Maschine abdecken können. Die Kunden erwarten sehr viel von den Maschinen, wenn es um Präzision oder Flexibilität geht.“
Durchdachte Systeme
Bereits jetzt zeigt sich, dass Wetterextreme und Trockenheit den Ackerbau zunehmend prägen werden. Der Umgang damit erfordert intelligente und durchdachte Systeme. Die Diskussion um Direktsaat oder Bodenbearbeitung ist dabei keine Entweder-oder-Frage. Vielmehr zeigt sich: Es braucht Flexibilität sowohl was Bearbeitungsstrategien angeht als auch die Maschinen.
„Direktsaat ist nicht das Allheilmittel. Sie kann ein Teil der Lösung sein – aber nur im Kontext eines intelligenten Systems“, sagt Constantin Horsch. Und Philipp Horsch ergänzt: „Was wir brauchen, ist Vielfalt. Vielfalt in der Technik, in der Fruchtfolge, in der Bearbeitung. Das können wir nicht mit einer Maschine oder einer eingefahrenen Strategie erschlagen.“ NoTill und Bodenbearbeitung sind also kein Widerspruch, sondern beide Ansätze haben ihre Berechtigung und können sich sinnvoll ergänzen.
Die Entwicklung geht daher viel mehr in Richtung einer fruchtfolgeangepassten Bodenbearbeitung, um Nährstoffe zu mobilisieren, Krumenbildung und das Wasserhaltevermögen der Böden zu verbessern – mit dem Ziel, auch in trockenen Phasen stabile Erträge zu erzielen. Unerlässlich hierfür: Präzision sowohl bei der Bodenbearbeitung als auch bei der Aussaat. Denn nur wenn das Saatgut gleichmäßig abgelegt wird und jede Pflanze vergleichbare Startbedingungen hat, lassen sich homogene Bestände etablieren – eine wichtige Voraussetzung für eine effiziente Wassernutzung und eine stabile Entwicklung des Bestands.