Resistenzen – Was sehen wir? Wie geht es weiter?
Resistenzen gewinnen im Ackerbau zunehmend an Bedeutung. Michael Horsch und Michael Braun sprechen über Ursachen, Strategien und technische Ansätze im Umgang mit einem wachsenden Problem.
Das Thema Resistenzen ist längst keine theoretische Diskussion mehr, sondern betrifft mittlerweile viele Betriebe. Die Ausbreitung wird zunehmend spürbar: „Wir sehen Resistenzen als eine der großen Herausforderungen der nächsten Jahre, vor allem in Westeuropa“, sagt Michael Horsch. „Die Problematik mit Ackerfuchsschwanz ist bekannt. Was nun mit größeren Schritten auf uns zukommt, ist das Weidelgras“, fügt Michael Braun hinzu. Ein entscheidender Auslöser für zunehmende Herbizidresistenzen ist der hohe Anteil an Wintergetreide in den Fruchtfolgen.

Diese Entwicklung hängt mit zwei zentralen Faktoren zusammen: Zum einen wird es für die forschende Chemie immer schwieriger, neue Wirkstoffgruppen zu detektieren, sie auf den Markt zu bringen und dort zu halten, zum anderen reagiert die Natur mit höherer Widerstandskraft und bildet Resistenzen.
„Resistenzen beginnen schleichend. Anfangs lässt sich noch mit höheren Wirkstoffmengen gegensteuern, was zunächst Teilerfolge bringt“, sagt Michael Horsch. „Doch irgendwann erreicht man den Punkt, an dem eine neue Resistenzwelle anrollt. Dann werden die Mittel weiter erhöht – mit immer geringerer Wirkung. Gleichzeitig leidet der Bestand unter dem hohen Wirkstoffstress, was zu Pflanzen- und Bestandesdichteverluste führt und Ertrag kostet. Wenn der Bestand immer stärker unter Stress gerät, kann er sich weniger gegen Pilze und Insekten wehren, was wiederum bedeutet, dass der Pilz- und Schädlingsbefall steigt.“
Ursprünge

Bereits vor rund 15 Jahren wurden in England erste Gräserresistenzen beobachtet. Besonders in Regionen mit sehr hohem Winterweizenanteil in der Fruchtfolge entwickelte der Ackerfuchsschwanz Resistenzen gegen wichtige Wirkstoffgruppen und wurde zur Herausforderung in den Betrieben. Um gegenzusteuern, setzten viele Landwirte zwischenzeitlich sogar wieder den Pflug ein: „Der Pflugeinsatz brachte kurzfristige Erfolge“, meint Michael Horsch. Jedoch brachte das auf lange Sicht nicht die erhofften Ergebnisse, sondern die Ungräser kamen danach umso stärker. Somit war der Pflug auch keine Lösung mehr.

In der Folge erweiterten viele Betriebe ihre Fruchtfolge und reduzierten den Winterweizenanteil deutlich. Besonders auf schweren Standorten sind die Alternativen jedoch sehr begrenzt. Man setzte verstärkt auf Sommerungen (z.B. Sommergerste) oder auch Mais, um die Fruchtfolge durch weitere Kulturen zu erweitern. „Am Ende habe ich das Gefühl, die betroffenen Betriebe kämpfen immer noch“, mutmaßt Michael Horsch.
Dem Umbau der Fruchtfolge sind jedoch auch Grenzen gesetzt. Zwar gelingt es vielen Landwirten, über Sommerungen wie Erbsen, Bohnen, Mais oder Sommergerste kombiniert mit optimierten Produktionsverfahren saubere Bestände zu etablieren. Doch diese Kulturen bringen oft deutlich weniger Marge – ein Dilemma, das die Landwirte unter wirtschaftlichen Druck setzt.
Wirkung Bodenherbizide
Wenn wir über Wirkstoffe sprechen, liegt derzeit der Schwerpunkt bei der Ungraskontrolle auf den Bodenherbiziden, die wir bestmöglich zur Wirkung bringen müssen. Viele Umweltbedingungen wie Bodenfeuchte sind entscheidend für den Anwendungserfolg des Herbizides. Aber auch die Aussaat ist ein wichtiger Punkt für den Erfolg der Ungraskontrolle. „Gleichmäßig tief abgelegtes Saatgut, ausreichend Saatgutbedeckung und eine krümlige Ackeroberfläche sind das A und O. Nur so können Bodenherbizide nach der Saat mit sicherer Wirkung und gleichzeitig möglichst geringen negativen Effekten auf die Kultur angewendet werden“, sagt Michael Braun.
Regional lösen Weidelgräser den Ackerfuchsschwanz als Ungras Nummer 1 ab. Herbizidresistenzen sind beim Ackerfuchsschwanz bereits seit mehreren Jahren bekannt. Neuer sind Resistenzen beim Weidelgras. Derzeit findet man die Probleme fast ausschließlich beim Welschen Weidelgras, das auch Verwendung im einjährigen Ackerfutterbau, bei Untersaaten und Zwischenfruchtmischungen findet.
Biologie der beiden Süßgräser:
Ackerfuchsschwanz ist vermehrt auf schweren Böden zu finden und ist winter- und sommerjährig. Seine Keimung findet hauptsächlich im Herbst bei Bodentemperaturen zwischen 10 bis 15 °C statt, kann sich aber bis in das Frühjahr hineinziehen. Bereits ein Lichtreiz von wenigen Millisekunden reicht aus, um die Keimung anzuregen. Aus dem gewundenen Keimblatt entwickeln sich Horste mit 20 bis 60 cm hohen Halmen. Daraus entstehen im Zeitraum Juni bis Juli bis zu 20 Scheinähren pro Pflanze. Diese können bis zu 2.000 Samen ausbilden. Der Samen kann als frühreif bezeichnet werden, da er in der Teigreife schon keimfähig ist. In den oberen Bodenschichten ist das Saatgut nach ca. vier Jahren nicht mehr keimfähig. Eingepflügte Samen können bis zu zehn Jahre überdauern.
Das Welsche Weidelgras ist mehrjährig. Es bevorzugt tiefgründige und warme Böden bei gleichzeitig hohem Niederschlag. Die Keimung findet im Gegensatz zum Ackerfuchsschwanz ganzjährig statt. Dafür muss die Bodentemperatur allerdings über 10 °C liegen. Danach entwickeln sich Horste. Die Pflanzen werden 30 bis 100 cm hoch und überragen die Kultur. In den Sommermonaten Juni bis August werden daraus die Ähren gebildet. Pro Pflanze können sich so bis zu 1.500 Samen entwickeln. Bereits kurz nach dem Ausfallen und somit vor der Aussaat der nächsten Kultur können diese zu keimen beginnen. Im Boden können die Samen bis zu fünf Jahre überdauern.
Quellen: Lfl Bayern, Praxis Agrar, BIO Aktuell, lk Online, TLLLR, LFULG Sachsen
Rolle des Saatzeitpunkts
Im Hinblick auf Resistenzen spielt der Saatzeitpunkt des Winterweizens eine zentrale Rolle. „Eigentlich müsste man später säen“, sagt Michael Horsch. „Allerdings sind spät gesäte Bestände vergleichsweise konkurrenzschwach. Daher säen viele Landwirte auf problematischen Ungrasstandorten bewusst früher und versuchen auf diesem Weg, konkurrenzstarke Bestände zu etablieren. Das bedeutet, sie drillen trotz relativ früher Aussaat zusätzlich auch eine verhältnismäßig hohe Saatstärke an Winterweizen in die Reihe. Dadurch kann die Kultur eine starke Konkurrenzkraft in der Drillreihe aufbauen und dort dem Ungrasdruck entgegenhalten.“
Landwirte befinden sich hier in einem Konflikt: Einerseits wollen sie möglichst spät säen, um die meisten Ackerfuchsschwanzsamen vor der Aussaat zum Auflaufen zu bringen. Andererseits führt eine frühe Aussaat zu stabilen und konkurrenzfähigen Beständen – was wiederum die Unkrautkontrolle erleichtert.
„Die Quintessenz daraus ist: Wenn die Saatbedingungen passen, gilt es, diese zu nutzen und nicht auf einen späten Termin zu warten. Am Ende ist der perfekte Bestand mit starker Konkurrenzkraft innerhalb der Reihen wichtig“, schlussfolgert Michael Horsch. „Ein weiterer Punkt ist die Schlagkraft, die dann zum perfekten Zeitpunkt benötigt wird“, fügt Michael Braun hinzu.

Reihendiskussion
Bei diesen Herausforderungen kommt in den Regionen mit resistenten Ungräsern auch die Reihendiskussion wieder verstärkt auf. Besonders Betriebe mit hohem Ackerfuchsschwanzdruck richten das Saatbett teilweise mehrere Wochen vor der eigentlichen Aussaat her. Sie spritzen dann die Fläche mit einem Totalherbizid kurz vor der Saat ab und schalten dadurch den vor der Saat zur Keimung stimulierten Ackerfuchsschwanz aus. Dann wird im Scheinsaatbettverfahren, ohne Bodenbearbeitung, direkt hineingesät. Hierbei bewegen weite Reihen weniger Boden als sehr enge Reihen mit Scharschritt. „Den weiten Reihenabstand muss man jedoch immer sehr standort- und vor allem kulturspezifisch betrachten. Aber wir sollten uns durchaus mit 20 bzw. 25 cm Reihenabstand beschäftigen, um eine präzise Einbettung des Saatgutes und Bestände mit höherer Konkurrenz in der Reihe zu erreichen, um so den Gräsern den Garaus zu machen“, so Michael Horsch (mehr dazu hier).
Sollte die Konkurrenz zwischen den Reihen nicht ausreichen, müsse man weiterdenken. Grundsätzlich brauche es breitere Reihen, um Saatgut mit gleich langen Scharen gleichmäßig tief ablegen zu können, um eine homogene Bestandsentwicklung mit hoher Konkurrenzkraft in der Reihe zu erzielen. Für den Bereich zwischen den Reihen könnte zum einen das Hacken als mechanische Lösung, zum anderen der chemische Pflanzenschutz mit neuen Verfahren in Betracht gezogen werden. Für eine erfolgreiche Ungraskontrolle wird es immer wichtiger, die Zusammenhänge zu erkennen und die richtigen Entscheidungen daraus abzuleiten und umzusetzen. „Strategisches Denken ist wichtig, bevor man loslegt“, sagt Michael Horsch abschließend.