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Die Zukunft beginnt jetzt

Agro KMR (UA)

In der Ausgabe 14/2017 stellte terraHORSCH den Betrieb Agro KMR in der Ukraine vor. Jean Paul Kihm gewährt uns einen weiteren Blick hinter die Kulissen.

Dieses Mal wollten wir vor allem wissen, wie die Strategie des Betriebes in Sachen Bestandesführung und Technik aussieht: Controlled Traffic Farming (CTF) mit 12 m oder mit 18 m? Sind vielgliedrigere Fruchtfolgen besser? Soll lieber auf Direktsaat oder auf andere Methoden gesetzt werden? Das sind viele Überlegungen. Und alle haben das eine Ziel: die Optimierung des Betriebes Agro KMR.

Alles ist vorstellbar

Agro KMR ist vor allem das Werk von vier Männern: 2006 gründeten die vier französischen Landwirte Jean Paul Kihm, Alan und Florent Renard sowie Jean Loup Michel Agro KMR in der Nähe von Pawlohrad in der Ukraine. Der Betrieb hat 50 Angestellte und bewirtschaftet 12.000 ha, davon 6.000 ha Weizen, 3.000 ha Raps und 3.000 ha Sonnenblumen. Die vier Freunde sind für alles offen und dadurch ergeben sich viele Möglichkeiten: Soll die Anbaufläche vergrößert werden, gibt es Möglichkeiten, die Mechanisierungskosten zu senken, was ist mit CTF, soll in Forschung und Entwicklung investiert werden, wo gibt es bei Fruchtfolge, Logistik, Pflanzenstrategie noch Potenzial …? Oder hilft es weiter, die Fahrer besser zu schulen, auf StripTill zu setzen, CTF effektiver zu machen? Die Gesellschafter setzen sich mit vielen Ideen und Ansätzen auseinander. Alles steht ständig auf dem Prüfstand.

Jean Paul Kihm betont unmissverständlich: „Unsere Philosophie ist klar: Ein landwirtschaftlicher Betrieb hat keine Daseinsberechtigung, wenn er kein ausreichendes Einkommen für die Besitzer und die Angestellten generiert. Die ausgewählten Kulturen müssen rentabel sein, die Kosten müssen auf das Minimum begrenzt werden. Wir sind uns einig, dass der Betrieb die Grenzen der ackerbaulichen und die menschlichen Ressourcen respektieren muss, um dauerhaft zu bestehen. Beides gehört zusammen! Aber um rentabel zu sein, muss jeder interessante Ansatz geprüft werden.“

Logistik optimieren ­- Kosten senken

Auf diesem Grundsatz basieren fast alle Projekte von Agro KMR. „Vor einigen Jahren haben wir uns entschieden, CTF auszuprobieren. Wir wollten vor allem das Spritzen und das Düngerstreuen optimieren, denn mit diesen Geräten machen wir die meisten Überfahrten.

Wir haben Schwarzerdeböden, d.h. 60 % Schluff, 30 % Ton und etwas Sand. Sie neigen zur Verdichtung. In den ersten Jahren - vor der Optimierung der Überfahrtswege - benutzten wir einen Düngerstreuer, dessen Reifen Straßenprofil hatten. Wir fuhren ohne festgelegte Spuren über den Acker, was zu Verdichtungen führte (siehe Kasten „Controlled Traffic Farming“). Diese Fahrspuren waren dann noch bei der Ernte zu sehen. Mit CTF konnten wir die Verdichtungen verringern, so dass sich die Pflanzen auch einheitlicher entwickelten – nur durch die Reduzierung der Überfahrten.“

Abgesehen vom ackerbaulichen Aspekt sind die Vorteile vielfältig:

  • Aufgrund US-amerikanischer, kanadischer und australischer Studien ist von einem Gesamtplus bei der Nettomarge von 13 % zu rechnen.
  • Weniger Verschleiß, weniger Zugkraft nötig
  • Logistischer Vorteil: selbst wenn das GPS-Signal unterbrochen ist, sind für den Fahrer die Spuren zu sehen
  • Weniger Kraftstoffverbrauch
  • Geringere Mechanisierungskosten: da die Struktur des Bodens nicht geschädigt wird, muss der Boden nicht so intensiv bearbeitet werden

Aufgrund dieser ersten erfolgreichen Erfahrungen entschied sich Agro KMR, den Betrieb schrittweise auf CTF mit 18 m umzustellen. Es wird bereits mit zwei 36-m-Spritzen, einer Avatar 18 SD (eine zweite wird im Juli geliefert), einer Maestro 36 SW und einem Evo-Prototyp gearbeitet. „Es fehlt noch eine 18-m-Cultro – im Moment haben wir nur eine mit 12 m. Das gilt auch für den Mähdrescher“, erklärt Jean Paul Kihm. Auf 18 m umzustellen, ist eine echte Herausforderung, vor allem bei der Organisation der Ernte. „Nur wenige Hersteller bieten Mähdrescher mit so breiten Schneidwerken an. Vor allem wegen der Verteilprobleme beim Stroh. Darüber hinaus brechen gerne die Entleerungsschnecken, weil sie nicht stabil genug sind. Man muss dann die Schnecke beim Abtanken auf der Wand des Überladewagens auflegen.“

Viele werden sich jetzt fragen, warum man auf CTF mit 18 m umstellt, wo doch CTF mit 12 m viel weiter verbreitet ist. Es sind zwar große Investitionen nötig und die gesamte Logistik auf dem Feld muss neu durchdacht werden. Aber die Einsparungen sind enorm: „Von einem 12-m- auf ein 18-m-Schneidwerk zu wechseln, ist beim Mähdrescher kein Problem, weil der Motor von der Leistung her schon darauf ausgelegt ist. Auf die Arbeitsgeschwindigkeit wirkt es sich also auch nicht aus. So sparen wir enorm bei den Investitionen pro Hektar.“

Doch CTF ist nur der sichtbare Teil einer Strategie, die komplett auf die Optimierung der Bestandesführung ausgerichtet ist. Jean Paul Kihm fährt fort: „Wir haben in eine Telemetrie-App investiert, mit der wir den Standort jeder unserer Maschinen ermitteln können. Ein Beispiel: Wir beschäftigen uns gerade mit einer Befüllstrategie für die Sämaschinen. Unser bisheriges System ist nicht besonders effizient, wir verlieren zu viel Zeit. Je nach Können des Fahrers schwankt die Dauer zwischen 20 und 40 Minuten. Künftig sollen es 10 bis 15 Minuten sein. Wir befüllen dann wie gewohnt alle zwei Stunden, sparen aber 240 Minuten pro Tag. Dadurch können wir 72 Hektar pro Tag mehr säen, d.h., wir haben eine viel höhere Wahrscheinlichkeit, alle Kulturen unter optimalen Bedingungen zu säen – mit weniger Materialeinsatz.“

Controlled Traffic Farming

Bei HORSCH sind immer ackerbauliche Thematiken die Grundlage für die Entwicklung von Maschinen. Die absolute Fläche auf den Schlägen zu reduzieren, die durch das Befahren in Mitleidenschaft gezogen wird, ist das Ziel von CTF. So werden vorab Fahrspuren festgelegt. Voraussetzung sind gleiche Spurbreite bei den Maschinen und ein RTK-Lenksystem. Die festgelegten Fahrspuren für jede Maschine, die Bestimmung der Feldein- und -ausfahrten, Befüllplätze usw. - das alles ermöglicht zusätzlich eine bessere Organisation der Arbeiten. Die verdichteten Oberflächen lassen sich von 80 % auf 19 %, teilweise sogar auf 12 % (abhängig von der Maschinenbreite) reduzieren. Seit dem Jahr 2013 wird CTF bei AgroVation, einem der HORSCH Betriebe in Tschechien, angewendet.

Auch mit Automatisierung beschäftigt sich Agro KMR intensiv: „Wir versprechen uns viel davon, vor allem für die Regelung der Arbeitsgeschwindigkeit, die Abläufe im Vorgewende und bei der Einstellung der Mähdrescher. Vor allem bei Letzterem gibt es viele Parameter, die stark vom Faktor Mensch beeinflusst werden. Wir haben zum Beispiel herausgefunden, dass die Ernte am Vormittag viel effektiver war, weil die Geschwindigkeiten höher waren. Nachmittags, wenn bei den Fahrern Müdigkeitserscheinungen auftraten, fuhren sie langsamer.“ Das alles wird Auswirkungen auf die Arbeit der Angestellten haben – aber im positiven Sinn. „Zusätzlich möchten wir unsere Fahrer besser schulen“, versichert Jean Paul Kihm. „Sie sollen genauso gut ausgebildet sein wie Servicetechniker.“

CTF, Telematik, Automatisierung … Dank des betriebseigenen Forschungs- und Entwicklungs-Fonds - er beträgt 4 % des Betriebsumsatzes - hat Agro KMR erst in diese Techniken investiert, sie dann getestet und sie schließlich auf dem ganzen Betrieb umgesetzt. Die drei Themen decken sich mit dem wichtigsten Unternehmensziel: die Kosten auf ein Minimum zu reduzieren. Aber wie sieht es langfristig aus mit der Rentabilität der einzelnen Kulturarten und der Bewirtschaftung der Böden?

Besonderheiten des Standortes nutzen

„Seit zehn Jahren überlegen wir uns immer wieder, welche Fruchtfolge die beste ist“, erläutert Jean Paul Kihm. „Wir haben mehrere ausprobiert, vor allem mit Sorghum und Erbsen – wie wir es aus Frankreich kennen. Aber wir haben auch auf mehreren Hektar die klassische ukrainische Fruchtfolge mit Raps-Weizen-Sonnenblumen-Weizen getestet. Wirtschaftlich gesehen ist letztere die rentabelste Variante. Wir können uns diese Fruchtfolge erlauben, weil wir hier nicht die Verunkrautungsprobleme wie in Frankreich haben. Hier gibt es weder resistenten Ackerfuchsschwanz noch Weidelgras. Es gibt allenfalls Ambrosia, aber das kann mit einem Herbizid bekämpft werden.“

Diese drei Kulturen passen perfekt zum Klima und der Bodenbeschaffenheit des Standortes. Die sehr fruchtbaren Schwarzerdeböden mit hervorragendem Wasserhaltevermögen gelten als schwarzes Gold. Dafür liegen die durchschnittlichen Niederschläge bei nur 550 mm pro Jahr, das Frühjahr ist oft sehr heiß. Schon im Mai kann es Spitzentemperaturen von 30 oder 35° geben. Das lässt keine spektakulären Erträge zu. Zur Orientierung: bei Weizen erntet Agro KMR durchschnittlich 40 bis 50 dt pro Hektar. Außerdem sind die Schwarzerdeböden sehr anfällig für Erosion durch Wind und Regen.

„Anfangs hatten wir eine Joker 12 RT, einen Terrano 12 FM, eine HORSCH Scheibensämaschine mit 18 m und eine Maestro 36 SW. Aber wegen der Besonderheiten der Böden sind wir schnell an die Grenzen des Systems gestoßen. Wir orientieren uns Schritt für Schritt in Richtung flachere Bearbeitung, Direktsaat und StripTill. Wir haben die Maschinen bis auf die Maestro 36 SW verkauft und in einen HORSCH Evo (Prototyp), eine HORSCH Cultro (Prototyp) und eine Avatar 18 SD investiert.“

Standardisierung

Das langfristige Ziel ist auf jeden Fall, die Kosten nochmals zu reduzieren: „Von der Leistung her reichen uns Traktoren mit 380 bis 400 PS. Unser Ziel ist es, die gesamte Flotte zu standardisieren. Wenn einer mal ausfällt, können wir schnell tauschen und müssen uns keine Gedanken um Ausstattung, Anhängung oder Leistung machen. Die Möglichkeit, Traktoren und Maschinen vielseitig bei allen Kulturen einzusetzen, bringt uns eine Einsparung bei Neuinvestitionen pro Hektar.

Wir möchten möglichst viele Tätigkeiten standardisieren, wie bei dem oben genannten Beispiel der Sämaschinenbefüllung. Dies funktioniert aber nicht bei Aufgaben, wo vor allem der Mensch gefragt ist, z.B. bei ackerbaulichen Themen oder bei der Reparatur und der Wartung der Maschinen. Durch die Standardisierung von Routinearbeiten werden aber Ressourcen frei, die wir nutzen können, damit unsere Mitarbeiter anderweitig Fachwissen aufbauen können. Und das ist wichtig. Denn wer weiß, welche Herausforderungen die Zukunft noch bringt.“

Die Idee, auf StripTill umzusteigen, entstand, als sich die vier Landwirte näher mit dem Anbau von Sonnenblumen beschäftigten. Um Bodenerosion und Schneeverwehungen zu vermeiden, blieben früher die Stoppeln den ganzen Winter über auf dem Acker. Aber die mit Stroh bedeckten Flächen erwärmten sich im Frühjahr langsamer als die dunkle Erde. Dadurch verschoben sich die Aussaattermine nach hinten. Der Vorteil von StripTill ist, dass die Saatrille auf einer Tiefe von 12 bis 13 cm gesäubert wird, bevor die Sonnenblumen in den erwärmten Boden gesät werden – ohne die Stoppeln zu zerstören.

„Wir haben uns entschieden, den Evo Prototyp zu testen (siehe Kasten „Prototypen im Test“), weil das ein Gerät mit Scheiben ist, die unter allen Bedingungen arbeiten können. Eine StripTill Maschine mit Zinken dringt schwerer in sehr trockene Böden ein – das sind aber nun mal die Bedingungen, die wir normalerweise im Herbst vorfinden. Sie löst ununterbrochen aus und es ist nicht möglich, eine konstante Arbeitstiefe einzuhalten. Außerdem ist bei Scheiben der Zugkraftbedarf geringer: Für eine StripTill Maschine mit Zinken benötigt man einen Schlepper mit 600 PS. Wir brauchen damit nur noch 400 PS.“

Auf dem Betrieb werden zwei Strategien bevorzugt, um Sonnenblumen, Weizen und Raps zu säen. Bei Sonnenblumen wird vor der Aussaat mit der Maestro eine Überfahrt mit dem Evo gemacht, um die Bänder zu bearbeiten und zu düngen. Die Rapsparzellen werden entweder mit dem Evo vorbereitet, dann wird mit der Maestro gesät, oder die Vorbereitung erfolgt mit der Cultro – einer Doppel Messerwalze mit großer Arbeitsbreite, die den Boden oberflächlich bearbeitet und eine Verteilung des Strohs unmittelbar nach der Ernte ermöglicht – dann wird mit der Avatar SD gesät. „Wir haben keine Rückgänge beim Ertrag festgestellt und können daher nicht eindeutig sagen, welches die bessere Methode ist. Da das kontinentale Klima nur sehr kurze Wachstumsperioden für die Pflanzen bietet, scheint grundsätzlich ein Abstand von 25 cm sinnvoller zu sein als 50 cm. Aber mit konkreten Zahlen können wir das noch nicht belegen.“ Die Weizenschläge nach Sonnenblumen werden nur mit der Cultro bearbeitet, dann wird mit der Avatar SD gesät.

„Wir möchten den Boden so wenig wie möglich bearbeiten. Denn wenn er nicht gewendet wird, ist das auch nicht nötig. Außerdem erhöht die Bodenbearbeitung unsere Mechanisierungskosten. Wenn möglich verteilen wir das Stroh mit einem einfachen Hackstriegel, dann säen wir direkt. Allerdings ist bei der Vorfrucht Sonnenblume das Strohmanagement sehr wichtig. In der Ukraine ist das Körner/Stroh-Verhältnis anders als in Frankreich, es gibt viel mehr Rückstände. Wir müssen deshalb das Stroh gleich nach der Ernte trocknen lassen, es zerkleinern und gleichmäßig verteilen. So erhalten wir eine ständige Strohabdeckung, die das Wasser und die Nährstoffe im Boden hält. Es hilft auch, Nagetiere fernzuhalten. Die Cultro ist dabei ideal, weil der Boden nicht zu stark bearbeitet wird.“ 

Prototypen im Test

HORSCH Cultro TC: Hinter dem Namen Cultro TC versteckt sich eine neue Produktlinie im Hause HORSCH, die sich gerade in der Entwicklung befindet. Getrieben von den sehr positiven Erfahrungen mit Messerwalzen an der bekannten Joker RT Baureihe kommen in der Cultro TC zwei überkreuz-schneidende Messerwalzen zum Einsatz. Die Baureihe wird Geräte von 3 Meter bis aktuell 12 Meter Arbeitsbreite umfassen und im gezogenen Bereich mit einem Packer oder Striegel kombinierbar sein. Die Cultro TC eignet sich hervorragend zur ersten, sehr flachen Stoppelbearbeitung in Raps, Sonnenblumen, Körnermais und mürben Getreiderückständen. Auch für das Nieder- bzw. Einarbeiten von Zwischenfrüchten ist sie ideal. Die leichtzügige Einheit punktet vor allem durch hohe Flächenleistungen, niedrige Kosten und vielseitige Anwendungen.

HORSCH Evo: Der HORSCH Evo ist als Boden- und Saatbettbearbeitungswerkzeug ausgelegt. Allerdings wird nicht flächig bearbeitet, sondern gezielt in Streifen im jeweiligen Reihenabstand der Kultur. Einsatzgebiet ist die Vorarbeit zu klassischen Reihenkulturen, wie Mais, Sojabohnen, Zuckerrüben oder Sonnenblumen. Der Evo ist mit Einzelreihenelementen ausgerüstet, die mit angestellten Scheiben einen Streifen bis zu einer Tiefe von ca. 10 cm intensiv bearbeiten und fein krümeln. Im Zuge der Überfahrt kann mineralischer Festdünger in den Streifen abgelegt werden. Als Maschinenbasis dient der Säwagen der bekannten Maestro SW Baureihe. Mit einem Fassungsvermögen von 8500 Liter und einer Arbeitsbreite von bis zu 18 Meter steht ausreichend Schlagkraft zur Verfügung. Die serienmäßige hydraulische Gewichtsübertragung vom Säwagen auf die Werkzeugschiene sorgt für sicheres Eindringen der Scheibenaggregate über die gesamte Maschinenbreite. Zum Einsatz kommt der Evo immer dort, wo mit möglichst wenig Bodenbearbeitung bzw. Direktsaat gearbeitet wird, aber die Sästreifen trotzdem optimal ausgeprägt werden sollen, um beste Feldaufgänge zu erreichen.