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Getreideaussaat: Vereinzelung oder gleichmäßige Tiefenablage – was ist wichtiger?

„Normale“ Saatbedingungen mit gemäßigtem Nieder­schlag für den gleich­mäßigen Feld­aufgang werden seltener. Dafür werden immer häufiger längere Trocken- oder extreme Nass­perioden die Aussaat­zeit­räume prägen.

Während bei Trockenheit das Saatkorn in einen gut rück­verfestigen Saat­rillen­grund mit einer sicheren Keim­wasser­versorgung abgelegt werden sollte, um einen sicheren Feld­aufgang zu erzielen, möchte man bei Nässe das Korn nicht zu fest einbetten und möglichst lange säen. Zusätzlich haben die Wetter­extreme Einfluss auf die Intensität der Boden­bearbeitung und somit auch auf das Säschar. Die Boden­bearbeitung kann man grob in vier Intensitäts­stufen gliedern: wendende Boden­bearbeitung, Mulch­saat, Minimal­boden­bearbeitung und Direkt­saat. Die Intensität der Boden­bearbeitung wird häufig von den externen Rahmen­bedingungen beeinflusst.

Einbettung und Vereinzelung

Bei der Drillsaat setzen viele Betriebe auf Scheiben­sätechnik. Wie sieht hier das Angebot auf dem Markt aus und wie unterscheiden sich die Systeme hinsichtlich der Ausformung des Säschlitzes?
Das universellste und in der Praxis am weitesten verbreitete Verfahren ist die Aussaat mit dem Doppel­scheiben­schar. Durch das Aufdrücken der Saatrille verfestigt es die Erde links und rechts zur Furchen­wand hin (siehe Abb.1). Die Ablage­tiefe wird über den voraus­laufenden Packer und die danach folgende Andruck­rolle gehalten. Ein Uniformer oder eventuell eine Fang­rolle drücken das Saatgut an den Furchen­grund. Das Schließen übernimmt die nach­laufende Andruck­rolle. In der Praxis wird mit diesem Schar nach Boden­bearbeitung mit einer Reihen­weite um die 15 cm gesät.
Die Vereinzelung des Saat­gutes ist empfehlens­wert bei Kulturen, die nicht verzweigen oder bestocken, wie z.B. Zucker­rübe und Mais. Aufgrund unserer lang­jährigen Erfahrungen mit Vereinze­lung bei Getreide kann man zusammen­fassend fest­halten: Erst ab Saat­stärken unter 150 Körner pro m² wirkt sich die Vereinzelung positiv aus. Viel entscheidender als die Vereinzelung ist beim Einzel­korn­säkörper die präzise Ablage des Saatguts in einen perfekt rück­verfestigten Bereich und auf gleicher Tiefe. Eine links und rechts geführte Doppel­scheibe öffnet den Säschlitz. Die Rück­verfestigung erfolgt durch die Tiefen­führungs­rollen entlang der Säscheiben bis unter die Saat­furche (siehe Abb.3).

Das Saatgut wird dann mit einer Fang­rolle in den rück­festigten Bereich (Keim­wasser) gedrückt. Schließ­rollen verschließen den Säschlitz und bedecken das Saatgut. Dadurch findet die Keim­wurzel nach unten verfestigten Boden und der Spross nach oben lockere Erde. Die beiden Tiefen­führungs­räder neben den Scheiben benötigen Bau­raum und deshalb sind Reihen­weiten selbst mit einem Schar­schritt nicht unter 22,5 cm möglich. Unter abtrocknenden oder trockenen Bedingungen erzielt dieses Verfahren die sichersten Feld­aufgängen. Dement­sprechend wird dieses Säsystem immer häufiger bei der Raps­aussaat verwendet. Unter nassen Bedingungen drücken die bau­art­bedingt schwereren Schare leicht zu viel Luft aus der Erde. Auch sind unter nassen Bedingungen häufig die Seiten­wände zu hart und die Wurzeln der keimenden Pflanze entwickeln sich kümmerlich.

Die Einscheiben­sätechnik ist bei der Direkt­saat weit verbreitet. Meistens ist das entsprechende Schar schwerer gebaut und kann so einen höheren Schar­druck aufbringen, der für die Direkt­saat nötig ist. Aber auch nach Boden­bearbeitung kann auf gut abgesetzten Böden gesät werden - im Schein­saat­bett­verfahren, wie z.B. beim Problem­ungras Acker­fuchs­schwanz. Bei diesem Verfahren wird die Tiefe direkt neben der Säscheibe, ähnlich der Einzel­korn­sätechnik, eingestellt. Scheibe und Kufe öffnen die Saat­rille (Abb.2). Das Saatgut wird auch hier mit einer Fang­rolle oder einem Nieder­halter in den Furchen­grund gedrückt. Anschließend bedeckt die Schließ­rolle das Saatgut mit Erde. Durch die Tiefen­führung direkt an der Scheibe kann ohne Packer gesät werden. Reihen­weiten deutlich unter 20 cm sind nur mit einem Schar­schritt (kurzes und langes Schar) realisierbar.

Reihenweite

Bei der Drillsaat von Getreide ist die Reihen­weite ein Dauer­diskussions­thema. Es gibt Argumente für und gegen enge und weite Reihen­abstände. Das Schließen des Kultur­bestandes, um schnell starke Konkurrenz­kraft zu entwickeln, spricht für engere Reihen­weiten. Einsatz­sicherheit und präzise Einbettung sprechen für weitere Reihen­weiten. Als ein guter Kompromiss erwiesen sich über Jahre die ca. 15 cm. Für diese Reihen­weite ist allerdings ein Schar­schritt notwendig, um Blockaden zu vermeiden. Schar­schritt bedeutet, dass kurze und längere Schare verbaut sind. Durch diese Anordnung wirft das vordere Schar Erde vor das hintere und das hintere Schar wirft Erde auf die Saat­reihe des vorderen Säschars. System­bedingt sind dadurch die Bedingungen für die Einbettung und Tiefen­ablage beim vorderen und hinteren Schar unter­schiedlich. Je fließ­fähiger der Boden, desto mehr wird der Unterschied ersichtlich. Abhilfe kann hier nur ein 1-balkiges Säsystem bringen. Hier haben alle Säreihen die gleichen Bedingungen. Für eine einsatz­sichere Maschine wird dafür mehr Reihen­weite benötigt. Weitere Reihen tragen so zu einer präziseren Tiefenablage bei.

Diskussionspunkte

Präzise Ablagetiefe:

  • Gleiche Start­bedingungen für jede Pflanze - interner Konkurrenz­druck später aufgelaufener Pflanzen
  • Einhaltung der Tiefen­ablage und sichere Abdeckung des Saatguts - Vermeidung von Herbizid­stress an Kultur­pflanze bzw. Wurzel
  • Einheitliche Getreide­bestände sind leichter zu führen - Terminierung Herbizid, Fungizide und Wachstumsregler usw.
  • Bei mechanischer Unkraut­regulierung ist eine einheitliche Tiefen­ablage Grund­voraus­setzung für eine optimale Werk­zeug­einstellung

Vereinzelung:

  • Positive Erfahrungen mit Saatstärken unter 150 Körner/m²
  • Bei Kulturen, die nicht bestocken oder verzweigen, ein Muss

Nimmt man alle derzeitigen Heraus­forderungen bei der Drill­saat zusammen, wie z.B. sicherer Feld­aufgang unter trockenen Bedingungen, Nässe oder Vermeidung von Herbizid­stress, ist die Einbettung und Tiefen­ablage (besonders bei Saat­stärken deutlich über 150 Körner/m²) für einen homogenen Bestand wichtiger als die Vereinzelung.