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Welche Rolle spielen Starternährstoffe?

Nach dem Überblick über den Nähr­stoff­bedarf von Mais und der technischen Betrachtung der Dünger­applikation beschäftigt sich der dritte Teil der Fest-/Flüssig­dünger­serie mit den Effekten von Starter­nähr­stoffen auf die Entwicklung der Pflanzen – basierend auf umfang­reichen Versuchen.

Um entsprechende Erkenntnisse zu gewinnen, wurden umfang­reiche Versuche an unterschied­lichen Standorten angelegt mit dem Ziel, Antworten auf die folgenden zentralen Frage­stellungen zu erhalten:

  1. Wie kann eine klassische DAP-Unterfuß­düngung ergänzt oder mit reduzierter Menge durch­geführt werden, ohne Erträge zu verlieren? Kann mit einer gezielten Flüssig­düngung in Ergänzung zu DAP die absolute Menge des Unterfuß­düngers reduziert werden – bei gleich­bleibendem Ertrags­niveau? Dabei wurde DAP mit einer NPK-Lösung in verschiedenen Mengen und Reduzierungen getestet.
  2. Gibt es Unterschiede zwischen reinem Stick­stoff (AHL) und NPK-Lösungen? Bei diesem Versuch wurde auf eine reine Flüssig­düngung gesetzt.
  3. Kann das Ertrags­niveau bei Wetter­extremen oder schwierigen Bedingungen nach unten hin abgesichert werden? Kann der Bestand durch eine gezielte Düngung vitaler ins Feld gestellt werden, um gegenüber Hitze­perioden und Wasser­mangel besser gewappnet zu sein? Diese Frage­stellungen wurden bei einer Variante mit DAP und einer NPK-Lösung untersucht.
  4. Auch die klassische Festdünger-Kontakt­düngung mittels DAP direkt in die Reihe (ohne zusätzlichen Flüssig­dünger) ist Teil der Versuchs­reihe.

Zum Einsatz kam eine speziell dafür angepasste Maschine. Auf eine 6-reihige Maestro TV mit variablem Rahmen wurden mehrere Flüssig­dünger­verrohrungen aufgebaut: für eine flüssige Unter­fuß­applikation, für die Applikation in die Reihe direkt an das Korn sowie für die Düngung neben die Reihe, aber in den Korn­wurzel­bereich des Maises. Zudem war die Maschine mit einem Fest­dünger­tank für die klassische Unter­fuß­düngung mittels DAP ausgestattet. In der Front wurde ein Leeb 1.4 CT angebaut – ein autarker Front­tank mit eigener Pumpe und Steuerung für die Ausbringung des Flüssig­düngers. Dieser Maschinen­aufbau wurde speziell für die Versuchs­reihe angelegt. Ähnliche Ausstattungen sind aber bereits für verschiedene Maestro Modelle wie die SV/SX, die SV L/ SX L sowie die RV verfügbar und in Zukunft auch für weitere Modelle geplant.

Standorte und Voraus­setzungen

Die Versuche wurden in verschiedenen Regionen angelegt: in Tschechien auf einem Direkt­saat­standort mit schwereren Böden, in der Steier­mark (Österreich) und im Elsass (Frankreich) auf sehr guten Mais­standorten mit warmem Klima und in der Schwandorfer Umgebung sowie direkt am Sitzenhof auf Standorten mit einem mittleren Ertrags­niveau. Damit decken die Versuchs­flächen ein breites Spektrum ab. Die Auswahl der Standorte erfolgte nicht mit dem Anspruch der Voll­ständig­keit, sondern mit dem Ziel, einen guten Quer­schnitt zu erfassen.
Die Aussaat erfolgte zwischen dem 10. und dem 24. April – entsprechend den üblichen Zeit­punkten in den jeweiligen Regionen. Zum Saat­zeit­punkt war an allen Flächen ausreichend Wasser im Boden vorhanden. Regen kam zeitig. Anschließend wurde es vielerorts trocken – teils vier Wochen ohne nennens­werten Nieder­schlag. Insgesamt herrschten sehr unter­schiedliche Wasser­verfügbar­keiten.
Das Frühjahr 2025 war auf allen Standorten eher kühl. Ende Mai lagen die Temperaturen nachts teilweise noch unter 10 °C und fielen stellen­weise sogar bis auf 2 °C. Tagsüber war es phasen­weise wärmer, insgesamt lagen die Temperaturen jedoch für diese Zeit des Jahres unter dem Durch­schnitt. Gute Voraus­setzungen also, um in einem kühlen Jahr die Effekte der gezielten Starter­nährstoff­düngung sichtbar zu machen.

Beobachtungen im Bestand

Erste Erkenntnisse zeigten sich bereits im sehr frühen Stadium in den Beständen.
Bei der reinen AHL-Düngung – wenn zusätzlich kein Phosphor gedüngt wurde – verfärbten sich die Pflanzen erwartungs­gemäß bläulich-violett. Der Effekt wurde durch die kühlen Temperaturen nochmals verstärkt. Auch auf Standorten, auf denen im Voraus Gülle gefahren wurde, also eigentlich genug Phosphor vorhanden war, haben sich die Pflanzen verfärbt, da der Phosphor wegen der kalten Boden­temperaturen nicht pflanzen­verfügbar war.

Die mit flüssigem NPK gedüngten Varianten haben sich sehr schön entwickelt. Hier konnte keine bläuliche Verfärbung fest­gestellt werden. Trotz der niedrigen Temperaturen war der ausgebrachte Phosphor in der Saat­reihe entsprechend verfügbar. Bis zum 4- bzw. 5-Blatt-Stadium zeigten die Pflanzen ein deutlich besseres Wachstum und präsentierten sich vergleichs­weise bereits etwas größer und kräftiger. Ähnliche Effekte zeigte die DAP-Kontakt­düngung direkt in der Reihe. Auch hier blieb die typische Blau­färbung aus.
Auch bei der klassischen Unterfuß­düngung zeigten die Pflanzen keine Verfärbungen. Jedoch konnte man hier fest­stellen, dass es ein wenig länger gedauert hat, bis der Dünger im Depot durch das Wurzel­system erschlossen war. Der Unterschied zu den Flüssig­dünger­varianten hat sich jedoch schnell wieder verwachsen.

Bei höheren Flüssig­dünger­mengen – sowohl bei AHL als auch bei NPK – kam es zu Verätzungen am Korn. Diese wurden gezielt provoziert, um bessere Aussagen treffen zu könne, wann eine Verätzung auftritt und die Grenze der Applikations­menge erreicht wird.
Die Gabe von Flüssig­düngern direkt in die Saat­furche wird als Kontakt- oder Starter­nähr­stoff­gabe bezeichnet, also als ergänzende Düngung. Es zeigte sich, dass die grund­legende Versorgung der Pflanzen mit Nährstoff entsprechend über Unterfuß­düngung, Gülle oder die im Boden vorhandenen Nähr­stoffe kommen muss. Mit einer reinen Kontakt­düngung (flüssig oder fest) kann die Grund­versorgung der Pflanzen nicht ersetzt werden, da das Korn und der Keimling durch zu hohe Dünger­mengen verätzt werden würden.

Ausblick

Die Versuche werden über den Sommer weiter beobachtet. Im Fokus stehen die Ertrags­unterschiede und die Frage, ob sich die frühen Entwicklungs­unterschiede im Ertrag wider­spiegeln oder sich wieder verwachsen. Bis zur Agritechnica im November werden weitere Auswertungen vorliegen – dort wird dann auch Technik zur gezielten Flüssig­düngung ausgestellt und gerne mit den Besuchern über das Thema diskutiert.