Von der Maschinengemeinschaft zum professionellen Ackerbaubetrieb
HSH Agro steht für effizienten, professionellen Ackerbau und eine kontinuierliche Entwicklung. Doch das war nicht immer so. Betriebsleiter Thomas Madsen erklärt, welche Schritte hierfür gemacht wurden und mit welchen Herausforderungen der Betrieb in Dänemark noch immer zu kämpfen hat.
Die Betriebsstätte von HSH Agro liegt rund 5 km östlich von Hadsund, direkt am Mariager Fjord in der Region Nordjylland. Die Nähe zur Ostsee bringt einige Herausforderungen mit sich. Durch die Lage auf nahezu Meeresspiegelniveau, stehen die Felder oftmals unter Wasser. Ein Zustand, der durch zunehmend starke Regenfälle im Frühjahr verstärkt wird. „Ich kann nicht mehr sagen, welche Menge normal ist. Es gibt kein normal mehr“, erklärt der Betriebsleiter Thomas Madsen die Situation. Dadurch verkürzen sich die Zeitfenster, in denen auf den Feldern gearbeitet werden kann, enorm.

Entstanden ist HSH Agro aus einer Maschinengemeinschaft. Die drei Eigentümer Havnø, Strandkar und Høgholt begannen im Jahr 2000 mit ihren Maschinen zusammenzuarbeiten, schrieben sich aber gegenseitig noch Rechnungen. Diese Konstellation erforderte viel Absprache und hatte langwierige Diskussionen zur Bewirtschaftung der Flächen zur Folge, was die Entscheidungsfindung oftmals in die Länge zog. Um diese Prozesse zu vereinfachen und professioneller zu werden, legte man 2018 schließlich die Flächen zusammen und aus drei Betrieben wurde ein großer Gemeinschaftsbetrieb, der zu dieser Zeit auf rund 1.000 ha wirtschaftete.

Der Weg zur Professionalisierung
Zur Saison 2019 wurde Thomas Madsen als Betriebsleiter eingestellt. Sein Ziel war es von Anfang an, effizienter zu werden, Prozesse zu hinterfragen und zu optimieren. Zuvor gab es unter den Eigentümern keine durchgängige Strategie. Das konnte mittlerweile mithilfe eines Beratungsunternehmens verbessert werden. „Wir wollen das Niveau anheben – vom Landwirt zum professionellen landwirtschaftlichen Betrieb“, erklärt er. So wurden in einem ersten Schritt Flächen zusammengelegt und vergrößert sowie die Fruchtfolge angepasst und ausgeweitet.
Als Thomas Madsen bei HSH Agro begann, waren die Betriebe an konventionelle Bewirtschaftungsmaßnahmen gewöhnt. Es kostete ihn anfangs viel Überredung, die Eigentümer von neuen Verfahren zu überzeugen. Mittlerweile wird auf den meisten Flächen pfluglos gearbeitet. Durch Zukäufe von Flächen werden aktuell knapp 2.200 ha von den zehn festangestellten Mitarbeitern bewirtschaftet. Diese sind anders als bei vielen Betrieben nicht nur zur Saison angestellt, sondern haben das ganze Jahr über einen festen Arbeitsplatz. „Es ist wichtig, dass sich die Jungs auskennen und eine gewisse Routine haben. Dadurch können wir Fehler vermeiden und die Effizienz steigern. Gerade wenn der Betrieb größer wird und auch die Distanzen zunehmen, ist das enorm wichtig“,, erklärt Thomas. Um die Arbeitsplätze im Winter zu halten, werden von HSH Agro auch Lohnarbeiten für andere Betriebe durchgeführt.
Wichtig ist für den Betriebsleiter, dass seine Mitarbeiter Landwirte sind und auch als solche bezeichnet werden. „Das sind Leute, die Ahnung von dem haben, was sie machen. Sie fahren nicht nur Schlepper, sondern bringen zusätzlich ihr ackerbauliches Know--how ein.“ Dieses vermitteln sie auch an die zwei Auszubildenden, die aktuell auf dem Betrieb beschäftigt sind. Sie werden in die Prozesse mit eingebunden und können das in der Schule Gelernte direkt in der Praxis einbringen. Um neue Eindrücke zu sammeln und verschiedene Situationen kennenzulernen, können die Auszubildenden während ihrer Lehrzeit zwischen verschiedenen Betrieben wechseln.
Herausforderung auf den Flächen
Um die Herausforderungen mit nassen Flächen zu bewältigen, werden die Felder mit einem Planierschild nivelliert und geebnet. Das soll verhindern, dass sich Wasser in Gräben auf den Schlägen sammelt und so besser an den Rändern abläuft, um Schäden im Bestand zu verhindern. Die Erde wird dabei so lange bewegt, bis die Flächen eben sind. Die Arbeiten mit dem Planierschild oder Maßnahmen zur Drainage führen die Mitarbeiter von HSH Agro auch für andere Betriebe durch.

Das Frühjahr ist in der Region meist sehr nass. „Um zu schauen, wie die Flächen beschaffen sind, starten wir nach dem Winter mit dem Terrano mit 5 m Arbeitsbreite und fahren einmal außen herum. Der Vorteil daran ist, dass wir direkt sehen, wie der Zustand des Feldes ist. Dadurch können wir das viel besser beurteilen als nur aus dem Büro heraus mit Blick auf reine Daten, was Regen oder das Wetter angeht. Wenn die Situation passt, beginnen wir mit dem 12- m-Terrano, um schnell und effizient zu arbeiten.“
Spezialität bei der Aussaat
In diesem Frühjahr wurde auf 640 ha nach Vorarbeit mit dem Terrano mit einem Focus 6 TD Sommergerste gesät. Die Anschaffung des Focus TD war für Thomas ein wichtiger Schritt in Richtung weniger Pflugeinsatzes. Auch hinsichtlich der kurzen Zeitfenster, in denen auf den Feldern gearbeitet werden kann, bringt der Focus durch das Einsparen von Überfahrten viele Vorteile. Neben Gerste werden auch Weizen, Roggen, Mais und Gras auf den Flächen angebaut. In Zukunft sollen außerdem Bohnen und Erbsen in die Fruchtfolge integriert werden.
Bei der Aussaat von Sommergerste sei die gleichzeitige Untersaat von Gras eine „dänische Spezialität“, die auf rund 200 ha angewendet wird. Die Gerste wird in 3 cm Tiefe gesät und in jeder zweiten Reihe das Saatgras. Von daher muss die Aussaat sehr präzise sein. Im ersten Jahr wird die Gerste geerntet und im darauffolgenden das Gras, mit dem man in der Region gute Erträge erzielt.
Ein Teil des Düngers wird bereits bei der Aussaat mit dem Focus ausgebracht. Die Düngerapplikation erfolgt nach der Robin--Hood--Methode. Das bedeutet eine teilflächenspezifische, bedarfsorientierte Umverteilung von Nährstoffen auf der Fläche, um durch die Düngung eine Angleichung ertragsschwacher Standorte zu erreichen.

In Dänemark gibt es viel Nachfrage nach Stroh. Bei HSH Agro werden rund 30 % des Strohs von den Flächen genommen. Ein Teil davon wird zum Heizen der Betriebsstätte verwendet sowie an eine Biogasanlage verkauft. Auch Betriebe, die auf den Anbau von Karotten spezialisiert sind, benötigen große Mengen Stroh, um das Gemüse auf den Feldern im Winter zu bedecken. Trotz der Nachfrage möchte Thomas Madsen nicht mehr Stroh entnehmen, da dieses auch wichtig für die Struktur des Bodens, für die Fruchtbarkeit und damit auch für gute Erträge ist. Das Stroh wird auf den schweren Böden benötigt und zur Saatbettbereitung eingemischt. Um eine bessere Struktur zu schaffen, wird für den Verkauf auch oftmals nur Stroh von der Mitte der Felder genommen, da am Vorgewende vermehrt mit Maschinen rangiert wird. So auch in den nassen Frühjahren. Durch die zahlreichen viehhaltenden Betriebe in der Region muss die Gülle ausgebracht werden, auch wenn die Felder eigentlich zu nass sind, was zerstörte Vorgewende zur Folge hat. Dem möchte man entgegenwirken.
Schlagkräftige Lösungen
Gegenüber des dänischen Händlers Weko Agro äußerte Thomas Madsen den Wunsch nach einer Lösung, um bei der Aussaat gleichzeitig Schneckenkorn oder Saatgras auszubringen. Der Händler stattete den Focus kurzerhand mit einer DuoDrill aus, da die jetzige MiniDrill zum damaligen Zeitpunkt noch nicht verfügbar war. Dieses Feedback wurde dann auch an HORSCH weitergegeben. Um den Focus direkt am Feldrand mit Dünger und Saatgut zu beladen, wurde die Maschine zudem mit einem Kran ausgestattet. „Ein wichtiger Aspekt mit Blick auf die Effizienz“, erklärt er.

Für Schlagkraft beim Pflanzenschutz setzt der Betrieb bereits seit mehreren Jahren auf einen Leeb PT. Den ersten PT hat Thomas Madsen kurz nach seinem Start bei HSH Agro erworben. Dieser wurde bereits durch ein aktuelleres Modell ersetzt, das nach dieser Saison ca. 50.000 Hektar auf der Uhr haben wird. Von daher wird aktuell bereits über eine Neuanschaffung nachgedacht.

Ständige Optimierung
In der Vergangenheit wurde auf den Feldern, die jetzt zu HSH Agro gehören, oftmals nur Weizen angebaut. Das führte zu Resistenzen gegenüber Pflanzenschutzmitteln. „Eine diversifizierte Fruchtfolge ist ein Investment in einen guten, starken Betrieb. Man darf nicht nur darauf schauen, was am meisten Gewinn bringt. Wir müssen wieder back to basics. In der Vergangenheit hatten unsere Vorfahren viel Rotation auf den Feldern, da sie neben dem Ackerbau auch Viehhaltung betrieben und die Ernte als Futtermittel benötigten. Mit den zunehmend verfügbaren Chemikalien wurde es zu einfach“, erklärt Thomas.
Insgesamt wird bei HSH Agro sehr viel evaluiert, verändert und angepasst. „Wir stellen uns selbst viele Fragen: Wofür geben wir konkret Geld aus? Was läuft gut? Was können wir noch verbessern?“ Um Daten zu sammeln und auszuwerten, arbeitet HSH Agro mit einem GPS basierten System, mit dem jede Maschine ausgestattet ist. Dort ist alles integriert (Felder, Spurplanung, Fahrgassen etc.). Hier sieht Thomas Madsen dann auch die Arbeitsstunden der jeweiligen Maschine und wie viel Zeit dabei auf die Straßenfahrt entfällt. Bei der Datenauswertung wird deutlich, in welchen Gegenden die Maschinen für die gleichen Arbeiten im Durchschnitt länger im Einsatz sind oder wie die Ernte ausfällt. Daraus schließt er dann, wo es sich lohnt, mehr Land zu erwerben.
Ziel von HSH Agro ist Wachstum. Dazu zählt auch, eine neue Betriebsstätte zu bauen, die zentraler gelegen ist, um die Wege und Zeiten, die die Maschinen auf der Straße sind, zu verkürzen. Außerdem sollen dann auch neue Räume für die Mitarbeiter geschaffen werden sowie ein Büro. „Ich möchte für alle Mitarbeiter einen guten Arbeitsplatz schaffen. Denn nur als Team können wir unsere Ziele erreichen und uns stets verbessern.“

Um die Arbeitskräfte auch zu finden, startete Thomas Madsen im Namen von HSH Agro einen Facebook-Account. „Ich möchte zeigen, was wir machen und warum wir das machen. Das alles wird natürlich nur an der Oberfläche erklärt. Aber so werden nicht nur Menschen aus der Landwirtschaft auf den Betrieb aufmerksam, sondern auch solche, die damit nichts zu tun haben.“ Neben der Akquise von Mitarbeitern hofft er, auch das Image der Landwirtschaft vor Ort aufzubessern.