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Auf den Selbstfahrer gekommen

Der Niederländer Geert Burger vermehrt Tulpen und Lilien. Sie sind im Anbau sehr pflanzenschutzintensiv, denn ein Virusbefall entscheidet über An- und Aberkennung des Pflanzgutes. Für mehr Sicherheit, Effizienz und Komfort beim Pflanzenschutzmitteleinsatz hat der Landwirt im Frühjahr in einen HORSCH Leeb Selbstfahrer mit 8.000 l Brühetank, 36 m Gestänge und moderner PWM-Düsentechnik investiert. Er berichtet von den Erfahrungen aus der ersten Saison.

Geert Burger ist studierter Gartenbauer und Betriebswirt und leitet mit seinem Neffen zusammen das Unternehmen Burger Lelies en Tulpen BV mit Hauptsitz im kleinen Ort Espel, nur 2 km vom niederländischen Ijsselmeer entfernt. Die Männer sind auf die Vermehrung von Tulpen und Lilien spezialisiert. 150 ha Blumenzwiebeln bauen sie jährlich an, davon 50 ha Tulpen und 50 ha Lilien im Umkreis von 20 km um Espel und den Rest an einem zweiten Betriebsstandort in Noord-Holland sowie auf Flächen in der südlichen Provinz Limburg. „Wir vermehren rund 40 Tulpen- und 20 Lilien-Sorten. Insgesamt gibt es mehr als 2.000 bzw. 500“, erklärt Geert Burger.
Wie die meisten seiner Berufskollegen aus der Provinz Flevoland hat Geert Burger das Privileg, auf sehr fruchtbaren Sand- und Tonböden mit ausreichend Wasser für die Beregnung zu arbeiten - beste Bedingungen für den Anbau von Blumenzwiebeln. Allerdings handelt es sich nicht um seine eigenen Flächen. „Wir pachten ausschließlich und weil sowohl Tulpen als auch Lilien eine Anbaupause von fünf Jahren verlangen, pflegen wir mit entsprechend vielen Landwirten Pachtverhältnisse. Dabei hilft es, wenn man mit moderner boden- und umweltschonender Technik arbeitet“, erklärt Geert Burger seine Rahmenbedingungen.

Lilienernte

Anfang November ist seine Mannschaft gerade mit der Lilienernte und dem Pflanzen der Tulpenzwiebeln beschäftigt. Laufend fahren große traktorgezogene Anhänger aufs Betriebsgelände und entladen vor einer großen Halle ihren Inhalt aus Erde, Wurzeln und gelb-weißen Zwiebeln in einen 20 Tonnen Annahmebunker. Von dort aus durchlaufen die Blumenzwiebeln einen mehrstufigen Nassreinigungs- und Sortierprozess, werden anschließend in Holzkisten abgefüllt und luftgetrocknet, um später in einer anderen ähnlich groß dimensionierten technischen Anlage und durch viele fleißige Hände von Pflanzenresten befreit und dann automatisch nach Gewicht sortiert zu werden.

Weltweiter Handel

„Der Großteil der Ernte geht an unsere Kunden. Das sind holländische Exportbetriebe, die weltweit mit Blumenzwiebeln handeln. Während Tulpenzwiebeln zu etwa gleichen Teilen im Inland und europäischen Ausland vermarktet werden, um daraus letztlich Schnittblumen zu ziehen, verbleiben von den Lilienzwiebeln nur schätzungsweise 10 % in unserem Land. Der Großteil wird von Rotterdam aus in Länder wie Mexiko, Kolumbien, Japan und China verschifft“, erklärt der Vermehrer sein Geschäft.

Vermehrungsmethoden

Den kleineren Teil der Ernte verwendet er wieder für die Vermehrung. Bei den Lilien erfolgt das über die Methode der Schuppenvermehrung. Dazu werden die einzelnen Schuppen abgebrochen, in Torfmoos gepflanzt und durchlaufen in einer klimatisierten dunklen Halle einen simulierten Sommer und Winter. Nach 13 Wochen bei 23 °C Wärme sind auf den Schuppen junge Zwiebeln zu sehen – im Durchschnitt etwa zwei pro Schuppe. Eine große Lilienzwiebel produziert etwa 25 Schuppen, sodass Geert Burger aus jeder Zwiebel innerhalb von nur sechs Monaten etwa 50 neue Zwiebeln zieht. 13 weitere Wochen bei 5 °C und Landwirt Burger kann die jungen Lilienzwiebeln auspflanzen.
Bei den Tulpen funktioniert die vegetative Vermehrung über Tochterzwiebeln. Eine Tulpe bildet davon ein oder zwei. Sie wachsen im Frühjahr bzw. im Sommer an der Mutterzwiebel, werden im Juli gerodet und im Oktober/November neu gesetzt.
Tulpen und Lilien unterscheiden sich ebenso in ihrer Vegetationsperiode, weshalb es für die achtköpfige Mannschaft von Burger Lelies en Tulpen BV das ganze Jahr über immer etwas zu tun gibt. In der Erntezeit werden sie von 30-40 Aushilfen unterstützt.

Hohe Pflanzenschutzintensität

Für beide Zwiebelarten ist es gleichermaßen essenziell, den Vektordruck im Feld so gering wie möglich zu halten. Denn eine Virusinfektion mindert die Qualität und ab einem Befall von nur 5 % kann eine Pflanzgutpartie aberkannt werden und taugt damit nur noch für die Biogasanlage. „Hier geht es um Werte von 35.000 €/ha. Hinzu kommt noch mal ungefähr dieselbe Summe für das Ausgangspflanzgut. Deshalb ist die Blattlaus unser größter Widersacher und wir gehen in der Bekämpfung keine Risiken ein“, betont Geert Burger. Von Ende Februar bis zur Ernte ab der zweiten Juniwoche spritzt er seine Tulpen jede Woche ein Mal, bei Wärme sogar alle fünf Tage und kommt im Jahr auf etwa 20 Überfahrten. In den Lilien sind es sogar 30 Überfahrten, sodass er allein mit der Virusbekämpfung auf eine jährliche Spritzfläche von 2.500 ha kommt. Hinzu kommen Herbizid- und Fungizidmaßnahmen im Umfang von jährlich etwa 250 ha.
Er setzt chemisch-synthetische Insektizide und vor allem flüssige Repellents ein. „Testweise arbeiten wir auch mit Aloe Vera. Im Vergleich mit traditionellen Vergrämungsmitteln zeigt sie 30 % Minderwirkung, ein Risiko, das wir uns wie gesagt nicht erlauben können. Sollten wir solche ökologischen Produkte zukünftig verstärkt einsetzen bzw. in unsere Spritzstrategie integrieren, gehe ich davon aus, dass wir noch häufiger werden fahren müssen“, spekuliert Geert Burger und meint: „Mit unserer neuen Spritze haben wir in jedem Fall ausreichend Leistung.“

Erster Selbstfahrer

Anfang des Jahres entschied er sich erstmals für einen Selbstfahrer – das Modell Leeb 8300 PT von HORSCH mit 8.000 l Edelstahlfass, 36 m Gestänge mit 25 cm Düsenabstand, Reifendruckregeltechnik und der neuartigen Düsentechnik Pulsweitenmodulation (PWM). „Vorher nutzten wir eine 4.000 l Anhängespritze mit 36 m Gestänge und standen vor der Frage, wieder in solch ein Gerät und einen neuen Traktor oder besser in einen Selbstfahrer zu investieren. Im Nachhinein ist die Antwort klar. Wir sind von unserem Selbstfahrer absolut überzeugt. Für uns ist er in allen Belangen besser als ein Traktorgespann “, erklärt Geert Burger. Seit Mai sei sein Pflanzenschutzfahrer mit dem 310 PS starken Geschoss unterwegs und bisher sehr zufrieden. Er genieße eine bessere Sicht nach vorne, habe deutlich weniger Rüstzeiten und könne die komplette Spritze inklusive der Pulsweitenmodulationstechnik von Raven bequem von der Fahrerkabine aus bedienen. Er wählt lediglich den gewünschten Abstand zur Zielfläche sowie Wassermenge und Druck vor. Und bei etwaigen Fehlfunktionen wie beispielsweise einer verstopften Düse erhält er automatisch eine Information im Terminal. Begeistert sind Fahrer und Chef ebenso von der GPS-Lenkung. „Dank RTK-Genauigkeit kommt es beim Spritzen nicht mehr zu Überlappungen. Dadurch sparen wir bei jeder Durchfahrt 1-3 % Pflanzenschutzmittelmenge ein. Bei einem Pflanzenschutzmitteleinsatz von mehr als 200.000 €/Jahr springt da theoretisch ein kleiner Extra-Urlaub bei raus“, rechnet Geert Burger schmunzelnd vor. Im Kraftstoffverbrauch sei der Selbstfahrer mit 9 l/h beim Spritzen und 25 l/h bei Straßenfahrt (50 km/h) vergleichbar mit dem Gespann aus Traktor und 4.000 l Anhängespritze, arbeite aber dank der Reifendruckregeltechnik bei feuchten Bedingungen deutlich bodenschonender. „Da wir bei den Pflegearbeiten immer wieder dieselben Fahrspuren verwenden, ist Bodenschonung ein sehr wichtiges Thema für uns und unsere Verpächter. Schließlich wiegt der 8300 PT leer 12,5 t“, argumentiert Geert Burger.

Abdriftminderung

In den Niederlanden grenzt fast jede Ackerfläche an ein Gewässer und Geert Burger arbeitet mit einem Vorgewende von 7 m, das unbearbeitet bleibt. Beim Wenden mit der Spritze muss sein Fahrer das Gestänge jedes Mal einklappen, damit es das Gewässer nicht quert. „Deshalb haben wir uns für eine 5-teilige statt der üblichen 7-teiligen Gestängeklappung entschieden. Schön wäre es, wenn sie sich noch etwas schneller ansteuern ließe“, erklärt der Landwirt.
Um Abdrift ins Gewässer zu vermeiden, ist die Fahrgeschwindigkeit beim Spritzen in den Niederlanden gesetzlich auf maximal 8 km/h begrenzt. „Mit unserer bisherigen Technik konnten wir diese Geschwindigkeit nicht bis zum Feldende ausfahren. Das kostete zum einen Leistung und zum anderen war der Erfolg der Pflanzenschutzmaßnahmen im Feldrandbereich immer schlechter als in der restlichen Fläche“, erinnert sich Burger. „Mit der neuen Technik wollten wir deshalb den Abstand zur Zielfläche verringern und das Gestänge maximal 30 cm über dem Bestand führen. Das verhindert Abdrift, verlangt aber eine ausbalancierte, ruhige Gestängeführung und ein Düsenkonzept mit 25 cm Abstand. Beides bietet die neue Maschine und wir rutschen beim Einsatz einer 50 %-Düse automatisch auf 90 % Abdriftminderung“, verdeutlicht er.

Pulsweitenmodulation

Dank der Pulsweitenmodulationstechnik, die Geert Burger noch rechtzeitig nachorderte, könne sein Fahrer die erlaubten 8 km/h jetzt auch bis zum Vorgewende ausfahren und käme im Vergleich mit der Vorgängerspritze sogar auf die doppelte Flächenleistung. „Denn bei der PWM ist der Druck an der Düse und damit die Tropfengröße unabhängig von der Fahrgeschwindigkeit immer gleich. Das garantiert uns eine gleichbleibend gute Applikationsqualität und die beste Wirkung. Ich rechne fest damit, dass wir das auch im Ertrag sehen werden“, meint Geert Burger. Außerdem ermögliche der große Brühetank eine Erhöhung der Wassermenge von 300 auf 350 l/ha.

Die Technologie von Raven habe ihn zusätzlich knapp 1.000 € je Meter Gestängebreite gekostet, aber dank ihr genieße er jetzt eine Steuererleichterung auf seinen Unternehmensgewinn in Höhe von 27 % des Kaufpreises der Pflanzenschutzspritze. „Das war neben den vielen technischen Vorteilen natürlich auch ein Motivator für den Kauf des 8300 PT Selbstfahrers von HORSCH“, sagt der Unternehmer abschließend.

Tulpenanbau

Während Lilien sandige Standorte mögen, verträgt die Tulpe mittelschwere tonige Böden. Lilien stehen in der Fruchtfolge gern nach Zuckerrüben und Gemüsezwiebeln. Tulpen hingegen präferieren Getreide oder Gras als Vorfrucht. Sie werden im Oktober/November gepflanzt, Lilien im März.
Zu Tulpen führt Geert Burger keine Bearbeitung der Getreidestoppel durch, weil er Stoppel- und Strohreste nicht vergraben möchte. Stattdessen arbeitet er mit einer Spatenmaschine (25-30 cm tief) und einer Bodenfräse mit Messern, bevor die Tulpenzwiebeln im Herbst in den Boden kommen. Ziel ist es, mit den Ernteresten Zwiebeln und Boden über Winter vor Verschlämmungen und Staunässe zu schützen. Als Vorbereitung für das Legen der Lilienzwiebeln sorgt Geert Burger mit Winterroggen als Zwischenfrucht für die nötige Bodengare. Im Frühjahr bereitet er den Boden dann mit einer Pflugfurche für die Pflanzung vor.
Beim Pflanzen der Blumenzwiebeln wird das Feld nach einer digitalen Pflanzkarte kreisförmig von innen nach außen in 1,8 m breiten Beeten bearbeitet. Automatisch greift die Pflanzmaschine auf Zwiebelchargen unterschiedlicher Sorte, Größe und Jahrgänge zu und spart die vorgegebenen Fahrgassen für die späteren Pflegearbeiten automatisch aus. Bei den Tulpen kommen Pflanznetze zum Einsatz, die die spätere Ernte erleichtern sollen.
Sie erhalten zum Winter eine kleine Düngergabe und im Februar/März, wenn die ersten Pflanzen aus der Erde gucken, die Hauptmenge. Dann geht es auch mit den Pflanzenschutzmaßnahmen und der händischen Selektion auf Virusbefall los. Zur Blütezeit in den Monaten April/Mai werden die Tulpen ausgedünnt. Nach der Blüte werden sie geköpft und acht bis zehn Wochen später ab der zweiten Juniwoche geerntet.
Lilien erhalten nach der Pflanzung im März alle drei Wochen eine kleine Düngergabe – in Summe etwa zehn Mal. Zur Blüte werden sie heruntergeschnitten. Bis zur Ernte im Oktober/November wird der Bestand regelmäßig gegen Virusvektoren gespritzt und selektiert.
Blumenzwiebeln bilden nicht viel Wurzelmasse aus und benötigen viel Wasser. Tulpen beispielsweise müssen sechs bis sieben Mal im Jahr beregnet werden und Lilien sogar bis zu zehn Mal.
Die Ernte erfolgt im Betrieb von Geert Burger mit herkömmlicher Amac-Rodetechnik, aber auch hier kommt wieder die Pflanzkarte zum Einsatz, damit die verschiedenen Zwiebel­chargen auch getrennt voneinander geerntet werden.