Welche Rolle spielen Starternährstoffe?
Nach dem Überblick über den Nährstoffbedarf von Mais und der technischen Betrachtung der Düngerapplikation beschäftigt sich der dritte Teil der Fest-/Flüssigdüngerserie mit den Effekten von Starternährstoffen auf die Entwicklung der Pflanzen – basierend auf umfangreichen Versuchen.

Um entsprechende Erkenntnisse zu gewinnen, wurden umfangreiche Versuche an unterschiedlichen Standorten angelegt mit dem Ziel, Antworten auf die folgenden zentralen Fragestellungen zu erhalten:
- Wie kann eine klassische DAP-Unterfußdüngung ergänzt oder mit reduzierter Menge durchgeführt werden, ohne Erträge zu verlieren? Kann mit einer gezielten Flüssigdüngung in Ergänzung zu DAP die absolute Menge des Unterfußdüngers reduziert werden – bei gleichbleibendem Ertragsniveau? Dabei wurde DAP mit einer NPK-Lösung in verschiedenen Mengen und Reduzierungen getestet.
- Gibt es Unterschiede zwischen reinem Stickstoff (AHL) und NPK-Lösungen? Bei diesem Versuch wurde auf eine reine Flüssigdüngung gesetzt.
- Kann das Ertragsniveau bei Wetterextremen oder schwierigen Bedingungen nach unten hin abgesichert werden? Kann der Bestand durch eine gezielte Düngung vitaler ins Feld gestellt werden, um gegenüber Hitzeperioden und Wassermangel besser gewappnet zu sein? Diese Fragestellungen wurden bei einer Variante mit DAP und einer NPK-Lösung untersucht.
- Auch die klassische Festdünger-Kontaktdüngung mittels DAP direkt in die Reihe (ohne zusätzlichen Flüssigdünger) ist Teil der Versuchsreihe.
Zum Einsatz kam eine speziell dafür angepasste Maschine. Auf eine 6-reihige Maestro TV mit variablem Rahmen wurden mehrere Flüssigdüngerverrohrungen aufgebaut: für eine flüssige Unterfußapplikation, für die Applikation in die Reihe direkt an das Korn sowie für die Düngung neben die Reihe, aber in den Kornwurzelbereich des Maises. Zudem war die Maschine mit einem Festdüngertank für die klassische Unterfußdüngung mittels DAP ausgestattet. In der Front wurde ein Leeb 1.4 CT angebaut – ein autarker Fronttank mit eigener Pumpe und Steuerung für die Ausbringung des Flüssigdüngers. Dieser Maschinenaufbau wurde speziell für die Versuchsreihe angelegt. Ähnliche Ausstattungen sind aber bereits für verschiedene Maestro Modelle wie die SV/SX, die SV L/ SX L sowie die RV verfügbar und in Zukunft auch für weitere Modelle geplant.
Standorte und Voraussetzungen
Die Versuche wurden in verschiedenen Regionen angelegt: in Tschechien auf einem Direktsaatstandort mit schwereren Böden, in der Steiermark (Österreich) und im Elsass (Frankreich) auf sehr guten Maisstandorten mit warmem Klima und in der Schwandorfer Umgebung sowie direkt am Sitzenhof auf Standorten mit einem mittleren Ertragsniveau. Damit decken die Versuchsflächen ein breites Spektrum ab. Die Auswahl der Standorte erfolgte nicht mit dem Anspruch der Vollständigkeit, sondern mit dem Ziel, einen guten Querschnitt zu erfassen.
Die Aussaat erfolgte zwischen dem 10. und dem 24. April – entsprechend den üblichen Zeitpunkten in den jeweiligen Regionen. Zum Saatzeitpunkt war an allen Flächen ausreichend Wasser im Boden vorhanden. Regen kam zeitig. Anschließend wurde es vielerorts trocken – teils vier Wochen ohne nennenswerten Niederschlag. Insgesamt herrschten sehr unterschiedliche Wasserverfügbarkeiten.
Das Frühjahr 2025 war auf allen Standorten eher kühl. Ende Mai lagen die Temperaturen nachts teilweise noch unter 10 °C und fielen stellenweise sogar bis auf 2 °C. Tagsüber war es phasenweise wärmer, insgesamt lagen die Temperaturen jedoch für diese Zeit des Jahres unter dem Durchschnitt. Gute Voraussetzungen also, um in einem kühlen Jahr die Effekte der gezielten Starternährstoffdüngung sichtbar zu machen.
Beobachtungen im Bestand
Erste Erkenntnisse zeigten sich bereits im sehr frühen Stadium in den Beständen.
Bei der reinen AHL-Düngung – wenn zusätzlich kein Phosphor gedüngt wurde – verfärbten sich die Pflanzen erwartungsgemäß bläulich-violett. Der Effekt wurde durch die kühlen Temperaturen nochmals verstärkt. Auch auf Standorten, auf denen im Voraus Gülle gefahren wurde, also eigentlich genug Phosphor vorhanden war, haben sich die Pflanzen verfärbt, da der Phosphor wegen der kalten Bodentemperaturen nicht pflanzenverfügbar war.

Die mit flüssigem NPK gedüngten Varianten haben sich sehr schön entwickelt. Hier konnte keine bläuliche Verfärbung festgestellt werden. Trotz der niedrigen Temperaturen war der ausgebrachte Phosphor in der Saatreihe entsprechend verfügbar. Bis zum 4- bzw. 5-Blatt-Stadium zeigten die Pflanzen ein deutlich besseres Wachstum und präsentierten sich vergleichsweise bereits etwas größer und kräftiger. Ähnliche Effekte zeigte die DAP-Kontaktdüngung direkt in der Reihe. Auch hier blieb die typische Blaufärbung aus.
Auch bei der klassischen Unterfußdüngung zeigten die Pflanzen keine Verfärbungen. Jedoch konnte man hier feststellen, dass es ein wenig länger gedauert hat, bis der Dünger im Depot durch das Wurzelsystem erschlossen war. Der Unterschied zu den Flüssigdüngervarianten hat sich jedoch schnell wieder verwachsen.
Bei höheren Flüssigdüngermengen – sowohl bei AHL als auch bei NPK – kam es zu Verätzungen am Korn. Diese wurden gezielt provoziert, um bessere Aussagen treffen zu könne, wann eine Verätzung auftritt und die Grenze der Applikationsmenge erreicht wird.
Die Gabe von Flüssigdüngern direkt in die Saatfurche wird als Kontakt- oder Starternährstoffgabe bezeichnet, also als ergänzende Düngung. Es zeigte sich, dass die grundlegende Versorgung der Pflanzen mit Nährstoff entsprechend über Unterfußdüngung, Gülle oder die im Boden vorhandenen Nährstoffe kommen muss. Mit einer reinen Kontaktdüngung (flüssig oder fest) kann die Grundversorgung der Pflanzen nicht ersetzt werden, da das Korn und der Keimling durch zu hohe Düngermengen verätzt werden würden.
Ausblick
Die Versuche werden über den Sommer weiter beobachtet. Im Fokus stehen die Ertragsunterschiede und die Frage, ob sich die frühen Entwicklungsunterschiede im Ertrag widerspiegeln oder sich wieder verwachsen. Bis zur Agritechnica im November werden weitere Auswertungen vorliegen – dort wird dann auch Technik zur gezielten Flüssigdüngung ausgestellt und gerne mit den Besuchern über das Thema diskutiert.